La Petite Patate

……………Weichkochend. Bissfest. Und très dangereuse!

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Mai 1, 2009

Gespeichert unter: Aus aller Welt, Begegnungen, Gesundheit, Kinder, Mein Leben, Queer, Soziales — lapetitepatate @ 8:58

Ein Fehler.

Es handelt sich hierbei zwar nur um einen Artikel aus der Rubrik „Freizeit-Spass“, dennoch möchte man meinen, Herr Al Bano Carrisi selbst wäre ein grober Übersetzungsfehler der Schöpfung. Und was bin ich froh, dass man diesem durch und durch heterosexuellen Schnulzenfuzzi Mann und Übervater die Möglichkeit zu einer ausladenden Richtigstellung seiner mittelalterlichen Ansichten gegeben hat. Klingt doch alles gleich viel differenzierter und reflektierter, wenn man es nur richtig übersetzt.

Ja, Homosexualität als Laune der Natur! Ein seltsamer Streich! Ein Makel!

Verbreitet sein Wort! Übersetzt, was das Zeug hält!

Eine Frage hätte ich noch: Ich möchte Sie wirklich nicht beunruhigen, Signor Carrisi, aber wie alt sind ihre beiden süßen Kinder? Ganz sicher, dass der hübsche, lockige Knabe im Vordergrund nicht doch mal ein sensibler Schwuler wird? Oder das blonde Mädchen da in Ihrem Arm, hätte sie nicht das Potential zu einem bisexuellen Luder?

Herr, wirf Hirn vom Himmel!

 

Früh übt sich April 4, 2009

Gespeichert unter: Begegnungen, Kinder, Mein Leben, Soziales — lapetitepatate @ 6:31

„Wir waren ja letztes Jahr auf einer Kreuzfahrt in Dubai. Toffi, machst Du eigentlich auch lieber Urlaub in Ländern, in denen die Menschen reich und glücklich sind? Also, diese armen Menschen und Armut möchte ich im Urlaub nicht sehen.“

Clara (8 Jahre alt)

 

Eingeschränktes Seevermögen Februar 11, 2009

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Eingeschränktes Seevermögen

Eingeschränktes Seevermögen

Sorgfältiger Service: Saison übergreifender Schilderwald am See.

Außerdem strengstens verboten: im Sommer mit Eis zu schwimmen oder im Winter Wasser aus dem See zu trinken.

Hunde dürfen übrigens weder im Sommer noch im Winter ins Wasser geworfen werden.


 

Wie tief kann man sinken? Februar 8, 2009

Gespeichert unter: Auf dem Land, Aus aller Welt, Begegnungen, Gesundheit, Kinder, Mein Leben, Soziales, Sport — lapetitepatate @ 5:15

„Ja, was macht die Kartoffel denn nun für eine Sportart? Und warum gackert sie erst und legt dann nix?“


Solcher Art Gedanken werden Sie, meine lieben Leser, nachts um den Schlaf gebracht und tagsüber die Konzentration geraubt haben.

Es tut mir leid, dass ich Sie so lange auf die Folter gespannt habe. Aber ich musste mich erst einmal von den sportlich ambitionierten Anstrengungen der letzten Tage erholen. Wie Sie wissen, war die perfekte Ausrüstung bereits angeschafft, und gut vorbereitet ging’s dann auch ans Werk.

Zuerst einmal in der Theorie. Zu klären waren folgende Grundsatzfragen:

- Sind Kartoffeln hydrophil?

- Was ist zu tun, wenn Chlorwasser in die Kartoffelaugen kommt?

Nun zur Praxis.

Alles begann mit einem Winterspaziergang um den Kartoffelhäuser See. Eine vertraute Umgebung, duftendes Wasser links und Hundehaufen rechts. Und plötzlich steht da ein neuer Schaukasten! An meinem See, direkt neben dem Anglerverein, wo’s im Sommer immer die dicksten Fischbrötchen der Welt gibt. (Hab ich schon mal erwähnt, dass ich jedes Mal schon nach einem halben Fischbrötchen kapitulieren muss? Es schüttelt mich dann immer so vor lauter sauer. Aber das nur am Rande.)

Ich guck also in den Kasten, trete dabei mit dem Profil meiner Sportschuhe einen verdammt großen Hundehaufen in die Breite, und kann nicht glauben, was da beworben wird. Zum Glück schaffe ich es noch, ein Foto zu machen, bevor mich ein brutaler Lachanfall ausschaltet.

Plitsch platsch Pinguin...

Unterwasser-Rugby? Für Kinder? So was gibt es?

Schauen Sie sich das Bild mal genauer an. Würden Sie wollen, dass Ihre kleine, zarte Tochter Clara-Sophie da mitmacht? Ich finde ja, in dieser Mannschaft gibt es auffallend viele… monumentale Jungs! Scheint fast so, als geht ins Unterwasser-Rugby alles, was zu behäbig ist fürs Fußball und zum Nintendo spielen zu dicke Finger hat. Und es ist für die kleinen Racker so wunderbar gelenkschonend, wenn sie unter Wasser ihre Aggressionen auslassen können. Toll.

Ist der Trainer dann auch unter Wasser dabei oder macht er es wie der weiße Hai? Dann munter werden, wenn das Wasser sich rot verfärbt?

Fest steht, wenn Ihre Tochter Unterwasser-Rugby spielen darf, sind sie als Eltern ganz sicher nicht überbehütend und können pädagogisch auch mal loslassen.

Mein persönliches Fazit zum Thema Unterwasser-Rugby:

Fett schwimmt oben, und die Kleinen müssen unten rumwuseln und die Punkte machen. Raten Sie mal, wer am Ende dann wieder feist den Pokal ins Bild hält. Genau. Der Ottfried-Kevin.

 

Kaufst du noch oder spazierst du schon? Januar 31, 2009

Gespeichert unter: Aus aller Welt, Begegnungen, Mein Leben, Soziales — lapetitepatate @ 6:10

Frage 1:

Gibt es tatsächlich Menschen, die samstags einfach mal so zum Bummeln zu IKEA fahren und dann dort fett und breit mitten in meinem Weg stehen, um die schöne Aussicht und die frische Luft zu genießen?

Frage 2:

Können diese Leute nicht einfach wieder an einen See fahren und Enten füttern?

Frage 3:

Warum habe ich schon wieder zwei Packungen Servietten und drei Duftkerzen gekauft?

… und zum Schluss eine rein rhetorische Frage:

Wie hat Mann mich dazu überreden können, eine Tüte voller schwedischem Gummisüßbabb zu kaufen, wo man schon von außen gesehen hat, dass das Zeug nicht schmecken wird?

Pfui!

 

Drei Engel für Patate Dezember 13, 2008

Gespeichert unter: Auf dem Land, Begegnungen, Liebe, Mein Leben, Soziales — lapetitepatate @ 4:31

familie_4generationen


Deutschland 1978.

In Kartoffelhausen feiert man mit Toblerone und Traubenzucker ausgelassen den 85. Geburtstag von Uroma Philippine Patate. Auf ihrem Schoß: La très Petite Patate mit Strumpfhosen und farblich passenden Tulpen. Man beachte: Uroma und Urenkelin haben den gleichen entspannten Gesichtsausdruck.

Ich finde es wunderbar, dieses Foto zu besitzen. Vier Generationen von Frauen aus meiner Familie für die Ewigkeit festgehalten. Vier starke Frauen, eine weichkochender, bissfester und gefährlicher als die andere. Und alle mit ganz großen Herzen und ganz viel Liebe für andere Menschen.

Wirklich wahr, ich erinnere mich sogar noch an diese Familienfeier, weil alle mit mir durch die Küche getanzt sind. Die Hände als Hut über dem Kopf, haben wir gesungen: „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann in unserm Haus herum – widibumm…“. Und immer, wenn eine Runde rum war und ich wieder am gruseligen Kohleofen vorbei kam, hatte ich vor diesem glühenden Monstrum einen Riesenrespekt.

Meine Urgroßmutter hatte bis zu ihrem Tod übrigens kein einziges graues Haar und die geschmackvollste Tapete in ganz Mannheim.

Männer kommen an diesem Tag in meiner Erinnerung nicht vor, aber irgendwer muss ja das Foto gemacht haben.

 

I’m a Barbie Girl September 25, 2008

Gespeichert unter: Begegnungen, Mein Leben, Soziales — lapetitepatate @ 9:10

„Au weia, jetzt geht’s ans Eingemachte. Also: Ich finde Dich total niedlich!“

Genau so begann einer der lustigsten Liebesbriefe, die ich in meiner langjährigen Laufbahn als Herzensbrecherin und Vamp bekommen habe. Die Betonung liegt übrigens auf „lustig“, und das mit dem Eingemachten fand ich sogar mal richtig originell… aber mit „niedlich“ darf man mir nicht kommen. Zumindest nicht, wenn man mir sachlich erklären möchte, welche meiner vielen positiven Eigenschaften den Antragsteller letztlich überzeugt hat.
Im Zusammenhang mit mir auch gern genommen: „putzig“ oder „süß“. Uärg. Geht gar nicht. Passiert mir aber immer wieder.
Ich möchte als vielseitige Frau mit all meinen Facetten betrachtet werden. Ganzheitliches Begehren sozusagen. Ja, bitte, schaut doch mal auf meinen Knackarsch! Sabbert mir in den Ausschnitt!

Okay, ich geb’s zu. Der Hauch von Verruchtheit umweht mich nicht pausenlos. Da bin ich manchmal nachlässig.
Und so ist es dann wohl auch passiert. Ich sitze also mit meinem Kollegen Manfred im Pausenraum, und da sagt der zu mir: „Schade, dass es bei uns im Team keine richtige Frau gibt!“

So. Das ist ja mal was Neues. Gerade Manfred will beurteilen, was eine richtige Frau ausmacht. Dieses kleine Würstchen in Trekking-Sandalen?! Wir sind 18 Frauen im Team. Aber keine ist richtig? Wo doch immer mindestens eine davon PMS ist? Und was ist mit mir? Hallo?

Jetzt gebe ich mir solche Mühe, fraulich zu wirken und war bislang auch ganz zufrieden mit meinen Leistungen. Ich rasier mir jeden Morgen die Haare von den Zähnen, trage fleißig Rosa und ab und zu sogar einen Push up-BH (Was mich nervös macht, weil ich dann meine Füße nicht mehr sehen kann… nee, kleiner Scherz.)

Hm, keine richtige Frau. Das hat mich dann doch nervös gemacht. Also bin ich nach Feierabend direkt in den Zeitschriftenladen und habe mir eine Ausgabe des „Barbie“-Magazins gekauft. Am nächsten Tag habe ich es dem Chef auf den Schreibtisch gelegt und gefragt, ob ich so was unter „Fachliteratur zur Weiterbildung“ abrechnen könne. Das fand der lustig, aber Geld hab ich nie dafür bekommen.

Der Manfred ist sowieso ein total possierliches Kerlchen. Und immer in Sorge um das Wohlergehen seiner Kolleginnen. Gerade auch im Sommer. Da schaut Manfred dann immer gewissenhaft nach, ob bei seinen Mädels noch alle Titten ordnungsgemäß im Ausschnitt sitzen.
„Toffi, glaubst du, die Praktikantin muss ihre Schamhaare wegrasieren, wenn sie diese Hüfthosen trägt?“
Solche philosophischen Exkursionen mag der Mann. Manchmal lass ich mich auf diese Spielchen ein, nur um ihm den Spaß zu nehmen. „Meinste echt, die hat schon Schamhaare?“ oder auch „Hm, keine Ahnung, ich schau bei der immer auf die Riesenmöpse!“ Das turnt den total ab, wenn ich da mithalte. Richtige Frauen machen das nicht.

Mir ist übrigens auch aufgefallen, dass Manfred in meiner Gegenwart kaum noch Taschenbillard spielt. Sie kennen das? Hände in die Hosentaschen, durchzählen, ob noch alle Eichen da sind und dann die Konsistenz überprüfen. Abschließend an den Fingern riechen. Großes Kino!

Schön, dass es noch richtige Männer gibt! Danke!
Durch solche Testosteron gesteuerten Totalausfälle weiß man doch die Frau ansich erst wieder richtig zu schätzen.

 

Kartoffel, der Klugscheißer und eine Prise Elfenstaub September 17, 2008

Gespeichert unter: Begegnungen, Kinder, Mein Leben, Soziales — lapetitepatate @ 10:06

„Kleiner Klugscheißer“ würde man dazu wahrscheinlich sagen. Aber das wäre unsensibel. Lasst es uns schön reden und es wertschätzend „ein Kind mit einem gesunden Selbstbewusstsein“ nennen.

Da sitze ich also mit dem putzigen Wonneproppen Justin bei den Hausaufgaben und versuche, mich nützlich zu machen. Immerhin habe ich im Mathe-Abi 6 Punkte geschafft – ein Umstand, der mich mental und auch emotional gestärkt an die Situation rangehen lässt.

 

Toffi: „Haste echt super gemacht, Justin! Nur hier ein kleines Fehlerchen…“

Justin: „Nein.“

Toffi: „Wie bitte? Hä? Nein?“

Justin: „Das stimmt alles.“

Toffi: „Schau mal, hier… 12+3=17 … das ist falsch…“

Justin: „Nein.“

Toffi: „Doch.“

Justin: „Mein Onkel ist Wissenschaftler und deswegen weiß ich auch alles! DU hast bestimmt nicht so einen Onkel!“

Toffi: „Hm…“

 

Toffi, denk nach! Nö, nix zu machen, kein promovierter Onkel, von dem ich wüsste. Nur einer mit einer Ferienanlage samt Baggersee neben dem Atomkraftwerk und einer, der in Pelze macht. Mist! Hat mich der kleine Nasenpopler jetzt tatsächlich drangekriegt?

Verwirren. Man muss ihn verwirren.

 

Toffi: „Dafür gibt’s in meiner Familie Könige und Prinzessinnen und Elfen und Kobolde!“

 

Das Kind starrt mich entsetzt an. Wahrscheinlich aus purem Mitleid, aber auf kleine Kinderseelen kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen.

 

Toffi: „Und jetzt radierst du die 17 weg. Sofort!“

Justin: „Okay.“

 

So. Geht doch. Ein bisschen Personenautorität hat noch keinem geschadet.

 

Notiz für mich.
Nicht vergessen: Samstag große Familienfeier im königlichen Märchenschloss bei Tante Tussnelda. Antiallergikum einnehmen, da vermehrtes Aufkommen von Elfenstaub!

 

Empfohlen von 1 Million echter Kartoffeln September 13, 2008

Gespeichert unter: Aus aller Welt, Begegnungen, Gesundheit, Mein Leben, Soziales — lapetitepatate @ 8:59

Ich habe ja eigentlich gar nicht mal so viele Zwänge. Und auch absolut keinen Waschzwang. Neutral betrachtet könnte man sagen: ich habe einfach so immer einen beruhigenden Vorrat an verschiedenen Duschgels, Deos und Zahnpastas im Haus. Und gerade auch Bodylotions. 

Ja, ich dufte eben gern und gut und möglichst immer anders, damit sich da auch keiner dran gewöhnt an meinen Geruch. So alle 14 Tage schau ich deshalb samstags im Drogeriemarkt nach, ob’s was Neues gibt und das Alte noch da ist.
Dann stell ich mich voller Tatendrang vors Regal mit all den schönen Bodylotions und fang an, hingebungsvoll daran zu schnuppern. Das geht so: Deckel auf. Einmal leicht gedrückt. Und dann: Nix. Ich riech nix. Chronische Totalverstopfung oder Kapitulation der Schleimhäute. Also nochmal näher dran mit dem Riechkolben und beherzter zugedrückt.

Sprötz. Schlurp.

Ein Creme-Massaker. Überall dieses weiße Glibberzeug. Vor allem in den Nasennebenhöhlen irgendwie unangenehm. (Neulich hing so ein Lotionbatzen auf meinem Kettenanhänger im Dekolletee. Hab ich leider erst an der Kasse gemerkt.)
Jedenfalls soll das alles für Außenstehende sehr lustig aussehen, und deshalb kommen manchmal Freunde mit. Nur so zum Gucken. Die Duftprobe als eine Art Happening. (Die Behauptung, dass die Zuschauer auch Knabberzeug und Campingstühle mitbringen, ist unwahr.)

Da der Blogger ansich ja gerne auch sozialkritisch schreibt, möchte ich Sie nun mit einem Sachverhalt konfrontieren, der mich zutiefst verunsichert hat. (Freizeitleser, die hier nur zum Spaß vorbeischauen: jetzt einfach weglesen!)

Sie kennen diesen Pflegemittelhersteller mit der Taube als Markenzeichen? Genau: Dove. Bei denen wirbt man ja mit diesen netten Mädels von nebenan. Alles angenehm durchschnittliche Frauen mit einer angenehm durchschnittlichen Körperfläche zum Eincremen. Sehr sympathisch. So was muss unterstützt werden. Und wird von mir – nach der Riechprobe – sofort mit nach Hause genommen. Also, die Lotion, nicht die Models.
Aaaaber, muss man Komplexe haben, wenn man zu Dove greift? Weiß dann die Kassiererin sofort Bescheid? „Aha, die hat juckende Hautausschläge und nen dicken Hintern mit Dellen!“
Da kann ich ja gleich nackig rumlaufen, toll.

Egal wie, ich creme mich also morgens mit meiner Dove Bodylotion für extreme Extremhaut ein und lese dabei folgenden Satz auf der Flasche:

„Empfohlen von 1 Million echter Frauen!“

Echte Frauen? Hab ich all die Jahrzehnte etwa Cremes benutzt, die sonst bevorzugt von unechten Frauen benutzt werden? Und was macht die echte Frau aus? Ausgedörrte Problemhaut? Hier und da ein Dellchen? Quasi eine wandelnde Problemzone? Aber hey, alles total echt! Macht mich das an als Kundin? Fühl ich mich da noch sexy in meiner (eingecremten) Haut?

Wenn ich mir’s genau überlege, kenne ich total viele unechte Frauen, die eine perfekte und begehrenswerte Haut haben.
Ich mach hier jetzt einfach mal einen unverbindlichen Vorschlag für einen neuen Werbeslogan:

„Täubchen. Die Lotion für die besondere Frau. Empfohlen von 1 Million echter Transen!“

Kauf ich.

 

Demnächst hier: Mehr zum Thema „Echte Frauen“ und „Falsche Männer“
Es bleibt spannend, schlüpfrig- und sozialkritisch.

 

Kartoffel, der Hackfleischeintopf und das pikante Tischgespräch Juni 23, 2008

Gespeichert unter: Begegnungen, Mein Leben, Queer, Soziales — lapetitepatate @ 2:17

Vielleicht erinnern Sie sich noch daran: Geschichten, die mir das Leben diktiert, mag ich am liebsten. Rausgehen. Erleben. Mitschreiben. Ein wirklich praktischer Service für eine bloggende Kartoffel.

Da sitze ich also – mehr oder weniger freiwillig – mit acht Grundschülern beim Mittagessen. Eine Situation, die dem einen oder anderen Kinderfan sicher sofort den Appetit verderben würde. Mir nicht. Ich kann immer essen, selbst wenn ich mir dabei blutige Geschichten über das Aufeinandertreffen kindlicher Köpfe mit Heizkörpern anhören oder grüne Ergüsse kleiner Rotznasen anschauen muss. Da ist immer was geboten am Tisch!

Heute herrscht allerdings eine himmlische Ruhe. Kein Geschmatze, kein pubertäres Gekicher und kein Gerangel um die beste Nudel von allen. Sehr verdächtig. Also, Vorischt! Alle pädagogischen Sinne geschärft! Da braut sich was zusammen!

Nichts. Andächtige Ruhe. Der Hackfleischeintopf muss ja bombastisch sein.

Fabian (8 Jahre) lädt sich noch mal das Salatschälchen voll und eröffnet quasi beiläufig, völlig unaufgeregt folgenden Dialog:

Fabian: „Ich denke, ich bin jetzt schwul.“

Schluck. Na bitte, da haben wir das Schlamassel. Das Thema „Sexuelle Orientierung“ geht niemals gut.

Aber alle essen unbeirrt weiter, wirken eher schon ernsthaft interessiert als pikiert. Oha.

Die 9jährige Cindy hat natürlich mit einem Jahr Vorsprung bereits die Abgeklärtheit des Alter und antwortet: „Ja, das kenn ich. Ich war auch mal lespik.“

Fabian (kaut seelenruhig die Gurkenscheibe fertig): „Und, wie war das so?“

Cindy: „Och, war ganz okay.“

Fabian: „Kann ich mal die Nudeln haben?“

Cindy: „Yep. Magste auch noch Käse?“

 

Stellen Sie sich so einen Dialog mal unter Erwachsenen in der Kantine vor.

Herr Müller von der Sachbearbeitung: „Ich denke, ich bin jetzt schwul.“

Dazu Kollege Schweinsberger aus dem 3. Stock: „Kenn ich, die Lehmann aus dem Archiv war auch lesbisch…“

Herr Müller: „Und, wie was das so?“

Schweinsberger: „Och, kein Problem, die war gleich rausgemobbt!“

Herr Müller: „…öhm… könnte ich mal die Nudeln haben?“

Schweinsberger: „Im Prinzip gerne, du. Aber das wär mir total unangenehm, wenn mich jemand dabei sehen würde!“