La Petite Patate

……………Weichkochend. Bissfest. Und très dangereuse!

Linguistik für Liebhaber Oktober 11, 2009

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Donna Quichotte und Sancho Gitarra.

Donna Quichotte und Sancho Gitarra.

Was sind Brüste in einer Rüstung?

Eine Brüstung.

 

Mein Name ist Blond. Naturblond. Juli 19, 2009

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directorscutdresden

Es hat schon einen ganz besonderen Charme, den heißesten Tag des Jahres zu erwischen, um die längst überfällige Totalerneuerung beim Friseur vornehmen zu lassen. Und was soll ich sagen: es gab einen neuen Rekord! So lange wie diesmal war ich noch nie unter der Haube! 4 Stunden! Vier Stunden, in denen man nonstop an meinem Haupthaar und dem dazugehörigen Kopf rumgefummelt hat, bis selbst meine eigene Mutter jegliche Familienähnlichkeit abgestritten hätte!

Nun ja, ich war die letzten Monate nachlässig, das muss ich zugeben. Aber wer hat schon immer Lust, mal eben einen halben Urlaubstag in die Schönheit zu investieren? Nee, ich nicht. Und so war es Sommer geworden – und meine Frisur unbemerkt zum Hippie mutiert.

Draußen also gefühlte Temperaturen von mindestens 37°C, und während sich der Rest meiner Sippe Richtung Badesee davonmacht, begebe ich mich zur Friseurin meines Herzens: Elke.

Elke ist die beste Haarbändigerin, die ich kenne – und sie weiß alles über mich. Bereits in der ersten Sitzung haben wir ohne Berührungsängste die wichtigsten Fragen geklärt:

Ja, das Haar ist echt. Nein, ich bin nicht asiatischer Abstammung. Mario Barth wird überschätzt, und ja, es gibt Kabarettisten, die sich die Wimpern färben.

Der Friseur-Salon ist leer wie ein Aldi-Markt am Ostersonntag, und ich überlege ernsthaft, warum wieder alle außer mir wussten, dass man an so einem Tag nicht zum Friseur geht. Elke jedenfalls freut sich auf mich und meine Haare, das spür ich. Wir einigen uns auf Strähnen im Honigblond vom letzten Mal und gerade als ich versuche, nicht am Ledersessel festzuschwitzen, quiekt Elke auf: „Ohhhh, da sind ja zwei naturblonde Haare!“

Und ich Blondchen versuche auch noch, rational nachzuvollziehen, was da oben auf mir los sein könnte! Ja, blond war ich als Kind mal, aber heute?! Hm…

„Haha, naturblond klingt gut, gell?? Ist doch viel besser als GRAU!“

Ah, ist sie nicht niedlich, die Elke?!

Geschlagene 110 Minuten wickelt Elke Strähne um Strähne in Alufolie, und was soll ich sagen, es ist anscheinend mein Glückstag: Elke hat Redebedürfnis! Und Zeit! Viel Zeit! Es sind ja keine anderen Kunden da! Drei Stunden später weiß ich alles über ihren Freund Franz, der beim Metallica-Konzert eine Panikattacke bekommen hat und dass die Stammkundin Sonja Hautkrebs hat und Elke ihn zuerst entdeckt hat. Das ist für mich als Kundin mit sensibler Haut ja so was von beruhigend! Ja, diese kleinen schwarzen Pünktchen im Nackenbereich, die so komisch genässt haben, wenn man mal wieder mit der Schere oder dem Kamm dran kam. Und dann erst die Krebs-Operation! Die mussten 6 cm tief in den Hals reinschneiden!

Ich versuche kurz, mir vorzustellen, was passiert, wenn man 6cm tief in den Hals reinschneidet und wo man vorne wieder rauskommen würde, dann fällt mir aber wieder ein, dass es draußen heiß und mein Krauslauf instabil ist, und ich nicht unnötig beim Friseur kollabieren möchte.

Es folgt eine 45minütige Haarwäsche mit allem Pflegepipapo und einer leidenschaftlichen Kopf-Nacken-Massage durch die Hände des Lehrmädchens. Wo nimmt das zarte Ding nur diese Kraft her?

Wow. Ahhh. Hui.

Ich hoffe, es gibt keine Nervenenden unter der Kopfhaut, die man langfristig schädigen kann durch zu beherztes Zupacken.

Inzwischen klebe ich doch am Ledersessel fest und jede noch so kleine Bewegung löst entzückende Furzgeräusche aus, die alle außer mir erfrischend lustig finden. Das tut doch weh, wenn man im Sommerkleidchen da festpappt! Ich möchte weinen, habe aber keine Tränen mehr übrig, weil ich jegliche Flüssigkeit ausgeschwitzt habe.

Nach 3 Stunden 30 Minuten sind meine Haare endlich fertig! Frisch gefärbt, geschnitten und hingeföhnt, möchte ich mein Glück rausschreien! Ja, ich bin frei! Da kommt Elke auf die Idee, mir „noch schnell“ eine Hochsteckfrisur zu machen, wegen der Hitze und so. Gut, klingt logisch, und Friseurinnen kennen ja sicher raffinierte Tricks, um selbst so unglaublich dickköpfiges Problemhaar wie das meine elfengleich hochzutrapieren.

13 Minuten und 17 Versuche später seh ich Elke zum ersten Mal an diesem Tag schwitzen!

„Na, das muss doch irgendwie hinzukriegen sein!“, kommt da kämpferisch von oben – und ich schlage „Zement?!“ vor. (Man hilft ja, wo man kann.)

„Nein, wenn Du mal heiratest, müssen wir das ja auch irgendwie hinbekommen!“

„Was? Wie? Heiraten?“

„Ja klar, viele Frauen heiraten ja nur wegen dem schönen Kleid und der tollen Hochsteckfrisur!“

Siehste mal, zwei weitere Gründe, nicht zu heiraten. Die haben mir in meiner Pro-Contra-Hochzeitsliste noch gefehlt! Prima!

Doch Elke schafft es tatsächlich, meine Haare irgendwie am Kopf zu befestigen. Mit exakt 21 Haarnadeln und allen Hilfsmitteln, die laut Gesundheitsbehörde gerade noch so erlaubt sind. Aus dem Spiegel schaut mir eine toupierte Diva entgegen, eine Mischung aus Zsa Zsa Gabor, Marge Simpson und Urban Priol. Verdammt, ist so eine Frisur vorteilhaft. Ich bin verwirrt.

Was folgt, ist meine alles entscheidende, aber durchaus berechtigte Frage:

„Muss ich jetzt heiraten?“

Elke guckt, als ob ein Büschel fettendes Schamhaar von der Decke direkt vor ihre Füße gefallen wäre.

„Na ja, bei uns im Freundeskreis, da sind der Franz und ich das einzige unverheiratete Pärchen. Und wir sind echt die einzigen, die noch nicht getrennt sind! Und Kinder haben wir auch keine, ist toll so. Viele kriegen ja Kinder, weil man’s halt so macht! … … … Also, nee, ich kann das mit dem Heiraten nicht empfehlen…. … Aber die Frisur für Dich hätten wir jetzt schon mal! Ist doch super!“

Als ich nach Hause komme, ist noch nicht mal jemand da, der mir für meine schwer erarbeitete Frisur ein Kompliment aussprechen könnte. Vielleicht besser so – am Ende macht mir noch jemand einen Antrag, nur weil die Muddi mit Hochsteckfrisur doch eigentlich ganz nett ausschaut.

„Haha, Chance verpasst, mein Schatz!“, denke ich so und lege mich genüsslich aufs Sofa. Und während sich mir 3 der Haarnadeln butterweich ins Gehirn bohren, träume ich leise schnurchelnd von einer standesamtlichen Trauung mit Mario Barth und Kurzhaarfrisur.

 

Drüm prüfe, wer sich ewig bindet März 13, 2009

Gespeichert unter: Aus aller Welt, Begegnungen, Liebe, Medien — lapetitepatate @ 6:39

In meiner Tageszeitung lese ich heute in der Rubrik „Lebensweisheiten“ einen Beitrag über „Das Wunder der Ehe – Lachen ist besser als Streiten!“.

Warum halten manche Ehen eine halbe Ewigkeit, während andere Paare noch nicht einmal die Chance bekommen, sich auseinander zu leben? Und warum kann es hilfreich sein, den Partner mal so richtig von Herzen auszulachen?

Mit jeder Hochzeit heiratet man ein paar unlösbare Probleme“, weiß der Heidelberger Psychotherapeut Arnold Retzer zu berichten. Das macht doch Mut, den letzten finalen Schritt mit seinem Partner zu gehen. Andererseits hat man das Problem eventuell ja auch ohne Trauschein bereits jahrelang neben sich im Bett liegen, nur dass dann am Ende noch nicht mal Schmerzensgeld in Form einer Witwenrente rausspringt.

Wie man in Studien herausgefunden habe, so Superheld Retzer, sei das Festhalten „positiver Illusionen“ immer sinnvoll, wenn es darum geht, eine lang anhaltende, glückliche Ehe zu führen. Einer Studienteilnehmerin fiel es deshalb auch prompt wie Schuppen von den Augen:

Als ich zugenommen hatte, hat er gesagt, er mag dicke Frauen. Als ich wieder abgenommen habe, hat er gesagt, er mag schlanke Frauen. Irgendwann habe ich dann begriffen, dass er mich liebt.“

Vielleicht ist er aber auch nur ein notorischer Lügner oder ein wankelmütiges Weichei. Oder das Aussehen seiner Freundin ist ihm einfach schnuppe. („Schatz, schau mal, meine Hose passt wieder!“ – „Warum, war sie vorher zu groß?“)

Unverzichtbar wichtig sei es, sich auf Gemeinsamkeiten zu konzentrieren („Toll, Schatz, wir sind jetzt beide dick, wie romantisch!“) und dennoch Widersprüche zuzulassen („Aber dein Hintern ist noch viiiiel fetter als meiner!“). Das Paradoxon der Partnerschaft. Wären wir alle gleich, könnte ich mich ja einfach selbst lieben, was offensichtlich zu naheliegend wäre.

Das pragmatische Resümee des Beziehungs-Besserwissers lautet übrigens:

Es kommt letztlich nicht darauf an, sich zu vertragen, sondern sich zu ertragen. Ein Arrangement, das auch als resignative Reife bezeichnet werden kann.“

Ich geb’s auf. Ich glaube, ich bin zu reif, um die Ratschläge von Herrn Retzer zu ertragen. Aber heiraten muss ich den Typen deshalb ja noch lange nicht, auch wenn es in einer Ehe mit ihm sicher sehr viel zu lachen gäbe.

 

The Kotelett of love Januar 25, 2009

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„Kennste eine, kennste alle – stimmt aber nicht!“

Sagt La Signora. Recht hat sie.

Wenn man erst mal alle bekannten Namen der Musik-Kleinkunst mehrfach gesehen hat, ganz viel Futter bekommt, aber nicht mehr satt wird, dann wird es höchste Zeit, die Fühlerchen nach etwas Neuem auszustrecken.

Getrieben von der unstillbaren Gier nach kultureller Befriedigung, strandete ich also gestern Abend im Theater. Nein, „Theater“ ist das falsche Wort, es ist ein kulturelles Zentrum, dessen Leitung sicherlich tagsüber im Frauenbuchladen arbeitet und wo die Techniker Wollmützen tragen und Sozialarbeit studieren. Und kalt isses da immer („Die Zuschauer und die Scheinwerfer machen dann genug Hitze, da braucht’s keine Heizung!“ – Diese Rechnung geht allerdings nur bei einem vollen Saal auf. Danke.) Im Foyer sitzt gern ein reifes, russisches Zwillingspaar, zwei schwedisch-blondierte Damen mit gut und gern 1,87m Körpergröße (sitzend) und riesigen Händen, die nach Berufskillern ausschauen. Bei meinem letzten Besuch in diesem Etablissement gab’s Wodka und Hustenbonbons von Pigor & Eichhorn – und in meiner Kloschüssel lagen rote Rosenblätter. Find ich nett, da komm ich wieder. Diesmal allerdings mit Schal und Handschuhen. Sicher ist sicher. Aber ganz umsonst.

carmela de feo Wo La Signora auftritt, wird es heiß, denn La Signora ist „The Kotelett of Love“. Heiß und fertig und so anschmiegsam wie spritzendes Bratfett.

Carmela De Feo heißt die Musik-Comedy-Künstlerin, die so überzeugend wie absurd die Bühnenfigur „La Signora“ zum Leben erweckt. Eine zarte Frau im biederen schwarzen Rock und Blüschen, zugeknöpft von oben bis unten. Völlig unerwartet und anfangs von vielen Leuten unbemerkt, stürmt sie von hinten in den Saal und wühlt sich schimpfend und keifend den Weg durch die Menge. Schnell wird klar: Das wird kein kuscheliger Wohlfühlabend, das wird harte Arbeit. Denn La Signora ist die geballte Autorität! La Signora ist ein Star! Eine rassige italienische Vollblut-Diva aus Oberhausen! (Dass sie dabei ausschaut wie eine hutzelige Omi aus Sizilien, kann sie sich erlauben, denn wahre Schönheit kommt von innen.)

La Signora, geboren mit einem Akkordeon am Körper, das über die Jahre mitwuchs, begann ihre Karriere als Alleinunterhalterin auf einem Kartoffelacker. (Allein dafür hat sie meine größte Zuneigung!) Doch ein Star sucht das Licht! Anfangs noch in Form rötlicher Schummerlämpchen in einem Theater, wo auch tagsüber gespielt wurde und die Männer hinter Scheiben saßen, dauerte es nicht lange und La Signora erstrahlte im Neonlicht einer Tankstelleneröffnung.

„Ich bin die Schlachtplatte der Erotik! Und ich brauche einen Mann!“


„Habt ihr das Knacken gehört? Das war mein Eisprung!“

Eine Frau in den besten Jahren, die es ernst meint: Ein Mann muss her! Am besten ein Stalker!

Die wilde Jagd im Saal ist eröffnet. Zu diesem Zweck bleibt das Saallicht das ganze Programm über an. Das schüchtert ein und macht gewaltig Eindruck. Ich habe selten so ein konzentriertes Publikum erlebt. Halb aus Angst, halb aus Faszination, sitzen die Zuschauer mit offenem Mund da und wagen es nicht, etwas zu tun, das den Unmut der Diva erwecken könnte. Auch ich kann mich diesem rauen Charme der Terror-Erotik nicht ganz entziehen, bin aber heilfroh, an diesem Abend kein Mann um die 40 zu sein.

„Jeder Pickel ist ein Schrei nach Freiheit!“

carmela de feo

Ich finde es ja immer herzerfrischend, wenn bei all dem männlichen Künstlerüberschuss auch mal wieder eine Frau auf der Bühne steht. Eine Frau, die den Mut hat, lustig zu sein, ganz schrecklich hässlich auszuschauen und dabei trotzdem so viel Schönheit und Charme ausstrahlt, dass sich jede Menge Männer an diesem Abend freiwillig als Stalker zur Verfügung stellen.

Manchmal lässt La Signora beim Singen und Akkordeonspielen das Publikum eine klitzekleine Ahnung davon bekommen, was sie musikalisch kann. Und man ahnt, das ist jede Menge. Schade vielleicht, dass das Akkordeon nie so ganz wild entschlossen losgelassen wird und so manche skurrile Geschichte in der eigenen Absurdität zu ertrinken droht.

Wundervoll dagegen die ruhigeren Passagen, wenn La Signora auf der Bühnentreppe mitten im Publikum sitzt und ein kleines Märchen vorliest, das ihr damals die Oma in Sizilien erzählt hat, während sie dabei auf dem Schoß der Enkelin saß, die ihr das Gebiß gereinigt hat. Ein Märchen von der Schönheit und der Hässlichkeit, die nach dem Baden ihre Kleider vertauschen und seit diesem Tag immer verwechselt werden.

Und während das Publikum noch versucht, die Poesie des Moments zu begreifen, stürmt La Signora auch schon wieder los und endet in einem furiosen Finale mit einem wilden Liebeslied an ihre Heimatstadt Oberhausen. Sie tanzt! Und wie sie tanzt!

Es war ein ungewöhnlicher Abend. Ein Abend, so prall gefüllt mit kraftvoller Komik und Lust, dass man danach dasitzt und glaubt, einen Tornado überlebt zu haben. Die Frisur ist zerstört, aber der Kopf ist gelüftet vom alten Mief hübscher, aalglatter Liederabende.

„Die Liebe ist wie eine Einbauküche. Irgendwann hat man die Schnauze voll davon!“


Wenn man bedenkt, dass La Signora zur Zeit gerade erst dabei ist, einzelne Küchenelemente zum Aufbau auszupacken, wird es noch sehr viele schöne Abende am Küchentisch geben.

Auf die Liebe!

Auf die Schlachtplatte!

Go, La Signora, go!

Wer noch einen Nachschlag möchte, sollte unbedigt Carmela De Feos Homepage besuchen. Neben tollen Fotos und Videos gibt es dort die Möglichkeit, sich ganz unkompliziert als Stalker zu bewerben. Das ist doch mal ein Service!

http://www.carmeladefeo.de/

 

Was vom Michel übrig blieb – Teil 2 (the evil part) Januar 22, 2009

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Alter Schwede, wie die Zeit vergeht!

Alter Schwede, wie die Zeit vergeht!

Michel von Lönneberga-Darsteller Jan Ohlsson früher (rechts) und heute (links).

Komisch, dass weißblondes Haar im Kindesalter irgendwie total niedlich ist, bei einem Erwachsenen aber ganz schnell unseriös wirkt. (Merke: ein Goldkettchen reißt’s auch nicht raus.)

Manchmal ist es ganz heilsam zu sehen, was aus der ersten großen Liebe geworden ist. Wie sehr man plötzlich zu schätzen weiß, dass nicht alle Kindheitsträume in Erfüllung gegangen sind.

Man stelle sich nur mal vor, so was würde jetzt nachts neben einem im Bett liegen- die Frisur ist so blendend hell, da spart man sich glatt den Leuchtsmiley für die Steckdose!

Jan Ohlsson lebt heute übrigens in Uppsala und hat mit der Schauspielerei nichts mehr zu tun.

Ach, was.

 

Was vom Michel übrig blieb Januar 17, 2009

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„Miiiichel, du Lausejunge!“

Das war einen Sommer lang der meist gebrüllte Satz in meinem Elternhaus. Und das nicht, weil ich einen frechen Bruder hatte oder meine Mutter immer noch an ihrer schweren Niederlage zu knabbern gehabt hätte. (Sie wusste nämlich bis zum Tag meiner Geburt ganz genau, dass sie einen Jungen bekommen würde, einen Steffen Alexander. Mein Vater wollte ein Mädchen. Er hat gewonnen, musste dann aber blöderweise im Hochsommer das komplette Kinderzimmer noch mal von blau auf gelb umstreichen.)

Michel aus Lönneberga

Dieser ungezogene Michel war kein geringerer als Michel Svensson. Besser bekannt als „Michel aus Lönneberga“. Seine Abenteuer waren auf meinen allerliebsten Lieblingsschallplatten – und die liefen den ganzen Tag durch, immer wieder und wieder, obwohl ich die Texte längst auswendig konnte. Ich saß vor der Plattenhülle und himmelte Michel an, der mir in Großaufnahme entgegenstrahlte: blond wie ein Weizenfeld und Zähne so groß und weiß, wie man’s aus dem wahren Leben gar nicht kannte, weil man selbst ja noch die ollen Milchzähnchen hatte. Da lag ich also auf dem Teppich vor der Box und stellte mir vor, wie aufregend es wäre, einen Sommer lang mit Michel durch Lönneberga zu toben, der alten Krösa-Maja Streiche zu spielen und Vater Anton in den Wahnsinn zu treiben.

Michel war meine erste große Liebe.

Mein Freund Ralf. Erstversorgung nach Dreiradunfall.

Mein Freund Ralf. Erstversorgung nach Dreiradunfall.

Meine Spielkameraden waren im Vergleich zu Michel irgendwie sehr gewöhnlich. Da war Ralf, mit dem habe ich immer „Vater, Mutter und Kind“ gespielt. Während Ralf mit meinem Dreirad zur Arbeit gefahren ist, blieben die Kinder, also sein Bär Bruno und mein Hase Hoppel – wir waren eine der ersten Patchworkfamilien überhaupt – wieder mal an mir hängen. Und wenn Ralf 11 Runden durch den Garten gefahren war und geschafft von der Arbeit nach Hause kam, musste die Grassuppe schon auf dem Tisch stehen.

Irgendwann war mir das zu blöd und ich habe ernsthaft versucht, mit Simone von nebenan und deren Barbies glücklich zu werden. Nach dem 17. Erpressungsversuch à la „Wenn du mir nicht was Süßes mitbringst, bin ich nicht mehr deine Freundin“, hatte ich die Nase voll vom Zickenterror und bin heim zu Bruno, Hoppel und Ralf, die mich dankbar zurücknahmen. Es kam mir allerdings auch zugute, dass sich Ralf gerade in einer schrecklichen Lebenskrise befand, weil sein Guppy Jens unerwartet Selbstmord begangen hatte. Bei der gemeinsamen Beerdigung waren wir dann schon wieder die besten Freunde: Ich durfte sogar die Klospülung drücken.

Vor ein paar Wochen habe ich mir die „Michel aus Lönneberga-Spielfilm-Edition“ auf DVD gekauft. Ich bin jetzt in einem Alter, wo man anfängt, von früher zu reden, wo die Erinnerung bereits Mitleid zeigt und einen Schleier der Sanftmut über alles legt. Früher war alles schön. Früher war immer Sommer und Sonnenschein.

Komisch nur, das ich noch genau weiß, dass es an meinen Geburtstagsparties im Mai immer geregnet hat und im Sommer vor der Einschulung mein Spielkamerad an Hirnhautentzündung gestorben ist. Der war einfach weg, dabei hatte er mich doch gerade noch beim Polizeihundspielen in den Arm gebissen. Und die vielen Teddys auf dem Grab und die trauernde Mutter, die heulend zu meiner Mama sagt: „Es ist doch besser, dass er jetzt tot ist. Welchem Kind wollte man zumuten, in so einer Welt zu leben?“. Ich stand dabei und fühlte mich wie übrig geblieben und war zutiefst verunsichert, weil ich ja noch ein Weilchen in dieser Welt leben sollte.

Neulich lege ich also unter heutigen Lebensbedingungen die Michel-DVD ein und freue mich auf die Erinnerungen aus der Kindheit. Mit einer gemächlichen Kamerafahrt über grüne Wiesen und rote Holzhäuser setzt der Soundtrack ein – und mit ihm meine Tränen. Ich weiß nicht, warum, aber ich muss so schlimm heulen, dass ich nach 15 Minuten den Film stoppe, weil ich sonst am nächsten Morgen aufgequollen gewesen wäre wie ein Gummibärchen nach einem ausgiebigen Wasserbad.

Seitdem habe ich mich nicht mehr an Michel rangetraut.  Was wäre, wenn das damals alles gar nicht so toll war? Wenn Michel schlichtweg ein hyperaktiver Rotzlöffel war? Seine Eltern Anton und Alma überforderte Rabeneltern? Und mit dieser bitteren Erkenntnis Erinnerungen hochgekommen wären, die gar nicht zu mir gehören können?

Ich hatte so viele schöne Stunden mit Michel, da lass ich mir nicht in meine Nostalgie reinpfuschen. Aber es ist gut zu wissen, dass meine Erinnerungen auf DVD gebannt im Archiv stehen. Wer weiß, wozu sie eines Tages noch gut sein werden.

Demnächst hier: Wie ich lernte, einen Vampir zu lieben, ohne gebissen zu werden.

 

Meine Lieben in Rosarot Januar 9, 2009

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Da sitze ich also mit fünf Kindern im Alter von 6-54 Jahren beim Mittagessen und versuche, glaubhaft zu vermitteln, dass Radieschen im Salat wirklich nichts Schlimmes sind und die Käsespätzle nicht besser schmecken werden, nur weil man sich beim Essen die Nase zuhält.

Jonas (6): „Ich möchte heute einen Tischspruch sagen!“

Es packen sich alle reflexartig bei den Händen und los geht’s:

„Jeder isst soviel er essen kann, nur nicht seinen Nebenmann. Piep, piep, piep wir ham uns alle lieb!“

Ahhhh. Wo hat das Kind nur so was her? Jetzt tut man so viel für eine unsentimentale Erziehung und dann so was. Aber es kommt noch besser.

Jonas: „Ich will für meine nächste Geburtstagsparty ein Motto haben!“

Okay! „Rostige Ritter“. „Miese Monster“. „Peinliche Piraten“.

Klar, warum nicht!

Jonas: „Mein Traumschloss in Rosarot ! Da ist dann alles rosa und nur ganz wenig rot. Und ganz viele rosane Rosen und so! Alle müssen rosa tragen. Also rosa, hellrosa, dunkelrosa…“

Timo (7): „.. und blau?“

Jonas: „Nein. Natürlich nicht.“ (verdreht genervt die Augen)


Ich frage mich ja schon seit längerer Zeit, ob es für einen kleinen Jungen schädlich sein kann, einen lila Fleecepulli tragen zu müssen, der den Aufdruck „Little Princess“ hat . Etwas Ähnliches muss in diesem Moment auch Carla gedacht haben, die mit ihren 10 Jahren schon weit rumgekommen ist und der nichts Menschliches fremd ist.

Carla: „Ich hab in London mal zwei Penner gesehen, die sich geküsst haben!“

Während ich im Hintergrund noch irgendwas höre wie „…rosa Teller, rosa Servietten, rosa Tischdecke…“, konzentriere ich mich jetzt besser auf das Weltbild der Jugend. Natürlich gibt es auch prompt eine Reaktion, bei der die pfiffige Kartoffel sofort einhaken kann.

Julia (9): - immitiert ein herzhaftes Würggeräusch und klopft sich an die Stirn - „Pft, schwule Penner. Schwul! Und Penner! Typisch! E-kel-haft!“

Timo: „Was ist jetzt, kann ich auch in blau kommen?!?“

Hm, Toffi, schnell, sag was, damit die Kinder wieder was gelernt haben.

Toffi: „Es ist überhaupt nichts Schlimmes dabei, wenn ein Mann ein Mann liebt oder eine Frau eine Frau. Jeder ist anders und bei uns gibt’s da kein richtig oder falsch. Und nein, wenn das Motto „Mein Traumschloss in Rosarot“ ist, dann kommt da keiner in blau!“

Carla: „Ich war auch mal lesbisch. Da war ich 6.“

Hm. Hä?

Carla: „Yep. Ich war da nämlich in Hermine Granger verliebt!“

Oh, isses nicht herzergreifend?

Toffi: „Na ja, nur weil du Fan von Hermine Granger warst, bist du ja nicht gleich lesbisch.“

Offensichtlich hatte ich in diesem Moment Carlas starke Gefühle für die kleine Zaubermaus unterschätzt.

Carla: „Doch, doch, das war schon so. Aber das ist vorbei. Heute find ich Lara Croft besser, die ist richtig sauscharf!“

Julia: „Waaaas, biste immer noch lesbisch?“

Carla: „Näääää, guck doch, ich hab nicht mal mehr Pailletten an den Jeans!“

Alle verschwinden zeitglich mit ihren Köpfen unter dem Tisch und bewundern die heterosexuellsten Hosen der Nation:

Tatsache, keine Pailletten.

 

Au ja, lass uns Quatsch kaufen… Januar 7, 2009

Gespeichert unter: Auf dem Land, Begegnungen, Liebe, Mein Leben — lapetitepatate @ 8:18

Zu Weihnachten haben meine Katzen Krazy Kira & Lady Lucy endlich ihr eigenes Sofa bekommen. Kuschelig, braun und sehr formschön.

katzensofa deluxe

Ein reinrassiges Accessoire aus der Serie „Völlig unnötige Anschaffungen“, weil Katzen niemals das wollen, was das Frauchen will.

Nach dem Aufbau nicht annähernd so praktisch wie klein, steht es nun in der Nähe meiner Fernsehcouch und wartet auf haarigen Besuch. Ja, einfach mal ein unverbindliches Spaß-Angebot machen, während die Katzen sich gemütlich auf den besten Plätzen meines Menschensofas räkeln und nicht im Traum daran denken, Hoheitsgebiet abzutreten oder sich räumlich zu verkleinern.

Aber einen Trumpf hab ich noch im Ärmel. Irgendwann mal, wenn alle Katzen wegschauen, weil sie z.B. gerade ihren Hintern putzen, kratz ich nach Herzenslust am Katzensofa rum bis die Fetzen fliegen. Einfach so. Aus Rache.

So isses brav!

Braves Tier! Katzendame Krazy Kira auf dem Katzensofa.

(Ein einzigartiger Anblick, weil so nie wieder gesichtet.)

 

Thank you for flying Potato Airlines…! Dezember 31, 2008

Gespeichert unter: Auf dem Land, Cartoon, Liebe, Mein Leben — lapetitepatate @ 10:12

Und ab geht's... the sky is the limit!

Die Kleine Kartoffel wünscht allen Lesern einen kartoffelstarken Start ins neue Jahr und bedankt sich für die vielen lustigen Momente hier mit Euch! Ihr seid die besten Kartoffelfreunde, die eine Kartoffel haben kann!

Und denkt dran: „Ich werde 2009 bei der Patate immer alles lesen“ ist mindestens so ein guter Vorsatz wie: „Morgen hör ich mit dem Rauchen auf!“.

Also, packt die Raclettepfännchen und Käsefondues aus und macht Euch ein paar junge, knackige Kartöffelchen heiß! Ich backe jetzt gleich eine weiße Schokoladentorte, die meinen Besuch kalorientechnisch bis 2012 satt machen müsste, und um Mitternacht gieß ich mir wieder ein paar „Spermien“ aus Blei.

Einen hab ich noch! Es gibt mehr als gute Gründe, sich aufs neue Jahr zu freuen, denn:

Herrschaften! Ein unfassbar großes Ereignis steht ins Haus!

Demnächst hier auf diesem Blog:

Kartoffelklatsch mit Popette Betancor!


Ja, das ist der Knaller!

Prost Neujahr!

 

Es ist soweit: Fröhliche Weihnachten! Dezember 24, 2008

Gespeichert unter: Aus aller Welt, Cartoon, Liebe, Mein Leben — lapetitepatate @ 1:01

Am Kamin ist ein Plätzchen...

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