La Petite Patate

……………Weichkochend. Bissfest. Und très dangereuse!

Die bissige Kartoffelschau Juli 12, 2009

Gespeichert unter: Auf dem Land, Kinder, Mein Leben, Theater — lapetitepatate @ 2:10

Jetzt kann ich’s sagen: Ja, die Gerüchte stimmen!

Die Kleine Kartoffel hat den Sommer tanzend verbracht! Wild und ausgelassen tanzte sie, bis ihre zarten, ballerinaesquen Füßchen breitgestampft waren wie zwei Kartoffelpuffer! Und alles für die Kunst!

Aber zum Glück fiel der Sommer dieses Jahr auf einen Montag und so konnten ein größeres Unheil und langfristige orthopädische Schäden abgewendet werden.

Frau Patate hatte also neben dem Ausdruckstanz noch genügend Zeit, sich anderen künstlerischen Projekten total hinzugeben. Wenn nicht gerade filigrane Gurken-Kraniche für den China-Imbiss nebenan geschnitzt oder Kartoffeltaschen gefilzt wurden, wechselte man mal eben ins Genre „Kindertheater“ und zeigte mit seiner zweiten Regiearbeit allen, wo der Frosch die Locken hat!

Ein Plakat aus dem Hause Patate.

Ein Plakat aus dem Hause Patate.

Niedlich, gell? Und so brav! Und was hatten die Eltern ihren Spaß! Ja, da wird schon mal ein kleines Kind aus der ersten Reihe weggeschubst, damit man hindernisfrei filmen kann. Immerhin kann sich Lisa-Maria das Video dann zu Hause in aller Ruhe anschauen.

Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde mein persönliches Theater ganz anders aussehen… irgendwie kartoffeliger und wilder… vielleicht in etwa so:

„KaPü“ – „Compagnie de danse de la Patate“ präsentiert: Tanzheater für junggebliebene Gemüsefreunde!

Now playing:

„Der Froschkönig“ oder „Wie die niedliche Prinzessin zu der Erkenntnis kam, dass man viele Frösche schälen muss, um eine Kartoffel zu finden.“

„Dem der das schafft,

dem geb ich sogleich,

eine Tüte Pommes

und die Hälfte von meinem Reich!“

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann frittieren sie noch heute.

 

Die Frau im humorverarbeitenden Gewerbe März 15, 2009

Gespeichert unter: Aus aller Welt, Begegnungen, Comedy, Kleinkunst, Mein Leben, Theater — lapetitepatate @ 2:30

Wo die Sonne der Kultur am tiefsten steht, werfen selbst Zwerge große Schatten.“

- oder: „Der Versuch, einen Abend in einer Comedy-Mixed-Show anhand zweier Zitate des österreichischen Schriftstellers Karl Kraus zu erklären“

Ob Karl Kraus die erfolgreiche Comedienne Heidelinde Hellgelb* auch schon kannte, blieb leider ungeklärt.

Wie heißt es immer so schön: Es gibt ja viel zu wenig gute und lustige Frauen auf deutschen Bühnen. So richtige Rampensäue, die Grips und Charme haben. Manche weiblichen Comedians bekommen deshalb auf der Bühne einen kleinen Sympathie-Bonus von mir.

Und manchmal kommen diese Damen von der Bühne und innerhalb weniger Minuten wird klar: Ja, es sind Zwerge, und die werfen nicht nur monumentale Schatten, sie haben auch einen.

Wie schön, wenn ein Mädchen seine gute Erziehung vergisst!“


Da setzt sich diese lustige Komikerin also neben mich, fängt an zu reden und hört nicht mehr damit auf. „In Kiel bin ich immer ausverkauft, noch bevor die Plakate draußen hängen, aber in Hamburg, da lacht nie jemand über mich. Aber der Dieter**, der hat mir genau erklärt, woran das liegt: „Heidelinde“, hat der gesagt, „Du hast einfach keinen Mut zur Hässlichkeit, das ist Dein größtes Defizit!“

Wow. Ich bin beeindruckt. Ja, es muss wohl an der Schönheit liegen, dass mir diese Frau sofort sympathisch ist und ich den unstillbaren Drang verspüre, nicht über sie zu lachen. Ich schaue also möglichst beschäftigt im Raum rum und suche nach visuellem Halt. Vielleicht lässt Heidelinde ja dann ab von mir. Schwacher Versuch.

„Und Du, Toffi, Du kannst Dich doch sicher auch gegen Männer wehren, oder?“

Toffi: „Ja, ich denk schon. Also, wenn’s sein muss, schon, ja.“

Wie kommt sie da jetzt drauf? Warum soll ICH mich wehren, ich bin ja nicht die Comedy-Quoten-Frau vom Dienst, muss mich mit wilden Komikern rumschlagen und beweisen, dass ich die dicksten Eier hab. ICH bin eine Kartoffel mit so viel Mut zur Hässlichkeit, dass der Dieter nur so staunen würde.

„Du kochst gut, oder?“

Toffi: „Was?“

„Na ja, so dick wie dein Freund geworden ist!“

Morgen, gleich morgen geh ich los und besorg mir Tickets für Malediva oder Tim Fischer. Oder ich geh gleich zu Mario Barth. Wenn schon blöde Sprüche, dann vom Fachmann. Und zwar einem mit echten Eiern.

* Name geändert (unnötige Publicity tut nicht Not)

* * Dieter Hallervorden. Von Wichtigtuern Freunden gern auch „der Dieter“ genannt

 

Kartoffelklatsch mit Susanne Betancor März 3, 2009

Gespeichert unter: Begegnungen, Chanson, Comedy, Kartoffelklatsch mit Promis, Kleinkunst, Kunst, Mein Leben, Musik, Theater — lapetitepatate @ 1:52
Patate mit Popette.
Patate mit Popette.

Susanne Betancor ist die Popette. Eine hinreißend wilde Mischung aus halbspanischer Posängerin und koboldhafter Chansonette. Eine Frau, die von sich behaupten darf, den Begriff „Kammerpop“ geprägt zu haben. Sie ist ein Allroundtalent, Sängerin, Musikerin, Autorin oder auch Malerin und sagt: „Kunst hat die Arschkarte. Sie muss provozieren, unterhalten, irritieren, gefallen, die Sinne anstacheln, die Welt verändern.“ Susanne Betancor hat die deutsche (Klein-) Kunst landschaftlich entscheidend mitgeprägt, einmal kräftig alles umgepflügt mit so wunderbaren Programmtiteln wie „Vollzeitfrisur“ oder „Wurst“.

Erwähnt werden müssen natürlich noch die von der Presse viel bewunderten beweglichen Augenbrauen und Betancors Fähigkeit zur „mimischen Spontanentgleisung“. Die Popette, das ist eine Künstlerin mit Meinung, die mit ihren urkomischen, hochmusikalischen und verspielt skurrilen Shows den Kampf aufgenommen hat: „Ich muss mich wehren gegen Ödnis, Dumpfbackigkeit, Dünkel, den konservativen Reload – reaktionäres Dumpfkabarett, Arschcomedy, den ARD-Freitagsfilm…“

Weichkochend. Bissfest. Très dangereuse.

Kartoffelklatsch mit Susanne Betancor.



1. Mein schönstes Erlebnis mit einer Kartoffel:

eine hat mich letztens im Supermarkt gegrüsst

2. Mit diesem Buch kann man am besten Spinnen erschlagen:

sowas mach ich nicht…und wenn’s sein muss, dann aber mit ÜBERLEBNISS von Ulla Berkewitz

3. Es ist unfassbar, aber bei diesem Film muss / kann ich immer heulen:

ich heule bei allen Filmen, am liebsten bei West Side Story

4. Der Tag ist für mich gelaufen, wenn folgendes Lied im Radio kommt:

…du lässt dich gehn…

5. Mein unvergesslichstes Erlebnis im Schulsport war:

dass der Wille alles ist

6. Ich geb’s zu, als ich 13 war, hatte ich ein Poster an der Wand von:

äh Picasso? glaub ich

7. Niemand sollte je erfahren, dass ich:

hospitalisiere

8. Sonntagmorgen möchte ich auf keinen Fall, dass…

mein Nachbar seine Rolladen hochreisst.

9. Wenn ich Schwarzenegger im Schwimmbad treffe, würde ich ihm sagen:

ich weiss du hast Freischwimmer, aber ich hab Fahrten, ich hab sogar FreiFahrten nur kein Rettung.

10. An mir wird immer unterschätzt, dass ich:

kochen kann

11. Dafür stehe ich sogar nachts auf:

um zu pinkeln

12. Ich hätte besser den Mund gehalten, als ich…

neulich jemandem den Weg erklärt habe

13. Zu einem perfekten Schaumbad gehört für mich:

Schaum

14. Wenn mein Leben ein Roman wäre, würde er mit folgendem Satz beginnen:

es war wohl so…

15. Wenn morgen mal wieder überraschend eine Fee bei mir klingelt, wünsche ich mir:

Marzipan

Bonusmaterial:
Was ich einer Kartoffel schon immer mal sagen wollte:

halt durch.


Visuelles Kurzpsychogramm:

All about Betancor.


… alles und noch viel mehr über die Frau, die mit den Tönen tanzt:


http://www.betancor.de/

http://www.myspace.com/betancor

.

..


Vi

 

The Kotelett of love Januar 25, 2009

Gespeichert unter: Begegnungen, Chanson, Comedy, Kleinkunst, Kunst, Liebe, Mein Leben, Musik, Theater — lapetitepatate @ 4:53

„Kennste eine, kennste alle – stimmt aber nicht!“

Sagt La Signora. Recht hat sie.

Wenn man erst mal alle bekannten Namen der Musik-Kleinkunst mehrfach gesehen hat, ganz viel Futter bekommt, aber nicht mehr satt wird, dann wird es höchste Zeit, die Fühlerchen nach etwas Neuem auszustrecken.

Getrieben von der unstillbaren Gier nach kultureller Befriedigung, strandete ich also gestern Abend im Theater. Nein, „Theater“ ist das falsche Wort, es ist ein kulturelles Zentrum, dessen Leitung sicherlich tagsüber im Frauenbuchladen arbeitet und wo die Techniker Wollmützen tragen und Sozialarbeit studieren. Und kalt isses da immer („Die Zuschauer und die Scheinwerfer machen dann genug Hitze, da braucht’s keine Heizung!“ – Diese Rechnung geht allerdings nur bei einem vollen Saal auf. Danke.) Im Foyer sitzt gern ein reifes, russisches Zwillingspaar, zwei schwedisch-blondierte Damen mit gut und gern 1,87m Körpergröße (sitzend) und riesigen Händen, die nach Berufskillern ausschauen. Bei meinem letzten Besuch in diesem Etablissement gab’s Wodka und Hustenbonbons von Pigor & Eichhorn – und in meiner Kloschüssel lagen rote Rosenblätter. Find ich nett, da komm ich wieder. Diesmal allerdings mit Schal und Handschuhen. Sicher ist sicher. Aber ganz umsonst.

carmela de feo Wo La Signora auftritt, wird es heiß, denn La Signora ist „The Kotelett of Love“. Heiß und fertig und so anschmiegsam wie spritzendes Bratfett.

Carmela De Feo heißt die Musik-Comedy-Künstlerin, die so überzeugend wie absurd die Bühnenfigur „La Signora“ zum Leben erweckt. Eine zarte Frau im biederen schwarzen Rock und Blüschen, zugeknöpft von oben bis unten. Völlig unerwartet und anfangs von vielen Leuten unbemerkt, stürmt sie von hinten in den Saal und wühlt sich schimpfend und keifend den Weg durch die Menge. Schnell wird klar: Das wird kein kuscheliger Wohlfühlabend, das wird harte Arbeit. Denn La Signora ist die geballte Autorität! La Signora ist ein Star! Eine rassige italienische Vollblut-Diva aus Oberhausen! (Dass sie dabei ausschaut wie eine hutzelige Omi aus Sizilien, kann sie sich erlauben, denn wahre Schönheit kommt von innen.)

La Signora, geboren mit einem Akkordeon am Körper, das über die Jahre mitwuchs, begann ihre Karriere als Alleinunterhalterin auf einem Kartoffelacker. (Allein dafür hat sie meine größte Zuneigung!) Doch ein Star sucht das Licht! Anfangs noch in Form rötlicher Schummerlämpchen in einem Theater, wo auch tagsüber gespielt wurde und die Männer hinter Scheiben saßen, dauerte es nicht lange und La Signora erstrahlte im Neonlicht einer Tankstelleneröffnung.

„Ich bin die Schlachtplatte der Erotik! Und ich brauche einen Mann!“


„Habt ihr das Knacken gehört? Das war mein Eisprung!“

Eine Frau in den besten Jahren, die es ernst meint: Ein Mann muss her! Am besten ein Stalker!

Die wilde Jagd im Saal ist eröffnet. Zu diesem Zweck bleibt das Saallicht das ganze Programm über an. Das schüchtert ein und macht gewaltig Eindruck. Ich habe selten so ein konzentriertes Publikum erlebt. Halb aus Angst, halb aus Faszination, sitzen die Zuschauer mit offenem Mund da und wagen es nicht, etwas zu tun, das den Unmut der Diva erwecken könnte. Auch ich kann mich diesem rauen Charme der Terror-Erotik nicht ganz entziehen, bin aber heilfroh, an diesem Abend kein Mann um die 40 zu sein.

„Jeder Pickel ist ein Schrei nach Freiheit!“

carmela de feo

Ich finde es ja immer herzerfrischend, wenn bei all dem männlichen Künstlerüberschuss auch mal wieder eine Frau auf der Bühne steht. Eine Frau, die den Mut hat, lustig zu sein, ganz schrecklich hässlich auszuschauen und dabei trotzdem so viel Schönheit und Charme ausstrahlt, dass sich jede Menge Männer an diesem Abend freiwillig als Stalker zur Verfügung stellen.

Manchmal lässt La Signora beim Singen und Akkordeonspielen das Publikum eine klitzekleine Ahnung davon bekommen, was sie musikalisch kann. Und man ahnt, das ist jede Menge. Schade vielleicht, dass das Akkordeon nie so ganz wild entschlossen losgelassen wird und so manche skurrile Geschichte in der eigenen Absurdität zu ertrinken droht.

Wundervoll dagegen die ruhigeren Passagen, wenn La Signora auf der Bühnentreppe mitten im Publikum sitzt und ein kleines Märchen vorliest, das ihr damals die Oma in Sizilien erzählt hat, während sie dabei auf dem Schoß der Enkelin saß, die ihr das Gebiß gereinigt hat. Ein Märchen von der Schönheit und der Hässlichkeit, die nach dem Baden ihre Kleider vertauschen und seit diesem Tag immer verwechselt werden.

Und während das Publikum noch versucht, die Poesie des Moments zu begreifen, stürmt La Signora auch schon wieder los und endet in einem furiosen Finale mit einem wilden Liebeslied an ihre Heimatstadt Oberhausen. Sie tanzt! Und wie sie tanzt!

Es war ein ungewöhnlicher Abend. Ein Abend, so prall gefüllt mit kraftvoller Komik und Lust, dass man danach dasitzt und glaubt, einen Tornado überlebt zu haben. Die Frisur ist zerstört, aber der Kopf ist gelüftet vom alten Mief hübscher, aalglatter Liederabende.

„Die Liebe ist wie eine Einbauküche. Irgendwann hat man die Schnauze voll davon!“


Wenn man bedenkt, dass La Signora zur Zeit gerade erst dabei ist, einzelne Küchenelemente zum Aufbau auszupacken, wird es noch sehr viele schöne Abende am Küchentisch geben.

Auf die Liebe!

Auf die Schlachtplatte!

Go, La Signora, go!

Wer noch einen Nachschlag möchte, sollte unbedigt Carmela De Feos Homepage besuchen. Neben tollen Fotos und Videos gibt es dort die Möglichkeit, sich ganz unkompliziert als Stalker zu bewerben. Das ist doch mal ein Service!

http://www.carmeladefeo.de/

 

Ich hör Musik – Best of Rest of Cora Frost Oktober 11, 2008

Gespeichert unter: Begegnungen, Chanson, Comedy, Kleinkunst, Kunst, Mein Leben, Musik, Theater — lapetitepatate @ 9:32


„Was wäre“,
denkt der Mann im Mond,
„wenn jetzt die große Welle kommt?“


‘Wenn ich jetzt und hier sterbe, dann wäre das okay so!’

Am Donnerstag hab ich mich doch tatsächlich dabei erwischt, wie ich fast so etwas gedacht hätte. In einem kleinen Anflug von Glückstaumeligkeit. In einem perfekten Moment. Und nein, ich hatte keinen richtig guten Sex oder das ultimative Jägerschnitzel auf dem Teller. Ich war im Konzert bei Cora Frost.

Best of Rest of Cora Frost.

„Con l’amor più vero
mi son perso in te…“

Treue Kartoffelfreunde wissen es, Cora Frost ist die Künstlerin, die ich seit Jahren am nachhaltigsten bewundere. Ohne Kompromisse, ohne Zweifel: „Ich hätte ihr Pommes gemacht“!
Wie viele andere „Kleinkünstler“ habe ich schon sich über deutsche Bühnen schnulzen hören. All die schönen Menschen mit ihren seelenschmeichelnden Liedchen. Nett. Aber „nur für eine Nacht“. „Das Glück war nur von kurzer Dauer“, weil ich viel zu schnell satt wurde, und Nachschlag gab’s selten.
Nein, Musik soll mich herausfordern, ich will mich damit beschäftigen, vielleicht so, wie mit einer guten Lüge, die mit mir nachts ins Bett geht und morgens nebenan am Frühstückstisch sitzt. Unrasiert. Remember, the good lies always win.

Mit guten Liedern verhält es sich ganz genauso.


„I am a fantasy…
mirror mirror look at me
do you believe what I see…“

25 Jahre Cora Frost! (Wow, doch schon so lange!) Zeit zu feiern!
Und wenn ein Pfundsweib wie die Frost sich aufmacht, ihre Reste zum Besten zu geben, dann ist das wie eine Inventur bei Tiffany’s. Ein Lied hochkarätiger als das nexte! Von wegen „billig billig billig“!

„Seht, da kommt sie, die Hure, die dreckige, die!“

Sie hätte sich nach unten geschlafen, wird der Frost vom kongenialen Pianisten Gert Thumser da vorgeworfen. Aber wer Cora Frost an diesem Abend in Pforzheim auf der Bühne gesehen hat, der weiß, dass solch eine Vollblutkünstlerin – und fiele sie noch so tief – immer ganz oben sein wird.
Eine Ausstrahlung wie sieben Sonnen und eine Energie, dass selbst das Duracell-Häschen nervös werden würde. Die Frost singt. Und wirklich alle Zuschauer hängen an ihren Lippen, ab der ersten Note wird gejohlt und geklatscht, wie man es sonst nur bei einem Robbie Williams kennt. Und ich denke, wie schön das ist und wische mir verstohlen ein Tränchen aus dem Augenwinkel. Halb lachend, halb weinend. Es ist wohl die Art von Vorahnung, wie sie nur eine Frau haben kann.

„Wo sind nur meine Jahre geblieben?
Schob sich zwischen mich und meinen Sommer…
Hatte die Füße oft im Dreck
und den Kopf im Himmel drin…
Ich hör Musik
dahin will ich zurück…“

So ein „Best of“-Programm konfrontiert ja nicht nur den Künstler erbarmungslos mit seiner Vergangenheit, sondern rechnet auch mit mir als Zuschauer gnadenlos ab. Zeit für eine beeindruckende Bilanz.
Wie treu und zuverlässig hat mich die Musik von Cora Frost immer wieder begleitet, in Glücksmomenten, bei Seelenkater oder einfach so. Der Frost`sche Supermarkt lässt dich nicht im Stich!

Im Frühling mit der dicken Marie Blüten in Tüten gekauft, den Sommer am Ostseestrand mit Jules und Jim verbracht. Und wenn im Herbst morgens bei der Fahrt zur Arbeit die Krähen an Ljubas Küsse im Kohlfeld erinnerten, freute ich mich schon auf den Winter: endlich wieder antarktisches Petting! Alles Sachen, die es ohne Frost für mich so wohl nie gegeben hätte.

„Hier bei dir da könnt ich glücklich sein
doch die Welt sie scheint mir hier zu klein…“

Das „Best of Rest of Cora Frost“ ist so viel Musik wie absurdes Theater. Kostüme! Pailletten soweit das Auge reicht! Clownsnasen! Bademäntel! Und da, kindlich bunte Bommel an der Musik!
Herrlich übermütiger Klamauk und berührende Momente wechseln sich in Sekundenschnelle ab. 2,5 Stunden reinrassige Ausnahmekunst. Nach so einem euphorisch gefeierten Konzert mag man es kaum glauben, „dass die Bühne der einsamste Ort der Welt ist“. Wo doch vor der Bühne nur Freunde sitzen, die nichts sehnsüchtiger erwartet haben als die Rückkehr der wilden Mutter.

Goodbye Mama! Don´t smoke in bed! Und komm bald wieder!

… ,,,Auch großartig, genial und gut gelaunt:
…….Gary Schmalzl, Toni Nissl & Gert Thumser.
……(anklicken fürs große Vergnügen!)

ein geschmackvolles Tourplakat.

Schmückt jedes Kartoffelzimmer: ein geschmackvolles Tourplakat.

PS: Danke an meine Hof-Fotografin Cora-Mae für die Fotos!

 

Best of Rest of Gruppenfoto September 21, 2008

Gespeichert unter: Begegnungen, Chanson, Comedy, Kleinkunst, Mein Leben, Musik, Theater — lapetitepatate @ 12:04

 

Das muss gefeiert werden: 25 Jahre Cora Frost!

25 Jahre voller Wunder, Würstel und Wildschweinserenaden und dabei immer zuverlässig unberechenbar!

„Best of Rest of Cora Frost“ heißt das aktuelle Programm der Diva mit Bodenhaftung, und man muss davon ausgehen, dass die Frost aus ihren Resten ein Festmahl zaubert, nach dem man sich nicht nur in Kennerkreisen die Finger lecken wird!

Wunderbar absurd wie Cora Frost selbst, ist auch das Motiv des neuen Tourplakates.
Cora Frost mit Band – Nackte Tatsachen! Ungeschminkte Wahrheiten und ein Hauch von Glamour wie seinerzeit beim Denver Clan! 

 

 Ja, schauen Sie nur genau hin, das soll so sein!

Solche Bilder brennen sich natürlich bei mir ins Gedächtnis und lodern wie kleine Lagerfeuerchen in meinem Unterbewusstsein. (Was ganz angenehem für eine gewisse Grundwärme im Innersten sorgt.) Es lodert also so lange, bis eines Tages alles ganz unerwartet Sinn macht. Da surf ich dann vermeintlich ziellos im Internet rum – und fragen Sie jetzt bitte nicht, wie so was passieren kann – und da sehe ich es:

 

 Best of Rest of Weichzeichner.

Ich glaube ja nicht an Zufälle. Eher an Hommagen. Und die Kunst, aus etwas so Albernem wie einem ABBA-Kitsch-Bild ein Foto zu erschaffen, das so manchem Kleinkunstzuschauer den Blutdruck in die Höhe treiben wird. (Man denke nur mal an Gert „Schmollmund“ Thumser!)

Und wenn ich dann so dem Leben wieder mal eines seiner bestgehütetsten Geheimnisse entlockt habe, werde ich ja erst richtig aktiv. Und kreativ.

Und so was kommt dann dabei raus:

 

 Best of Rest of Gemüsegarten

 

Für alle, die spontan Lust auf mehr bekommen haben, könnte ich jetzt z.B. das ABBA-Musical „Mamma Mia“ empfehlen. Tu ich aber nicht. Gehen Sie besser zur Frost, die feiert nämlich am kommenden Mittwoch, den 24.9.08 ihre große Berlin-Premiere im Admiralspalast!

„Best of Rest of Cora Frost“ mit dem einzigartigen Gert Thumser, Gitarrengott Gary Schmalzl und dem smarten Toni Nissl am Schlagzeug. Kostüme, Beleuchtung und Gesang! Theater trifft modernstes Chanson im Sexschuppen – in Stereo und Farbe! Bunt und berauschend wie eine Wundertüte an Silvester!

 

Kartoffel mag’s heute melancholisch Januar 5, 2008

Gespeichert unter: Auf dem Land, Aus aller Welt, Begegnungen, Liebe, Mein Leben, Musik, Queer, Theater — lapetitepatate @ 5:43

 

lass dich fallen

 

winter in kartoffelhausen

 

melancholie

 

winterimpressionen

 

 

Melancholie

Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen,
Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.
Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten
Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.
Des Todes ernste Düsternis bereiten
Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen
Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen
Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten.

Georg Trakl (1887-1914)

 

Da sitze ich also beim Tierarzt zwischen drei Dobermännern und einem Berner Sennenhund. Meine Katze schmollt neben mir in ihrer Transportbox und flucht dabei, was das Zeug hält. Wieso macht eigentlich das kleinste Tier im Wartezimmer den meisten Lärm?

Schnell mal so tun, als ob man nicht dazu gehört und in einem Magazin geblättert.

Dabei fallen mir Fotos ins Auge, die mich in ihrer Optik und Aussage sofort komplett fesseln. Erst viel später realisiere ich, dass sie eine Künstlerin zeigen, die ich unter anderem dafür bewundere, dass sie abgründige Melancholie mit geballter Lebensfreude in ihrer Kunst zusammenführt. Und das in einer Intensität und Ehrlichkeit, wie es nur wenige Menschen vermögen.

 

Foto 1+3: besagte Fotos, Foto 2+4: Winter in Kartoffelhausen

 

 

Kartoffel muss lüften Dezember 7, 2007

Gespeichert unter: Begegnungen, Kinder, Mein Leben, Theater — lapetitepatate @ 4:25

Der kulturverbundene Normalkonsument glaubt sicher auch heute noch, dass vom Kindertheater an sich ein bezaubernder Charme ausgeht. Nichts Reineres als Schauspieler, die Ihre Wochenenden damit zubringen, Pettersson, Findus oder ein fettes Huhn zu geben. All das nur für glänzende Kinderaugen.

Ich persönlich stelle es mir nicht selten entwürdigend vor, die Tage vor Weihnachten in schummrigen Hinterzimmern auf improvisierten Bühnen oder in muffigen Turnhallen zu verbringen, verkleidet als alberne Märchenfigur, von der so viel Würde ausgeht, wie sonst nur von einer Folge „Frauentausch“ auf RTL II.

Nun trägt es sich zu, dass die Kleine Kartoffel alle Jahre wieder in der Vorweihnachtszeit unter die Veranstalter geht und für 150 Kinder ein pfiffiges Kindertheater-Ensemble aufspürt, das sich für wenig Geld und viel Idealismus zum Affen macht.

Letztes Jahr hatte den Zuschlag ein lokales Trio bekommen, das sich dann beim Aufbau als Duo entpuppte, weil der Jüngste der Truppe endlich seriös werden und als „Kleiner Muck“ seine Solokarriere vorantreiben wollte.

Nennen wir das Duo jetzt mal spontan „Theater aus dem Jutebeutel“ – zum Schutz der Künstlerseelen ein Deckname, weil ich jetzt weiß, dass mein Blog bisher noch von jedem Promi auf der Suche nach sich selbst ergoogelt worden ist.
(Hallo, lieber Bülent Ceylan, schau, Du kommst auch wieder vor!)

Samstagmorgen, 7 Uhr. Da kommt also das 2-Leute-Trio zum Aufbau. Eine Dame und ein Herr, deren eigentliche Berufung offensichtlich das verruchte Chansongewerbe ist. Am Abend davor war es wohl spät geworden beim Auftritt im „Cabaret Oh la la“ und man hatte danach weder Bett, noch Dusche, Zahnpasta oder Deo gesehen. Wow, da war der Broadway-Zauber aber ganz schnell weg. Pföff! Und weg! Es ist schon etwas ernüchternd, wenn die Turnhalle noch drei Tage nach den Restalkoholfahnen der Akteure riecht.

Bin ich unfair? Vielleicht würde ich ja auch saufen, wenn ich meine freien Vormittage als Teilzeit-Weißclown verbringen müsste, wo ich doch geboren bin für Jaques Brel und große Gesten.

Also haben Sie Mitgefühl für alle Künstler, die Kindertheater machen, sich dabei nicht selten um jeglichen zwischenmenschlichen Respekt bringen und dann auch noch in Blogs verrissen werden.

Ich persönlich freue mich schon darauf, am kommenden Samstag wieder Kindertheater auf höchstem Niveau zu veranstalten. Augen zu und Vorhang auf! Ich werde berichten. Und lüften.