La Petite Patate

……………Weichkochend. Bissfest. Und très dangereuse!

Was vom Michel übrig blieb – Teil 2 (the evil part) Januar 22, 2009

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Alter Schwede, wie die Zeit vergeht!

Alter Schwede, wie die Zeit vergeht!

Michel von Lönneberga-Darsteller Jan Ohlsson früher (rechts) und heute (links).

Komisch, dass weißblondes Haar im Kindesalter irgendwie total niedlich ist, bei einem Erwachsenen aber ganz schnell unseriös wirkt. (Merke: ein Goldkettchen reißt’s auch nicht raus.)

Manchmal ist es ganz heilsam zu sehen, was aus der ersten großen Liebe geworden ist. Wie sehr man plötzlich zu schätzen weiß, dass nicht alle Kindheitsträume in Erfüllung gegangen sind.

Man stelle sich nur mal vor, so was würde jetzt nachts neben einem im Bett liegen- die Frisur ist so blendend hell, da spart man sich glatt den Leuchtsmiley für die Steckdose!

Jan Ohlsson lebt heute übrigens in Uppsala und hat mit der Schauspielerei nichts mehr zu tun.

Ach, was.

 

Was vom Michel übrig blieb Januar 17, 2009

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„Miiiichel, du Lausejunge!“

Das war einen Sommer lang der meist gebrüllte Satz in meinem Elternhaus. Und das nicht, weil ich einen frechen Bruder hatte oder meine Mutter immer noch an ihrer schweren Niederlage zu knabbern gehabt hätte. (Sie wusste nämlich bis zum Tag meiner Geburt ganz genau, dass sie einen Jungen bekommen würde, einen Steffen Alexander. Mein Vater wollte ein Mädchen. Er hat gewonnen, musste dann aber blöderweise im Hochsommer das komplette Kinderzimmer noch mal von blau auf gelb umstreichen.)

Michel aus Lönneberga

Dieser ungezogene Michel war kein geringerer als Michel Svensson. Besser bekannt als „Michel aus Lönneberga“. Seine Abenteuer waren auf meinen allerliebsten Lieblingsschallplatten – und die liefen den ganzen Tag durch, immer wieder und wieder, obwohl ich die Texte längst auswendig konnte. Ich saß vor der Plattenhülle und himmelte Michel an, der mir in Großaufnahme entgegenstrahlte: blond wie ein Weizenfeld und Zähne so groß und weiß, wie man’s aus dem wahren Leben gar nicht kannte, weil man selbst ja noch die ollen Milchzähnchen hatte. Da lag ich also auf dem Teppich vor der Box und stellte mir vor, wie aufregend es wäre, einen Sommer lang mit Michel durch Lönneberga zu toben, der alten Krösa-Maja Streiche zu spielen und Vater Anton in den Wahnsinn zu treiben.

Michel war meine erste große Liebe.

Mein Freund Ralf. Erstversorgung nach Dreiradunfall.

Mein Freund Ralf. Erstversorgung nach Dreiradunfall.

Meine Spielkameraden waren im Vergleich zu Michel irgendwie sehr gewöhnlich. Da war Ralf, mit dem habe ich immer „Vater, Mutter und Kind“ gespielt. Während Ralf mit meinem Dreirad zur Arbeit gefahren ist, blieben die Kinder, also sein Bär Bruno und mein Hase Hoppel – wir waren eine der ersten Patchworkfamilien überhaupt – wieder mal an mir hängen. Und wenn Ralf 11 Runden durch den Garten gefahren war und geschafft von der Arbeit nach Hause kam, musste die Grassuppe schon auf dem Tisch stehen.

Irgendwann war mir das zu blöd und ich habe ernsthaft versucht, mit Simone von nebenan und deren Barbies glücklich zu werden. Nach dem 17. Erpressungsversuch à la „Wenn du mir nicht was Süßes mitbringst, bin ich nicht mehr deine Freundin“, hatte ich die Nase voll vom Zickenterror und bin heim zu Bruno, Hoppel und Ralf, die mich dankbar zurücknahmen. Es kam mir allerdings auch zugute, dass sich Ralf gerade in einer schrecklichen Lebenskrise befand, weil sein Guppy Jens unerwartet Selbstmord begangen hatte. Bei der gemeinsamen Beerdigung waren wir dann schon wieder die besten Freunde: Ich durfte sogar die Klospülung drücken.

Vor ein paar Wochen habe ich mir die „Michel aus Lönneberga-Spielfilm-Edition“ auf DVD gekauft. Ich bin jetzt in einem Alter, wo man anfängt, von früher zu reden, wo die Erinnerung bereits Mitleid zeigt und einen Schleier der Sanftmut über alles legt. Früher war alles schön. Früher war immer Sommer und Sonnenschein.

Komisch nur, das ich noch genau weiß, dass es an meinen Geburtstagsparties im Mai immer geregnet hat und im Sommer vor der Einschulung mein Spielkamerad an Hirnhautentzündung gestorben ist. Der war einfach weg, dabei hatte er mich doch gerade noch beim Polizeihundspielen in den Arm gebissen. Und die vielen Teddys auf dem Grab und die trauernde Mutter, die heulend zu meiner Mama sagt: „Es ist doch besser, dass er jetzt tot ist. Welchem Kind wollte man zumuten, in so einer Welt zu leben?“. Ich stand dabei und fühlte mich wie übrig geblieben und war zutiefst verunsichert, weil ich ja noch ein Weilchen in dieser Welt leben sollte.

Neulich lege ich also unter heutigen Lebensbedingungen die Michel-DVD ein und freue mich auf die Erinnerungen aus der Kindheit. Mit einer gemächlichen Kamerafahrt über grüne Wiesen und rote Holzhäuser setzt der Soundtrack ein – und mit ihm meine Tränen. Ich weiß nicht, warum, aber ich muss so schlimm heulen, dass ich nach 15 Minuten den Film stoppe, weil ich sonst am nächsten Morgen aufgequollen gewesen wäre wie ein Gummibärchen nach einem ausgiebigen Wasserbad.

Seitdem habe ich mich nicht mehr an Michel rangetraut.  Was wäre, wenn das damals alles gar nicht so toll war? Wenn Michel schlichtweg ein hyperaktiver Rotzlöffel war? Seine Eltern Anton und Alma überforderte Rabeneltern? Und mit dieser bitteren Erkenntnis Erinnerungen hochgekommen wären, die gar nicht zu mir gehören können?

Ich hatte so viele schöne Stunden mit Michel, da lass ich mir nicht in meine Nostalgie reinpfuschen. Aber es ist gut zu wissen, dass meine Erinnerungen auf DVD gebannt im Archiv stehen. Wer weiß, wozu sie eines Tages noch gut sein werden.

Demnächst hier: Wie ich lernte, einen Vampir zu lieben, ohne gebissen zu werden.

 

Kartoffel und die langen Beine Februar 3, 2008

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Sie kennen dieses Phänomen ja sicher auch: man steht mal wieder auf dem CSD rum, glotzt neidisch auf die Wagen der Parade und fragt sich, warum da die schönsten Frauen immer Männer sind. Diese Eleganz! Und Beine haben die! Endlos lange und schlanke Beine!

Stripperin Isi aus Big Brother (ja, die mit Abitur) pflegt in genau solchen Situationen immer zu sagen: „Wow, das sind ja Beine bis zum Boden!“

Aha. Beine bis zum Boden. Unglaublich, wie lang solche Beine sein müssen!

Wir alle kennen ja diese kurzbeinigen Menschen, die immer so 3-17 cm über der Erdoberfläche schweben, weil ihre Beine einfach zu knapp ausgefallen sind, und somit eine Bodenhaftung schon allein physisch überhaupt nicht möglich ist. Zum Glück gibt’s da ja noch diese Zauberschuhe „7cm größer in 3 Sekunden“. Mit diesem kleinen Kniff trickst sich ja so manche beintechnisch betrachtete Bodenwurst durch den rauen Alltag der Langbeiner, indem sie sich ruck-zuck um 7cm nach unten verlängert. Es gibt aber auch mutige Betroffene, die ganz offensiv mit ihrem Problem umgehen und sich auch heute noch trauen, mit Buffalos durch die Prärie zu stampfen. Natürlich ein eindeutiges Stigma, das die jungen Leute da mit sich rumschleppen.

Ich könnte mir auch durchaus vorstellen, dass es irgendwo da draußen schon erste Selbsthilfegruppen gibt: „Hallo, ich bin der Manuel, und ich bin nicht abgehoben, ich hab einfach nur kurze Beine.“ Dabei sitzt er auf einem Stuhl und lässt so total süß seine kleinen Beinchen baumeln.
Die Gegenbewegung hat’s allerdings auch nicht leichter: „Hallo, ich bin die Desiree, und ich hab Beine bis zum Hals. Das ist voll blöd, denn ich würde so gerne mal mehr Dekolleté zeigen.“

 

Kartoffel und die Hafennutte Januar 15, 2008

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Ich kann nicht anders. Ich muss jeden Abend „Big Brother“ schauen. Und damit komme ich in echte Schwierigkeiten. Die soziale Ächtung kann ich wegstecken, aber viel schlimmer ist, dass zeitgleich auf VOX „Das Perfekte Dinner“ gekocht wird und Thomas Hackenberg im Quiztaxi rumfährt. Hallo?! Ich kann mich doch nicht zerreißen!

Die 8. Staffel „Big Brother“! Neu: jetzt noch hoffnungsloser!

Der hauseigene Fisch versucht schon innerhalb der ersten 24 Stunden Selbstmord zu begehen. Er hatte sich das Elend kurz angeschaut und wollte dann nur noch sterben. Kein Happy End für ihn, er wird gerettet.

Die Bewohner – ein Potpourri an menschlichen Sonderbegabungen. Naddel zum Beispiel schaut aus wie Naddel, und Studentin Anki flennt seit ihrem Einzug durch. Die kleene Melly aus Marzahn gibt’s der Stripperin Isi so richtig dreckig, indem sie, als diese mal wieder wie die letzte Hafennutte auf der Matratze rumfliegt, ihr ins Gesicht sagt, dass sie wie die letzte Hafennutte auf der Matratze rumfliegt. Was für eine Frechheit! Dabei hat Isi doch Abitur und nimmt ihren Beruf ernst. (Ich gehe übrigens schwer davon aus, dass sie ausschließlich in dunklen Räumen strippt.)

Mich erinnert Isi übrigens an Laura Palmer aus „Twin Peaks“. Sie hat so diese asoziale Verlorenheit und für David Lynch-Filme typische Leere. Isi wäre sicher die Erste, die es in einem Horrorfilm erwischt, weil sie in viel zu engen Hotpants im Haus die Treppe hoch flüchten würde.

Kevin ist in dieser Staffel der neue Freak, dem die Frauen vertrauen, weil sie ihn als asexuellen Teddybären betrachten, während er sich wundert, weshalb er plötzlich so einen guten Lauf bei den Weibern hat. Angespornt von so viel Erfolg, wird dann vom Frauenversteher schon mal so lange eine Salzstange lasziv geleckt, bis ich brechen muss. Kevin, lieber Kevin, warum sollte es eine Frau antörnend finden, wenn du Knabbergebäck so lange lutschst bis es weich ist?!

Die Moderatorin Charlotte Karlinder ist offensichtlich im 27. Monat schwanger, aber keiner weiß, von wem. Wenn ich sie gestern beim Nuscheln richtig verstanden habe, soll ihr Freund behaart sein, aber das hilft mir jetzt auch nicht richtig weiter. Ich werde allein schon deswegen weiter dranbleiben, weil ich wissen muss, ob die Karlinder im armen oder reichen Bereich niederkommen wird. Und ob Salzstangenlutscher Kevin dann die verständnisvolle Hebamme machen wird.

 

Kartoffels absurde Erlebnisse voller Liebreiz II November 17, 2007

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Neulich im Quiz-Taxi auf Kabel 1.

Thomas Hackenberg. Ein Ehemann. Eine Ehefrau. Beide farblich und intellektuell stimmig.

Frage: „Welcher Name steht im deutschen Buchstabieralphabet für den Buchstaben O ?“

Die Kandidaten sind sichtlich verunsichert. Hätten sie mal lieber die Straßenbahn genommen.

„Ich gebe Ihnen eine kleine Hilfe. Es heißt zum Beispiel A wie Anton… Und beim O ist es O wie…?! Naaaa?“

Das Ehepaar schaut sich erleichtert an und ohne zu zögern sprudelt es aus Beiden zeitgleich heraus:

„O wie schade!“

Z wie zu blöd aber auch.

 

Kartoffel und das Quiz Taxi 4.0 November 5, 2007

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Als kleine verfressene Kartoffel bin ich immer rettungslos ergeben, wenn man mich liebevoll bekocht. Deshalb schaue ich auch regelmäßig „Das Perfekte Dinner“ auf VOX. Lecker, lecker und die eigene Küche bleibt sauber. Allerdings nerven mich die Werbepausen immer ganz schrecklich. Da wird dann brutal zwischen Vorspeise und Hauptgang unterbrochen, dass mir fast der Appetit vergeht.

Ich habe also nur zwei Möglichkeiten.

Erstens: während des Werbeblocks den Ton abdrehen, was sich allerdings nur für mich als ideale Lösung herausstellte. Meine Co-Couchkartoffel hasst nämlich nichts mehr als ein Fernsehbild ohne Ton und verfällt dann immer in einen dem Hospitalismus ähnlichen Zustand, bevor der Kragen platzt und das Hirn implodiert.

Okay, okay, muss ja nicht.

Also Möglichkeit zwei: Rüberzappen auf Kabel 1, wo das Quiztaxi durch ganz Deutschland inklusive Mallorca gurkt und die skurrilsten Passanten in unerwartete Prüfungssituationen bringt. Am Steuer Thomas Hackenberg, der sein Taxi zärtlich „fahrendes Baguette“ nennt und früher bei „Wie bitte“ am Start war.

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass der Herr Hackenberg ausschaut wie Bruce Willis?

Natürlich wäre das an sich kein Problem. Ich konnte bis gestern auch gut damit umgehen. Doch dann hat meine Co-Couchkartoffel zum gemeinsamen DVD-Abend „Stirb langsam 4.0″ angeschleppt. Sie wissen schon, der alternde Bruce Willis muss noch mal ran und mal wieder das ganze Universum retten.

Nach 6 Minuten und der ersten Ballerszene bin ich eingeschlafen. Selig schlummernd inmitten eines Dolby Surround 5.1-Klangteppichs aus Detonationen und Gewehrsalven.

Als ich wieder aufwache, sehe ich, wie Thomas Hackenberg unter Beschuss durch düstere Straßen fährt und wundere mich kurz, warum er blutverschmiert ist und so betont männlich Witze reißt, bis die nächste Frage kommt.

Langweilige Folge. Also schnell mal umgeschaltet zum „Perfekten Dinner“, da müsste doch jetzt gerade die Punktevergabe kommen.

In diesem Moment trifft mich der blutunterlaufene Blick der Co-Couchkartoffel.

Oh-oh. Ich bin im falschen Film. In mehrfacher Hinsicht.

Notiz für mich:

Merke, bei „Stirb langsam“ gibt’s keinen Passantenjoker!

 

Kartoffel vergeht der Appetit Oktober 17, 2007

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Ich habe mich ja schon lange daran gewöhnt, dass Medien die fürchterlichsten Typen irgendwo aus dem Dreck ausgraben und in das Licht der Scheinwerfer zerren.

Erinnern Sie sich an den Kannibalen von Rotenburg? Das war dieser Typ, der im Jahre 2001 zu seiner Internetbekanntschaft Bernd B. sagte: „Du, ich hab Dich zum Fressen gern“.
Seinerzeit ging das ganz groß durch die Medien. Ich weiß noch genau, wie mir beim Lesen der detaillierten Schilderungen im „Stern“ schlecht geworden ist – und ich dabei ausgerechnet in der heißen Badewanne gelegen habe und mein Kreislauf ins Schwitzen geriet.

Lebenslange Strafe, lebenslange Schande. Hinter Gittern und ab dafür. Ewige Verdammnis, gerne psychologische Beratung, aber ich will’s nicht wissen.

Doch nun erfahre ich heute, dass dem Herrn Kannibalen eine exklusive RTL Dokumentation gewidmet wurde, die immerhin 2,44 Millionen Deutsche vor den Fernseher zog. Vermutlich, weil das „Perfekte Dinner“ leider wieder viel zu schnell vorbei war und der Film „Hannibal Rising“ viel zu wenig gemenschelt hatte.

„Der Kannibale von Rotenburg sieht nicht so aus, wie wir uns einen irren Menschenfresser vorstellen.“, weiß die BILD Zeitung heute zu berichten. Und ja, tatsächlich, es gibt ein Exklusiv-Fotoshooting! Original Kannibalen-Fotos, die die Bestie plötzlich selbstzufrieden lächelnd zeigen, adrett rausgeputzt und weltmännisch posierend am Kaffeeautomaten der JVA.

Das ist e-kel-haft! Bäh.

Das People-Magazin „Vanity Fair“ hatte da schon früher den Riecher, wer der neue Star von morgen sein könnte. Da gab’s nämlich eine kleine Exklusiv-Titelstory „Der Kannibale von Rotenburg – über sein Leben, seine Tat“. Auch hier diese schicken Fotos, die unglaublich sympathisch wirken wollen. Ja, ein Kannibale im Lifestyle-Magazin, gleich neben Catherine Zeta-Jones.

Blöd nur, dass der Kannibale lebenslänglich einsitzt und man ihn so nicht auf Tournee schicken kann. Herr Menschenfresser könnte wunderbar Tim Mälzers Show „Born to cook“ die nötige gewagte Würze geben. Spannend wäre es auch, ob die Kochkünste für den Wochensieg beim „Perfekten Dinner“ ausreichen würden oder ob ein paar vegetarische Zicken total unaufgeschlossen reagieren würden.

Entschuldigung. Ich habe mich da jetzt etwas vergaloppiert.

Wie sagte noch gleich Günter Stampf, Reporter aus Leidenschaft und Interviewpartner des Kannibalen: „Ohne Bibel hätte ich diese Abgründe nicht überstanden.“
Nachdem er sich vom ersten Schock erholt hatte, nahm der Vollblutjournalist all seine Kraft zusammen und schrieb ein „Sachbuch“ mit dem reißerischen Titel „Interview mit einem Kannibalen“.
Vielleicht hätte man ihm die Bibel rechtzeitig abnehmen sollen.

   

 

Kartoffel und die haarige Wunschliste September 27, 2007

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Schon die allseits beliebte Prophetin der Neuzeit, Eva Herman, hat einen Zusammenhang zwischen der weiblichen Psyche und dem Zustand der Haare gesehen.
Kurz zusammengefasst: wer sein Frausein nicht korrekt lebt, bekommt Haarspliss. Und wer nicht nahe genug am Herd steht oder so manch haarige Mutter-Ideologie aus dem Dritten Reich abtut, bei dem kann schon mal ordentlich die Dauerwelle verrutschen oder verdientermaßen kreisrunder Haarausfall einsetzen.

Gewagt, gewagt, liebe Eva! Und so grad mal gar nicht mein Ding.

Also konzentriere ich mich auf solche Leute, die sich rational mit der Materie Haar auseinandersetzen – ohne dabei historische Stilblüten zu liefern.
Ich vertraue nicht einfach so jeder dahergelaufenen Theorie!
Ich mag fundiertes Wissen, deshalb schaue ich regelmäßig Werbung im Fernsehen.

Da gibt’s jetzt einen neuen Shampoo-Spot, von dem ich gelernt habe, dass ich einfach meinen ganzen Alltagsstress in einen fetten Haufen voller Glücksmomente umwandeln soll. Man rät mir, nicht nur nachts, sondern auch den ganzen Tag zu tanzen. Also tanze ich seit Montag bei der Arbeit dezent unter dem Stuhl, während ich in den Nächten weiterhin mental meine Schuhe durchtanze. Und siehe da, mein Haar fängt schon an, leicht in der warmen Herbstsonne zu glänzen!

Aber der absolute Werbe-Wellness-Tipp für gesundes Haar, das erst morgen kraftvoll ausfallen wird, ist folgendes Mantra:

Mache aus Deiner To-Do-Liste eine Wunschliste!

Ja, Mensch, warum kam ich denn nicht selbst auf diese grandiose Idee? Manchmal ist man aber auch wie vernagelt…

Also, hier meine aktuelle Wunschliste für diese Woche:

- Ich möchte Fenster putzen, auch wenn die Regenwahrscheinlichkeit bei 93% liegt.
- Ich möchte bügeln noch bevor der Wäschestapel höher ist als ich groß bin.
- Ich möchte unbedingt zum Zahnarzt. Jawohl.
- Ich möchte gewissenhaft die Unterlagen für die Rente bearbeiten.

- Ich möchte jetzt sofort besser funktionierende Tipps für gesundes Haar!!!!!

Nein, ich möchte nicht klagen. Eigentlich bin ich haupthaartechnisch von Natur aus unnatürlich gewaltig bedient. Dick und störrisch wie der reinrassigste Rauhhaardackel!
Gutes deutsches Haar – ganz ohne das alberne Eva-Herman-Frausein-Prinzip!
Meine Friseurin fragt mich jedes Mal, ob ich denn nicht vielleicht doch asiatische Vorfahren hätte. Und ich tue jedes Mal so, als hätte ich nun doch endlich vor, meine Großeltern nach ihren sexuellen Abenteuern im Vietnam-Krieg zu fragen.

Kinder fragen mich ständig, warum mein Haar so dick wäre.
„Ist das echt?“
„Nein. Soll ich meine Perücke mal abnehmen?“
Bei diesem Satz fasse ich zielstrebig in meine Frisur. Spätestens dann läuft das Kind schreiend davon. Und ich kann in aller Ruhe meine Wunschliste weiter abarbeiten.

 

Kartoffel lässt anrichten: Das Perfekte Dinner September 12, 2007

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Andreja Schneider (c) VOX„Ich habe zwei Hobbies: Essen und Trinken!“

So sprach Andreja Schneider von der Musikcomedytruppe „Geschwister Pfister“ am Sonntag in der TV-Sendung „Das perfekte Promidinner“.

Hätte ich Fräulein Schneider nicht sowieso schon für verehrenswert befunden, ich wäre spätestens nach fünf Minuten Kochshow komplett ihrem Charme verfallen. Das macht ihr  so schnell keiner nach, so viel pralle Lebensfreude und Sinneslust.

Unvergesslich, wie sie hingebungsvoll den Teller abgeleckt und sich danach herzhaft das Gesicht mit der Serviette durchgefeudelt hat. Herrlich uneitel und einfach unwiderstehlich.
Was gibt es Schöneres als einen Gast zu bekochen, der statt mit einem halbherzig aufgesagten „Guten Appetit“ das Essen mit den sagenhaften Worten „Eins, zwei – und Action!“ eröffnet?

Ich mag es aber auch, wenn man mich unprominent bekocht. Immer pünktlich um 19 Uhr sitze ich also auf meiner Couch zum „Perfekten Dinner“ auf VOX. Wobei das Essen meistens weniger spannend ist als das zwischenmenschliche Verhalten der Kandidaten.

Montags starten fünf Köche. Da meistens noch nett und umgänglich. Man beschnuppert sich. Doch dann zeigen sich nicht selten nach und nach hässlichste Charaktereigenschaften und menschliche Abgründe.

„Also, ich esse ja kein Fleisch. Und keinen Fisch. Und nix Süßes. Ach, und mit Obst kann ich gar nicht, und vor Gemüse habe ich seit meiner schrecklichen Kindheit furchtbare Angst. “

Aha. Dabeisein ist alles – und sei es nur, um den Koch vor unlösbare Aufgaben zu stellen. Mein Gast, der Terrorist!

Letzte Woche dann eine Handvoll kritischer Hessen. Vier Frauen und ein schwuler Mann. Drei davon offensichtlich PMS. Da hat das Gift nur so gespritzt! Garantiert tödlicher als jeder Kugelfisch!

„Also, Rochen ess isch net. Isch bin schon mit denen getaucht. Und die sind doch auch so niedlisch im Sreischelzoo.“

Dann folgen detaillierte Ausführungen, bis auch dem letzten Gast der Appetit vergangen ist. Die Gastgeberin hat zwar schon riesige rote Stressflecken am Hals, ist aber auf alle Eventualitäten vorbereitet.

„Ich hätte da noch ein Stubenküken für dich!“

Ich erstarre. Wie kann man bloß einem Tierfreund, der schon bei Rochen dahin schmilzt, so unsensibel ein niedliches unschuldiges Stubenküken anbieten?

„Subber… Nehm isch.“

Aber hallo. Ein Mann mit Prinzipien. Und genau jetzt ganz und gar unten durch bei mir.

Am Ende geht’s an die finale Punktevergabe. Jetzt heißt’s sich noch mal so richtig gegenseitig in die Suppe zu spucken und zu beweisen, wie wenig man den anderen Kandidaten gönnt.

„Also, in der Serviette war eine Bügelfalte, und die Erbsen waren mir persönlich echt zu rund. Deshalb gebe ich dem Heiko gaaanz lieb gemeinte 5 Punkte! Oder nein. 3.“

Hilfe!

Dann doch lieber Fräulein Schneider, die es fertig bringt, dass man sich aufrichtig mit ihr freut, wenn sie über ihr eigenes Essen sagt:

„Sieht scheiße aus, schmeckt aber gut!“