La Petite Patate

……………Weichkochend. Bissfest. Und très dangereuse!

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Mai 1, 2009

Gespeichert unter: Aus aller Welt, Begegnungen, Gesundheit, Kinder, Mein Leben, Queer, Soziales — lapetitepatate @ 8:58

Ein Fehler.

Es handelt sich hierbei zwar nur um einen Artikel aus der Rubrik „Freizeit-Spass“, dennoch möchte man meinen, Herr Al Bano Carrisi selbst wäre ein grober Übersetzungsfehler der Schöpfung. Und was bin ich froh, dass man diesem durch und durch heterosexuellen Schnulzenfuzzi Mann und Übervater die Möglichkeit zu einer ausladenden Richtigstellung seiner mittelalterlichen Ansichten gegeben hat. Klingt doch alles gleich viel differenzierter und reflektierter, wenn man es nur richtig übersetzt.

Ja, Homosexualität als Laune der Natur! Ein seltsamer Streich! Ein Makel!

Verbreitet sein Wort! Übersetzt, was das Zeug hält!

Eine Frage hätte ich noch: Ich möchte Sie wirklich nicht beunruhigen, Signor Carrisi, aber wie alt sind ihre beiden süßen Kinder? Ganz sicher, dass der hübsche, lockige Knabe im Vordergrund nicht doch mal ein sensibler Schwuler wird? Oder das blonde Mädchen da in Ihrem Arm, hätte sie nicht das Potential zu einem bisexuellen Luder?

Herr, wirf Hirn vom Himmel!

 

Meine Lieben in Rosarot Januar 9, 2009

Gespeichert unter: Aus aller Welt, Begegnungen, Kinder, Liebe, Mein Leben, Queer — lapetitepatate @ 12:38

Da sitze ich also mit fünf Kindern im Alter von 6-54 Jahren beim Mittagessen und versuche, glaubhaft zu vermitteln, dass Radieschen im Salat wirklich nichts Schlimmes sind und die Käsespätzle nicht besser schmecken werden, nur weil man sich beim Essen die Nase zuhält.

Jonas (6): „Ich möchte heute einen Tischspruch sagen!“

Es packen sich alle reflexartig bei den Händen und los geht’s:

„Jeder isst soviel er essen kann, nur nicht seinen Nebenmann. Piep, piep, piep wir ham uns alle lieb!“

Ahhhh. Wo hat das Kind nur so was her? Jetzt tut man so viel für eine unsentimentale Erziehung und dann so was. Aber es kommt noch besser.

Jonas: „Ich will für meine nächste Geburtstagsparty ein Motto haben!“

Okay! „Rostige Ritter“. „Miese Monster“. „Peinliche Piraten“.

Klar, warum nicht!

Jonas: „Mein Traumschloss in Rosarot ! Da ist dann alles rosa und nur ganz wenig rot. Und ganz viele rosane Rosen und so! Alle müssen rosa tragen. Also rosa, hellrosa, dunkelrosa…“

Timo (7): „.. und blau?“

Jonas: „Nein. Natürlich nicht.“ (verdreht genervt die Augen)


Ich frage mich ja schon seit längerer Zeit, ob es für einen kleinen Jungen schädlich sein kann, einen lila Fleecepulli tragen zu müssen, der den Aufdruck „Little Princess“ hat . Etwas Ähnliches muss in diesem Moment auch Carla gedacht haben, die mit ihren 10 Jahren schon weit rumgekommen ist und der nichts Menschliches fremd ist.

Carla: „Ich hab in London mal zwei Penner gesehen, die sich geküsst haben!“

Während ich im Hintergrund noch irgendwas höre wie „…rosa Teller, rosa Servietten, rosa Tischdecke…“, konzentriere ich mich jetzt besser auf das Weltbild der Jugend. Natürlich gibt es auch prompt eine Reaktion, bei der die pfiffige Kartoffel sofort einhaken kann.

Julia (9): - immitiert ein herzhaftes Würggeräusch und klopft sich an die Stirn - „Pft, schwule Penner. Schwul! Und Penner! Typisch! E-kel-haft!“

Timo: „Was ist jetzt, kann ich auch in blau kommen?!?“

Hm, Toffi, schnell, sag was, damit die Kinder wieder was gelernt haben.

Toffi: „Es ist überhaupt nichts Schlimmes dabei, wenn ein Mann ein Mann liebt oder eine Frau eine Frau. Jeder ist anders und bei uns gibt’s da kein richtig oder falsch. Und nein, wenn das Motto „Mein Traumschloss in Rosarot“ ist, dann kommt da keiner in blau!“

Carla: „Ich war auch mal lesbisch. Da war ich 6.“

Hm. Hä?

Carla: „Yep. Ich war da nämlich in Hermine Granger verliebt!“

Oh, isses nicht herzergreifend?

Toffi: „Na ja, nur weil du Fan von Hermine Granger warst, bist du ja nicht gleich lesbisch.“

Offensichtlich hatte ich in diesem Moment Carlas starke Gefühle für die kleine Zaubermaus unterschätzt.

Carla: „Doch, doch, das war schon so. Aber das ist vorbei. Heute find ich Lara Croft besser, die ist richtig sauscharf!“

Julia: „Waaaas, biste immer noch lesbisch?“

Carla: „Näääää, guck doch, ich hab nicht mal mehr Pailletten an den Jeans!“

Alle verschwinden zeitglich mit ihren Köpfen unter dem Tisch und bewundern die heterosexuellsten Hosen der Nation:

Tatsache, keine Pailletten.

 

„Gemütlich voll“ – Malediva gibt den singenden Lebkuchen November 29, 2008

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(c) Marc


Wenn das Berliner Chansonduo MALEDIVA in meinem Lieblingstheater aufschlägt, dann ist da immer derart ausverkauft, dass man als Zuschauer eine konkrete Vorstellung davon bekommt, wie sich ein Huhn in Käfighaltung fühlen muss. Der Theaterleiter nennt das – ganz Profi – „gemütlich voll“. (Erklär das mal den Hühnern. Gaaaack-gack.)

An unserem „gemütlichen“ 4-Plätze-Stammtisch wurden gestern Abend also 9 ausgewachsene Erwachsene platziert, und ich habe so wenig Raum für mich, dass sich noch nicht mal meine Platzangst frei entfalten kann.

Rechts von mir die Krokette, die für die nächsten drei Stunden keines ihrer Beine wird ausstrecken können und zum Klatschen eindeutig in meinen Luftraum eindringen muss.

Nun bleibt zu hoffen, dass wenigstens die fünf fremden Mitsitzer am Tisch sympathisch sind und man gern mit ihnen willenlos Körperkontakt haben möchte.

So, da kommen sie ja auch schon: vier leidenschaftlich parfümierte, dauergewellte Damen nach den Wechseljahren, die sicherlich Nordic Walking machen, aber durchaus offen dafür sind, sich mal einen Abend lang schwules Entertainment einzuverleiben. („Ach Gott nee, was für scheene Männer! Noch ‘n Äppelwoi, Petra?!“)

Mit etwas Verspätung kommt dann auch noch der Herr Hahn im Korb, ein kahlköpfiger Rentner im rosa Strickpulli. Noch bevor er richtig sitzt, wird klar: der wird anstrengend. Krokette verrollt die Augen Richtung Theaterdecke, ich suche Erlösung durch den Blick auf die Bühne.

Oh, ein ganz und gar bezauberndes Bühnenbild steht da! Zwei Schlitten, Kunstschnee und drei weiße Kunsttannen. Oh du fröhliche! Aber was steht da rechts außen mitten im Plastikwinterwald?

„Du, Krokette, liegt da ein Tier auf der Bühne?“

„Nee, das sind Wintermäntel, ein Schal und obendrauf eine Pelzmütze.“

„Ach.“

„Yep. Von den Frauen aus der ersten Reihe.“

Wie bitte? Wie respektlos ist das denn? Die private Garderobe mal eben locker auf die Bühne ausgelagert? Mitten ins Bühnenbild? Nein, so kann ich nicht. Da krieg ich keine besinnlichen Gefühle. (Später, so nach dem dritten Lied, werden von Reihe 1 aus auch noch sämtliche Weinflaschen samt Gläser auf die Bühne outgesourct. Ist aber auch so eng an diesen winzigen Bistrotischen. Und wenn der Landadel ausgeht und 20 € Eintritt bezahlt hat, dann isses nicht einzusehen, dass die singenden Kasper mehr Platz haben sollen als die Zuschauer. Klarer Fall.)


„Drücken Sie da mal drauf!“

Mein lustiger Tischnachbar hält mir einen monströsen Kugelschreiber unter die Nase und grinst dabei frivol. Ich drücke. Das Schreibgerät gibt ächzend verzerrte Stöhngeräusche von sich. Unfassbar. Ein Scherzartikel. Ich drücke also gelangweilt ca. sex mal auf dem Teil rum und unterdrücke ein Gähnen.

„Na los, komm schon, das Geräusch wirste doch kennen!“

(Bäh, was für eine Supersau. Dem vermiese ich seinen Spaß!)

„Hm…. nee, ich komm nicht drauf. Vögel? Singende Vögel vielleicht?“

„Was?“


Und dann endlich: Auftritt MALEDIVA!

Sie singen schöne Lieder und sie sehen schön aus. Hässlich sind immer die anderen, und Schnee gibt’s bei uns in Tütchen. Lebkuchen für Alle! Die Dame neben mir hört wohl schlecht, ihre Schwester muss alles LAUT wiederholen. Herrlich. Ich krieg Kopfweh. Pause.

Mein schwuler Freund Michi sitzt mit offenem Mund wie schockgefrostet neben mir, im Augenwinkel ein Tränchen. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm.

„Michi, alles okay?“

„Nee du, gar nicht… ich komm grad gar nicht damit klar, dass die Tetta heute ausschaut wie ein Mann… sie ist so… hm, männlich…!“

Ich spüre, wie nebenan eine Welt zusammenbricht und versuche zu trösten.

„Aber Tetta schaut mit den längeren Wuschelhaaren doch richtig süß aus, oder?!“

„… Super…. ich will noch ein Bier.“

Auf meinen Scherzartikelfreund gegenüber ist Verlass. Er spürt, dass jetzt der ideale Zeitpunkt für ein aufheiterndes Gespräch wäre, bevor die Stimmung gänzlich kippt.

„Was meinen Sie, die zwei Sänger sind doch ein Paar, oder?“

Eigentlich hätte ich schreien wollen: „Jaaaaa, die sind stockschwul, verheiratet und haben sicher mehr Spaß im Bett als du, Arschloch!“

Stattdessen mein kläglicher Versuch, das Thema einigermaßen höflich abzukürzen:

„Keine Ahnung.“

Wo das Eis schon mal gebrochen ist und alle herzhaft gelacht haben, will der Herr Komiker jetzt etwas persönlicher werden und lockt Michi, die Krokette und mich ganz unverblümt mit einer (aus seiner eingeschränkten Sicht) legitimen Frage aus der Reserve:

„Und, wie gehört ihr zusammen? Jetzt mal ehrlich!“

Da wäre ich ja liebend gern schreiend davongerannt. Aber es war zu voll und ich wäre sicher nicht weit gekommen. Wahrscheinlich wäre ich direkt am Stuhl des netten Herrn hängen geblieben und von ihm neckisch auf den Schoß gezogen worden.

Der zweite Teil des Programms geht genau so lange wie mein Kopfweh braucht, um zur mittelschweren Migräne zu werden. Allein beim Gedanken an Lebkuchen wird mir schlecht und nebenan kreischt die schwerhörige Tante:

„Aber der Pianist ist nicht schwul, oder?“

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum.

Weihnachtliche Gefühle muss ich mir jetzt doch wieder irgendwo anders besorgen.

 

Kartoffel, der Hackfleischeintopf und das pikante Tischgespräch Juni 23, 2008

Gespeichert unter: Begegnungen, Mein Leben, Queer, Soziales — lapetitepatate @ 2:17

Vielleicht erinnern Sie sich noch daran: Geschichten, die mir das Leben diktiert, mag ich am liebsten. Rausgehen. Erleben. Mitschreiben. Ein wirklich praktischer Service für eine bloggende Kartoffel.

Da sitze ich also – mehr oder weniger freiwillig – mit acht Grundschülern beim Mittagessen. Eine Situation, die dem einen oder anderen Kinderfan sicher sofort den Appetit verderben würde. Mir nicht. Ich kann immer essen, selbst wenn ich mir dabei blutige Geschichten über das Aufeinandertreffen kindlicher Köpfe mit Heizkörpern anhören oder grüne Ergüsse kleiner Rotznasen anschauen muss. Da ist immer was geboten am Tisch!

Heute herrscht allerdings eine himmlische Ruhe. Kein Geschmatze, kein pubertäres Gekicher und kein Gerangel um die beste Nudel von allen. Sehr verdächtig. Also, Vorischt! Alle pädagogischen Sinne geschärft! Da braut sich was zusammen!

Nichts. Andächtige Ruhe. Der Hackfleischeintopf muss ja bombastisch sein.

Fabian (8 Jahre) lädt sich noch mal das Salatschälchen voll und eröffnet quasi beiläufig, völlig unaufgeregt folgenden Dialog:

Fabian: „Ich denke, ich bin jetzt schwul.“

Schluck. Na bitte, da haben wir das Schlamassel. Das Thema „Sexuelle Orientierung“ geht niemals gut.

Aber alle essen unbeirrt weiter, wirken eher schon ernsthaft interessiert als pikiert. Oha.

Die 9jährige Cindy hat natürlich mit einem Jahr Vorsprung bereits die Abgeklärtheit des Alter und antwortet: „Ja, das kenn ich. Ich war auch mal lespik.“

Fabian (kaut seelenruhig die Gurkenscheibe fertig): „Und, wie war das so?“

Cindy: „Och, war ganz okay.“

Fabian: „Kann ich mal die Nudeln haben?“

Cindy: „Yep. Magste auch noch Käse?“

 

Stellen Sie sich so einen Dialog mal unter Erwachsenen in der Kantine vor.

Herr Müller von der Sachbearbeitung: „Ich denke, ich bin jetzt schwul.“

Dazu Kollege Schweinsberger aus dem 3. Stock: „Kenn ich, die Lehmann aus dem Archiv war auch lesbisch…“

Herr Müller: „Und, wie was das so?“

Schweinsberger: „Och, kein Problem, die war gleich rausgemobbt!“

Herr Müller: „…öhm… könnte ich mal die Nudeln haben?“

Schweinsberger: „Im Prinzip gerne, du. Aber das wär mir total unangenehm, wenn mich jemand dabei sehen würde!“

 

Kartoffel und die langen Beine Februar 3, 2008

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Sie kennen dieses Phänomen ja sicher auch: man steht mal wieder auf dem CSD rum, glotzt neidisch auf die Wagen der Parade und fragt sich, warum da die schönsten Frauen immer Männer sind. Diese Eleganz! Und Beine haben die! Endlos lange und schlanke Beine!

Stripperin Isi aus Big Brother (ja, die mit Abitur) pflegt in genau solchen Situationen immer zu sagen: „Wow, das sind ja Beine bis zum Boden!“

Aha. Beine bis zum Boden. Unglaublich, wie lang solche Beine sein müssen!

Wir alle kennen ja diese kurzbeinigen Menschen, die immer so 3-17 cm über der Erdoberfläche schweben, weil ihre Beine einfach zu knapp ausgefallen sind, und somit eine Bodenhaftung schon allein physisch überhaupt nicht möglich ist. Zum Glück gibt’s da ja noch diese Zauberschuhe „7cm größer in 3 Sekunden“. Mit diesem kleinen Kniff trickst sich ja so manche beintechnisch betrachtete Bodenwurst durch den rauen Alltag der Langbeiner, indem sie sich ruck-zuck um 7cm nach unten verlängert. Es gibt aber auch mutige Betroffene, die ganz offensiv mit ihrem Problem umgehen und sich auch heute noch trauen, mit Buffalos durch die Prärie zu stampfen. Natürlich ein eindeutiges Stigma, das die jungen Leute da mit sich rumschleppen.

Ich könnte mir auch durchaus vorstellen, dass es irgendwo da draußen schon erste Selbsthilfegruppen gibt: „Hallo, ich bin der Manuel, und ich bin nicht abgehoben, ich hab einfach nur kurze Beine.“ Dabei sitzt er auf einem Stuhl und lässt so total süß seine kleinen Beinchen baumeln.
Die Gegenbewegung hat’s allerdings auch nicht leichter: „Hallo, ich bin die Desiree, und ich hab Beine bis zum Hals. Das ist voll blöd, denn ich würde so gerne mal mehr Dekolleté zeigen.“

 

Kartoffel mag’s heute melancholisch Januar 5, 2008

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lass dich fallen

 

winter in kartoffelhausen

 

melancholie

 

winterimpressionen

 

 

Melancholie

Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen,
Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.
Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten
Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.
Des Todes ernste Düsternis bereiten
Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen
Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen
Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten.

Georg Trakl (1887-1914)

 

Da sitze ich also beim Tierarzt zwischen drei Dobermännern und einem Berner Sennenhund. Meine Katze schmollt neben mir in ihrer Transportbox und flucht dabei, was das Zeug hält. Wieso macht eigentlich das kleinste Tier im Wartezimmer den meisten Lärm?

Schnell mal so tun, als ob man nicht dazu gehört und in einem Magazin geblättert.

Dabei fallen mir Fotos ins Auge, die mich in ihrer Optik und Aussage sofort komplett fesseln. Erst viel später realisiere ich, dass sie eine Künstlerin zeigen, die ich unter anderem dafür bewundere, dass sie abgründige Melancholie mit geballter Lebensfreude in ihrer Kunst zusammenführt. Und das in einer Intensität und Ehrlichkeit, wie es nur wenige Menschen vermögen.

 

Foto 1+3: besagte Fotos, Foto 2+4: Winter in Kartoffelhausen

 

 

Kartoffel schätzt feine Nuancen November 29, 2007

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Neulich auf dem Pausenhof der Grundschule in Kartoffelhausen. Zwei Mädchen streiten sich leidenschaftlich, voller Hingabe werden Gemeinheiten ausgetauscht.

Mädchen 1 zu Mädchen 2: „Ey, bist Du schwul, oder was?“

Mädchen 2 hält kurz inne, zieht die rechte Augenbraue hoch und erklärt in einem sachlichen, abgeklärten Tonfall:

„Also, wenn schon, dann bin ich lespik.“

In dem Moment fällt’s der anderen wie Schuppen von den Augen.

„Ach, nee, sorry, klar, Du bist dann natürlich lespik!“

Da solche Momente der Erkenntnis bekanntlich zusammenschweißen, gehen die beiden Weisen daraufhin einvernehmlich ab. (Wahrscheinlich verprügeln sie jetzt in diesem Moment einen kleinen schmächtigen Jungen aus der 1a.)

 

Kartoffel und die Kleinkunstfummler Oktober 9, 2007

Gespeichert unter: Begegnungen, Chanson, Kleinkunst, Mein Leben, Queer — lapetitepatate @ 7:17

Lo Malinke und Tetta Müller sind das Chansonduo Malediva, begleitet von dem kongenialen Pianisten-Schnuckel Florian Ludewig. Übrigens der einzige Mann in der Gruppe, dessen sexuelle Orientierung angeblich noch nicht vollends geklärt ist. Viele junge Zuschauerinnen wollen deshalb ein Kind von ihm, ältere denken ernsthaft über eine Adoption nach.

Als ich Malediva vor ein paar Jahren zum ersten Mal gesehen habe, saßen mit mir gerade mal 23 Leute im Theater. Ein kleiner Geheimtipp, und damals eine künstlerische Offenbarung für mich. Zwei weißgeschminkte Zauberwesen, die über Hitler, Schwarzafrikaner und desolate Zustände in Altersheimen sangen. Hört! Hört!
Das Ganze garniert mit einer äußerst gepflegten Aura, dazu Stimmen und Melodien, die direkt ins Herz und Hirn gehen.
Kurz: ein leckeres Chansonjuwel, das fern vom ganz großen Kommerz aufhorchen ließ!

Dann ging alles sehr schnell. Kleinkunstpreis. Ruhm, Ehre, Weiber und Kohle in bar.

Wer derart gefragt und gebucht ist, der kann es sich leisten, auf der offiziellen Homepage ein Tourtagebuch zu führen, mit dem man ganz galant Veranstalter in Schach hält und sehr Persönliches verkünden kann. Da erfährt der geneigte Fan dann schon mal, dass die Künstler seines Vertrauens nur noch vier Wochen auf den zweimonatigen Traumurlaub warten müssen. Tststs…! Nein, das möchte ich nicht hören! Ich will, dass mein Chansonstar Freude am Beruf hat und nichts lieber tut als mir was vorzusingen!

2006 dann die Vorpremiere zum aktuellen Programm „Ab heute verliebt“.
Das Theater platzt aus allen Nähten, und es ist so heiß, dass sich die Gruppe Teddybären rechts vorne fürs Unterhemd entscheidet.
Auf der Bühne wird von Liebeslust und Liebeslast gesungen. Schön ist das schon. Schließlich geht es um Themen, die jeder versteht und die niemanden verstören – und das Publikum nonchalant in einen Haufen Verliebter verzaubern.

Ja, hier fühlt sich der alltagsgeplagte Zuhörer in seinen Bedürfnissen ernst genommen. Und wo man sich so wohl und zu Hause fühlt, da kann man sich auch mal hemmungslos gehen lassen.
Durch die honigsüßen Liebesmelodien leicht erregt, fangen sämtliche Zuschauer um mich herum an, aktiv zu werden.

ICH bin ja mit meiner Kollegin da. Und ICH würde mich gerne auf das Geschehen auf der Bühne konzentrieren. Ist aber nicht.

Mit mir am Tisch ein Frauenpaar, dessen Hände mit allem beschäftigt sind außer mit Klatschen. Und wenn das Paar im dritten Frühling vor mir gerade mal nicht knutschend aneinanderklebt, kann ich immerhin einen kurzen Blick auf den Pianisten erhaschen. Nur auf den ersten Blick eine Augenweide, denn durch mein Bild zieht sich vom Ohr der Dame zum sabbernden Mund des greisenhaften Liebhabers ein Speichelfaden – so filigran wie ein Spinnennetz, mit Tau benetzt und in der Sonne glitzernd an einem Sonntagmorgen im April.

Irgendwie beeindruckend so ein Kleinkunstabend. Früher ging man ja zum Knutschen ins Kino und zum Petting in den Park. Heute mag man’s dann doch etwas dekadenter. Plüschige Kabarettatmosphäre, die einem das Gefühl gibt, beim Fummeln gleichzeitig etwas für die Bildung zu tun.

Sollen die beiden Weißclowns doch mal wat Schönes singen.

Und wen stört’s schon, wenn das Publikum ein kleines bisschen unkonzentriert ist.

Ach, ihr lieben Malediven, vielleicht habt Ihr Euch Euren Urlaub auf Sri Lanka einfach auch schwer verdient! Endlich eine Auszeit von all dem Gesabber…!

Malediva (c) Robert Recker

 

Kartoffel kocht. Vor Wut. September 1, 2007

Gespeichert unter: Mein Leben, Queer, Soziales — lapetitepatate @ 1:31

(c)TopPun.comWir erinnern uns. Die kleine Kartoffel hat’s ja mit Kindern, und so kommt es, dass ich einen einzigartig reizenden Jungen kenne. Nennen wir ihn einfach mal Felix.
Felix ist 11 Jahre alt und liebt seinen Freund Dennis mindestens genauso sehr wie schicke Mädchenkleider mit bunten Rüschen.

Neulich dann bei der Übergabe des Jungen an die Mutter.

Mutter: „Felix ist so unglaublich sensibel und einfühlsam wie kein anderer Junge in seinem Alter. Er fragt mich immer, warum die Menschen so gemein sein können. Und er mag so gerne Sonnenblumenfelder, da will er immer hin!“

Kartoffel: „Aber das ist doch wunder bar! Felix ist ein ganz feiner Kerl
und perfekt so wie er ist!“

Die Mutter heult los.

Mutter: „Wir denken, dass er schwul wird. … Für uns ist das völlig okay, wir wollen, dass er glücklich ist. Aber ich habe solche Angst davor, was ihm noch alles bevorsteht. Das ist doch heute auch nicht leichter. Felix wird doch jetzt schon in der Schule gehänselt, weil er anders ist.“

Das sitzt.
Deutschland 2007.
Felix ist ein Wonneproppen, ein kerngesundes und lebensfrohes Kind – und seine Mutter muss sich Sorgen machen, dass er unter panisch homophoben Mitmenschen wird leiden müssen, die in ihm ein Monster sehen wollen.

Da wird’s mir schlecht. Ich habe in der Magengegend ein schwarzes Püschel aus Traurigkeit und Wut, das noch lange nicht weggehen will.

Am nächsten Tag muss ich mit Jemandem drüber reden. Der Frust muss raus! Also schnappe ich mir meine gleichaltrige Kollegin, die sich immer gerne für Rechte von Kindern stark macht und kein Tier leiden sehen kann. Sie muss mich verstehen!

Kollegin: „Also, ich sag mal so: ich toleriere Lesben und Schwule… solange sie keine Dritten gefährden oder mich anpacken…“

Da könnte ich KOTZEN!
Sogar mehrfach. Aber konzentrieren wir uns auf die Sache mit der Toleranz.

Jaa, was sind wir so aufgeklärt! Wir TOLERIEREN Homosexualität!
(c)TopPun.com
Da gibt’s nix zu tolerieren.
Höchstens freundlichst zur Kenntnis zu nehmen.
Ich sag ja auch nicht: „Ich toleriere die Schwerkraft!“
Kompletter Bullshit.

So richtig eklig sind dann noch diese halbherzig dahingeheuchelten Sprüche wie:
„So was muss es ja auch geben. Da bin ich aufgeschlossen. Ich schau mir auch so gern die schwulen Kasper im Fernsehen an da beim Grand Prix. Und mein Frisör, der ist auch so lieb beim Haarewaschen, und der ist so gepflegt…
- Aber daheim muss ich so was nicht haben.“

Ich dich auch nicht.
Und Thomas Hermanns, Georg Uecker und der schnuckelige Frisör haben sicher auch was Besseres zu tun, als sich bei dir ins heterosexuelle Neckermann-Wohnzimmer zu setzen.