Letzten Sonntag hat’s bei uns an der Haustür geklingelt.
„Mein Mitmensch wird sich schon darum kümmern“, denke ich noch so, als es von unten mir mehr als lieblich entgegenflötet:
„Toffiiiiii, kommst du mal?!“.
Bei diesem Tonfall war mir sofort klar, da steht jemand vor der Tür, der ganz bewusst für mich gekommen sein muss und der in diesem Moment schon zuhört. Scheiße. Meine Mutter? Eine Blogleserin, die zum Kartoffelklatsch vorbeigekommen ist?
Dann schon mit etwas mehr Nachdruck: „Kommst du jetzt? Du bist doch ka-tho-lisch!“
Bitte was? Hä?
Und da sehe ich auch schon das ganze Ausmaß des Schreckens. Die Sternsinger. Die waren noch nie bei mir!
Da stehen also drei kleine Kinder vor mir, alle mit dilettantisch gebastelten Pappkrönchen (in mausgrau!) und Umhängen aus uralten Vorhangstoffen, in denen gerade in diesem Moment eine Kolonie Milben ihre Loveparade feiert. Igitt.
Der Mohr übrigens mit offensichtlich passendem Migrationshintergrund, was die Truppe optisch und in ihrer Glaubwürdigkeit für mich aufwertet.
Bitte nicht falsch verstehen. Ich habe durchaus Respekt vor jedem Kind, das am schulfreien Sonntag für einen guten Zweck um die Häuser zieht.
Das eigentliche Drama waren allerdings die drei jugendlichen Begleitpersonen. Drei Trutscheln, pickelig, ungepflegt und so schlecht gelaunt, dass man sich fragt, warum die das hier überhaupt machen. Was könnte dahinter stecken? So was wie der „Warnschussarrest“? Einen Tag Bettler bei der Arbeit begleiten? So als Abschreckung, damit die Damen mal sehen, was passiert, wenn man zu oft die Schule schwänzt und nie die Haare wäscht?
Während die kleinen Könige 18 Strophen „Gloria“ runterleiern, legt sich eine der Aufpasserinnen mit meinem Nachbarsjungen an, der ca. 30 m entfernt einen Heidenspaß an den singenden Kaspern hat. Ganz ladylike und der besinnlichen Stimmung keineswegs zuträglich brüllt Madame also:
„Ey, halt’s Maul!“
Die Kinder singen unbeirrt weiter. Sie scheinen schon Einiges gewohnt zu sein. Ich bekomme einen schrecklichen Lachanfall. Scheiße, was für eine skurrile Scheiße.
Als das Gesinge endlich vorbei ist, schauen mich die Könige erwartungsvoll an.
„Schön gemacht!“, höre ich mich da sagen.
Was bin ich für eine widerliche Heuchlerin. Als Abbitte spende ich sofort 5 €.
Gerade als die unheilige Karawane weiterziehen will, dreht sich die mit den meisten Mitessern noch mal zu mir um:
„Hatten sie uns bestellt?“
„Nein.“
„Scheiße. Alles umsonst.“
Ich habe mir dann übrigens noch einen Segen für mein Haus gesichert. So viel Zeit muss sein. Ich hatte da so Kindheitserinnerungen an Kreidegekritzel über der Haustür. Heute hat man sich bei der Kirche den Umständen angepasst: es gibt Aufkleber mit dem Segensspruch drauf! Wahrscheinlich, weil man den Kindern das Schreiben nicht mehr zutraut. Und aufkleben musste ich das Ding auch noch selbst.
Die Drei Weisen aus dem Morgenland sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.