La Petite Patate

……………Weichkochend. Bissfest. Und très dangereuse!

Kartoffel und der letzte Heuler September 13, 2009

Gespeichert unter: Begegnungen, Kinder, Mein Leben — lapetitepatate @ 1:08

Da sitze ich also mit zwei pfiffigen Kartoffelkindern auf der Bank und überblicke friedlich die eindrucksvolle Weite des Sandkastens. Und während ich so überlege, ob die imposanten panierten Würstchen noch Katzenkot oder schon Hundedreck sind, beginnt neben mir eine philosophische Gesprächsrunde.

Nadja (6): „Erwachsene heulen nie.“

Carla (11): „Na, na, täusch dich da mal nicht!“

Nadja schaut mit kritischem Blick zu Carla, die weiterhin sorgfältig ihre Fingernägel ausmistet und offensichtlich eine kleine, wirkungsvolle Kunstpause eingelegt hat…

Carla: „Eltern weinen heimlich. So, dass es keiner sieht!“

Nadja: „Hm… aber ich hab meinen Vater schon weinen gesehen! Genau 1 mal!“

Carla: „Echt? Cool! Dann war er sicher sautraurig!“

Nadja: „Nö. Mein Papa hat geweint, als Kaiserslautern aufgestiegen ist!“

 

Kunigunde die Kirmes-Kartoffel September 8, 2009

Gespeichert unter: Aus aller Welt, Begegnungen, Mein Leben — lapetitepatate @ 7:46
Formschöne, vom Original kaum zu unterscheidende Marzipankartoffel.

Tapfere kleine Marzipankartoffel.

Ein Herz für Kartoffeln!

Kunigunde wurde gestern aus den Fängen einer skrupellosen Schausteller-Bande befreit. Wochenlang lag die kleine Kartoffel zwischen salzigem und süßen Popcorn und war gezwungen, sich mit einer Aussicht auf Lebkuchenherzen und ein alterndes Kettenkarussell zu begnügen, während sie ihren kleinen Kartoffelkörper zur Schau stellen musste.

Nachdem die symbolische Ablösesumme von 1,-€ am vereinbarten Treffpunkt übergeben worden war, konnte Kunigunde nun endlich eine ihr angemessene Unterkunft beziehen und erholt sich derzeit auf weißen Kuschelkissen von den dramatischen Erlebnissen ihrer Kindheit als Kirmeskartoffel.

Wir danken Frau Krokette für ihren heldenhaften Einsatz! Sie hat keinen Augenblick gezögert, beherzt mit beiden Händen in die Kartoffelauslage zu grabschen, um sich einmal mehr für den Kartoffelschutz stark zu machen!

 

Gib Gummi, Norbert! August 21, 2009

Gespeichert unter: Auf dem Land, Begegnungen, Mein Leben, Pflanzenwelt — lapetitepatate @ 1:16

Während ganz Kartoffelhausen im kollektiven Hitzewahn danieder lag, hat mein Gummibaum Norbert den heißesten Tag des Jahres klammheimlich dazu genutzt, ein neues Blatt zu gebären!

Norbert mit Nachwuchs.

Norbert mit Nachwuchs.

Ist es nicht wunderschön? Dieses zarte, aber gleichsam kraftstrotzende Grün? Neues Leben erschaffen, genau dann, als jegliche Hoffnung verbrutzelt schien?

Ja, mein Norbert!

Wer hätte das gedacht…

Norbert kam ja über ein paar Umwege zu mir nach Hause, und wir hatten wirklich keinen leichten Start. Ich erinnere mich noch genau, wie Anfang diesen Jahres während eines Schneesturms meine Mutter anrief und unbedingt sofort wissen musste, was man mir zum Geburtstag Ende Mai schenken könne.

Oh Gott, isses schon wieder soweit!?! War nicht grade Weihnachten?

Es ist ja immer leichter zu sagen, was man nicht will, also: keine Handtücher, der Schrank wäre dann jetzt voll, danke. Nein, ein luftiges Nachthemd bräuchte ich auch nicht wirklich und Unterwäsche? Die kauf ich lieber selbst. Zumal ich absolut nichts mit Größe 42/44 anfangen kann.

„Aber Du hast schon ganz schön zugenommen hintenrum, Kind… und Unterhosen müssen doch bequem sitzen, also ich würde…“

Und plötzlich höre ich diese Stimme, die verdammt vertraut nach meiner klingt.

„Einen Gummibaum! Schenkt mir einen schönen, großen Gummibaum!“

Ich weiß wirklich nicht, wie ich in diesem Moment auf einen Gummibaum gekommen bin. Aber meine Mutter hat’s einfach so hingenommen. Ohne auch nur eine einzige Gegenfrage zu stellen, die die Sinnhaftigkeit meines Wunsches in Frage gestellt hätte. Wow!

Man fühlt sich komplett im Erwachsenenleben angekommen, wenn man sich für seine Wohnung eine Grünpflanze schenken lässt. Doch, das hat was. Das ist so dekadent-spießig wie weltoffen-häuslich.

Am Tag meines Geburtstages klingelt’s an meiner Haustür und vor mir steht ein Gummibaum. Irgendwo dahinter meine Mutter, von der ich lediglich ein paar Füße sehe. Ah, die Schuhe kenn ich, ich lass den Baum also rein. Der wankt schnurstracks ins Esszimmer, wo er mit seiner wahnsinnig intensiven Präsenz die anderen Gäste völlig unvorbereitet trifft. Vielleicht hatten Manche für einen kurzen Moment gehofft, ein Überraschungsgast sei angekommen! Ein Alleinunterhalter mit Cartoon-Krawatte oder ein Zauberer mit einem unförmigen grünen Accessoire. Dann war’s aber doch wieder nur meine Mutter. Mit Norbert, dem Gummibaum. Was für ein platzeinnehmendes Prachtstück! Meine Katze erbricht reflexartig ein psychosomatisches Haarbüschel. (Die Katze gerät leicht unter Stress, wenn sie nicht im Mittelpunkt steht und/oder meine Mutter zu Besuch kommt.)

Nachdem die Familien-Baum-Feier geschafft ist, lasse ich Norbert einfach stehen.Wochenlang. Er steht also da, streckt sämtliche Luftwurzeln von sich und guckt mich bei jeder Gelegenheit vorwurfsvoll an.

Ich bin ja kein Unmensch. Und Norbert war ja ein Wunschbaum. Also besorge ich mir einen Sack Erde, topfe Norbert um und poliere seine Blätter auf Hochglanz. Und dann darf er sogar vom Flur in mein Arbeitszimmer umziehen, wo ich ihm jeden Morgen etwas vorsinge, und wir ein paar spannende Partien Kniffel ausgetragen. (Weiß jemand, warum Gummibäume geradezu hämisch oft ein „Full House“ würfeln?)

Und heute morgen komme ich ins Norbertzimmer und will den kleinen Racker zum Frühstück rufen, da seh ich es: er hat Nachwuchs bekommen! Sozusagen über Nacht! Während ich gestern den ganzen Tag apathisch wie eine verkochte Ofenkartoffel auf dem Sofa gelegen habe, hat sich Norbert mal so richtig ins Zeug gelegt!

Chapeau, kleiner Gummibaum!

Du bist das Beste, was mir passieren konnte!

Meine Katze erbricht eine Portion Trockenfutter. Ah, die Aufmerksamkeit, Entschuldigung.

 

Mein Name ist Blond. Naturblond. Juli 19, 2009

Gespeichert unter: Auf dem Land, Begegnungen, Liebe, Mein Leben — lapetitepatate @ 12:50

directorscutdresden

Es hat schon einen ganz besonderen Charme, den heißesten Tag des Jahres zu erwischen, um die längst überfällige Totalerneuerung beim Friseur vornehmen zu lassen. Und was soll ich sagen: es gab einen neuen Rekord! So lange wie diesmal war ich noch nie unter der Haube! 4 Stunden! Vier Stunden, in denen man nonstop an meinem Haupthaar und dem dazugehörigen Kopf rumgefummelt hat, bis selbst meine eigene Mutter jegliche Familienähnlichkeit abgestritten hätte!

Nun ja, ich war die letzten Monate nachlässig, das muss ich zugeben. Aber wer hat schon immer Lust, mal eben einen halben Urlaubstag in die Schönheit zu investieren? Nee, ich nicht. Und so war es Sommer geworden – und meine Frisur unbemerkt zum Hippie mutiert.

Draußen also gefühlte Temperaturen von mindestens 37°C, und während sich der Rest meiner Sippe Richtung Badesee davonmacht, begebe ich mich zur Friseurin meines Herzens: Elke.

Elke ist die beste Haarbändigerin, die ich kenne – und sie weiß alles über mich. Bereits in der ersten Sitzung haben wir ohne Berührungsängste die wichtigsten Fragen geklärt:

Ja, das Haar ist echt. Nein, ich bin nicht asiatischer Abstammung. Mario Barth wird überschätzt, und ja, es gibt Kabarettisten, die sich die Wimpern färben.

Der Friseur-Salon ist leer wie ein Aldi-Markt am Ostersonntag, und ich überlege ernsthaft, warum wieder alle außer mir wussten, dass man an so einem Tag nicht zum Friseur geht. Elke jedenfalls freut sich auf mich und meine Haare, das spür ich. Wir einigen uns auf Strähnen im Honigblond vom letzten Mal und gerade als ich versuche, nicht am Ledersessel festzuschwitzen, quiekt Elke auf: „Ohhhh, da sind ja zwei naturblonde Haare!“

Und ich Blondchen versuche auch noch, rational nachzuvollziehen, was da oben auf mir los sein könnte! Ja, blond war ich als Kind mal, aber heute?! Hm…

„Haha, naturblond klingt gut, gell?? Ist doch viel besser als GRAU!“

Ah, ist sie nicht niedlich, die Elke?!

Geschlagene 110 Minuten wickelt Elke Strähne um Strähne in Alufolie, und was soll ich sagen, es ist anscheinend mein Glückstag: Elke hat Redebedürfnis! Und Zeit! Viel Zeit! Es sind ja keine anderen Kunden da! Drei Stunden später weiß ich alles über ihren Freund Franz, der beim Metallica-Konzert eine Panikattacke bekommen hat und dass die Stammkundin Sonja Hautkrebs hat und Elke ihn zuerst entdeckt hat. Das ist für mich als Kundin mit sensibler Haut ja so was von beruhigend! Ja, diese kleinen schwarzen Pünktchen im Nackenbereich, die so komisch genässt haben, wenn man mal wieder mit der Schere oder dem Kamm dran kam. Und dann erst die Krebs-Operation! Die mussten 6 cm tief in den Hals reinschneiden!

Ich versuche kurz, mir vorzustellen, was passiert, wenn man 6cm tief in den Hals reinschneidet und wo man vorne wieder rauskommen würde, dann fällt mir aber wieder ein, dass es draußen heiß und mein Krauslauf instabil ist, und ich nicht unnötig beim Friseur kollabieren möchte.

Es folgt eine 45minütige Haarwäsche mit allem Pflegepipapo und einer leidenschaftlichen Kopf-Nacken-Massage durch die Hände des Lehrmädchens. Wo nimmt das zarte Ding nur diese Kraft her?

Wow. Ahhh. Hui.

Ich hoffe, es gibt keine Nervenenden unter der Kopfhaut, die man langfristig schädigen kann durch zu beherztes Zupacken.

Inzwischen klebe ich doch am Ledersessel fest und jede noch so kleine Bewegung löst entzückende Furzgeräusche aus, die alle außer mir erfrischend lustig finden. Das tut doch weh, wenn man im Sommerkleidchen da festpappt! Ich möchte weinen, habe aber keine Tränen mehr übrig, weil ich jegliche Flüssigkeit ausgeschwitzt habe.

Nach 3 Stunden 30 Minuten sind meine Haare endlich fertig! Frisch gefärbt, geschnitten und hingeföhnt, möchte ich mein Glück rausschreien! Ja, ich bin frei! Da kommt Elke auf die Idee, mir „noch schnell“ eine Hochsteckfrisur zu machen, wegen der Hitze und so. Gut, klingt logisch, und Friseurinnen kennen ja sicher raffinierte Tricks, um selbst so unglaublich dickköpfiges Problemhaar wie das meine elfengleich hochzutrapieren.

13 Minuten und 17 Versuche später seh ich Elke zum ersten Mal an diesem Tag schwitzen!

„Na, das muss doch irgendwie hinzukriegen sein!“, kommt da kämpferisch von oben – und ich schlage „Zement?!“ vor. (Man hilft ja, wo man kann.)

„Nein, wenn Du mal heiratest, müssen wir das ja auch irgendwie hinbekommen!“

„Was? Wie? Heiraten?“

„Ja klar, viele Frauen heiraten ja nur wegen dem schönen Kleid und der tollen Hochsteckfrisur!“

Siehste mal, zwei weitere Gründe, nicht zu heiraten. Die haben mir in meiner Pro-Contra-Hochzeitsliste noch gefehlt! Prima!

Doch Elke schafft es tatsächlich, meine Haare irgendwie am Kopf zu befestigen. Mit exakt 21 Haarnadeln und allen Hilfsmitteln, die laut Gesundheitsbehörde gerade noch so erlaubt sind. Aus dem Spiegel schaut mir eine toupierte Diva entgegen, eine Mischung aus Zsa Zsa Gabor, Marge Simpson und Urban Priol. Verdammt, ist so eine Frisur vorteilhaft. Ich bin verwirrt.

Was folgt, ist meine alles entscheidende, aber durchaus berechtigte Frage:

„Muss ich jetzt heiraten?“

Elke guckt, als ob ein Büschel fettendes Schamhaar von der Decke direkt vor ihre Füße gefallen wäre.

„Na ja, bei uns im Freundeskreis, da sind der Franz und ich das einzige unverheiratete Pärchen. Und wir sind echt die einzigen, die noch nicht getrennt sind! Und Kinder haben wir auch keine, ist toll so. Viele kriegen ja Kinder, weil man’s halt so macht! … … … Also, nee, ich kann das mit dem Heiraten nicht empfehlen…. … Aber die Frisur für Dich hätten wir jetzt schon mal! Ist doch super!“

Als ich nach Hause komme, ist noch nicht mal jemand da, der mir für meine schwer erarbeitete Frisur ein Kompliment aussprechen könnte. Vielleicht besser so – am Ende macht mir noch jemand einen Antrag, nur weil die Muddi mit Hochsteckfrisur doch eigentlich ganz nett ausschaut.

„Haha, Chance verpasst, mein Schatz!“, denke ich so und lege mich genüsslich aufs Sofa. Und während sich mir 3 der Haarnadeln butterweich ins Gehirn bohren, träume ich leise schnurchelnd von einer standesamtlichen Trauung mit Mario Barth und Kurzhaarfrisur.

 

Die ganze Welt ist ein Foxtrott Juni 11, 2009

Gespeichert unter: Auf dem Land, Begegnungen, Mein Leben — lapetitepatate @ 8:23

Mit 15 Jahren befand ich mich, nicht selten ästhetisch etwas unpräzise, auf der Suche nach der ureigenen Kartoffel in mir. Vielleicht möchte ich im Nachhinein sogar einräumen, dass diese grün-rot-gestreifte Wollmütze einfach grottenscheißhässlich war und die figurbetonten Strick-Pullis von Benetton an den Körpern anderer Teenies besser aufgehoben gewesen wären.

In dieser verwirrenden Zeit spielte mir das Schicksal eine beste Freundin zu: Eva Rossmann. Ein junges Ding, ein frisches Ding. Ein Mädel mit einem Pferdestalllächeln und den breitesten Cordhosen, die man je gesehen hatte. Zahnarzttochter und Bilderbuchfamilienmensch. Und die einzige Person, die ich auch noch Jahre nach dem Abitur hätte töten können.

Eine der vielen grauenhaften Erinnerungen, die ich Eva Rossmann zu verdanken habe, ist die Teilnahme am Tanzkurs. Gefangen im Gruppenzwang einer Horde pickliger Teenies mit so viel Taktgefühl wie Lebenserfahrung. Aber um Evas Freundschaft nicht zu verlieren, machte ich sie und obendrein meine Eltern sehr glücklich, als ich zähneknirschend verkündete:

„Ja, es ist soweit. Ich bin bereit für einen Tanzkurs!“

Der Tatsache, dass mein allererster Tanzkursabend exakt mit dem Ausbruch des Golfkriegs zusammenfiel, hatte ich damals keine weitere Bedeutung zugemessen.

Ich Dummerchen.

Während sich meine Freundin Eva ab dem ersten Abend wegen gesundheitlicher Unpässlichkeiten immer schön kurzfristig vom Tanzen befreien ließ, hatte ich keine Ausreden gefunden und den Tanzpartner abbekommen, den ich verdient hatte: Sascha Fernando.

Was jetzt klingt wie ein feuriger Flamencotänzer aus Almeria, entpuppte sich ruckzuck als der allermieseste Tänzer westlich von Hoyerswerda. Zu allem Glück auch noch gesegnet mit einer ehrgeizigen Mutter, die immer und überall dabei war. Und jederzeit bereit, das Versagen ihres Wonneproppens zu rechtfertigen. Was tanzt das jämmerliche Ding dem Jungen auch immer unter den Füßen rum?

„Na, Toffi, Du hast ja echt zwei linke Füße beim Tanzen!“

Sagt diese Tanzbärenmutter. Zu mir!

Holladiewaldfee!

Nicht mit mir!

Dann sei also Krieg!

Ich hatte damals genau 2 Sekunden Zeit, mir spontan eine sensationelle Antwort auszudenken. Da sitze ich also auf der Rückbank dieses Mutterautos, rechts von mir die tanzende Null und unter mir die stinkende Hundedecke und höre mich sagen:

„Tja, zwei rechte Füße sind auch nicht gerade hilfreich beim Tanzen!“

… und fixiere dabei mit funkelnden Augen meinen Tanzpartner. Jaaa, kapier’s, DU bist hier der Versager!!!

Leider verpuffte meine rhetorische Retourkutsche wie ein Furz im Wind, denn weder Mutter noch Sohn waren geistig in der Lage, meine Beleidugung überhaupt als solche zu erkennen. Genaugenommen glaube ich, Sascha ist heute noch stolz darauf, damals endlich zwei rechte Füße attestiert bekommen zu haben. So viel Talent kommt eben nicht von ungefähr!

Als der Abschlussball näher rückte, besorgte ich mir die nächste Demütigung in Form eines pinkfarbenen Rüschenkleides – und meine liebste Freundin Eva sich die Windpocken. Aber in einer guten Freundschaft muss man auch mal gönnen können; und ja, diese widerliche riiiiesige unförmige Pockennarbe mitten im Gesicht hatte sich Eva zu dem Zeitpunkt unserer Zusammenarbeit haushoch verdient.

Der Abschlussball fand dann tatsächlich statt. Unter dem Motto „Urlaub in der Südsee“. Wie naheliegend. Aber immer noch besser als „Ferien auf dem Reiterhof“.

Ein Abend in der Stadthalle mit 100 parfümierten Teenagern, nervösen Eltern und unglaublich schlechter Musik einer drittklassigen Tanzkapelle. Und ich mittendrin.

Dass meine Karriere als Standardtänzerin niemals in einem furiosen Finale enden würde, kristalisierte sich dann allerdings schneller heraus als erhofft, als nämlich das passierte, was man heute noch in der Tanzschule „Messerspitz“ den Debütanten als abschreckendes Beispiel erzählt.

Ja, ich gebe es zu. Ich bin der eine Teil des Pärchens, das damals auf der Tanzfläche darüber zu streiten begann, um welchen vorzutanzenden Tanz es sich bein dem Musikstück handelte, das die Band da spielte.

„Waaas, ein Walzer? Spinnst Du??? Das ist ein Foxtrott!!!“

(Ich sagte ja schon, die Musiker waren schlecht. Sehr unpräzise. Tja.)

Und weil Sascha und ich uns nicht einigen konnten, tanzte einfach jeder das, was er für richtig hielt. Es mag nach außen möglicherweise etwas bizarr gewirkt haben. Aber wo wären wir denn da hingekommen, wenn sich damals jeder dem anderen einfach so kampflos ergeben hätte?

Wie gesagt, da draußen in der Welt war Golfkrieg. Wir waren jung, verunsichert und unglaublich unvorteilhaft angezogen, aber ich kann noch heute mit Stolz und Sicherheit sagen:

Es war ein Foxtrott.

Nachgestellte Szene.

Nachgestellte Szene.

 

Auf einer Skala von 1 bis 10… Juni 2, 2009

Gespeichert unter: Auf dem Land, Begegnungen, Mein Leben, Tierwelt — lapetitepatate @ 7:06

… wie normal ist es , dass sich meine Langhaarkatze im Garten bevorzugt auf kleine Nacktschnecken legt, die ich dann Wochen später ötziförmig wie eine luftgetrocknete ungarische Salami aus dem Fell puhlen darf?

(Sie glauben gar nicht, wie lange ich beim ersten Mal darüber nachgedacht habe, was ich da aus dem Katzenfell geborgen hatte! Ich lag nächtelang wach und war kurz davor, das zerschnurpselte Etwas zu probieren!)

Schnecken mit Häuschen haben übrigens weitaus bessere Überlebenschancen, sind sie erst einmal in die Fellfalle auf vier Pfoten geraten. Die kleinen possierlichen Schleimspurzieher finden sich bei uns im Haushalt regelmäßig am Wassernapf von Frau Katze wieder, wo sie sich ein ausgiebiges Bad zur Feier ihres Überlebens gönnen.

Meine Befürchtungen, dass sich der Wassernapf als luxuriöses Schnecken-Spa in der Region rumsprechen könnte, haben sich bisher als übertrieben erwiesen.

 

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Mai 1, 2009

Gespeichert unter: Aus aller Welt, Begegnungen, Gesundheit, Kinder, Mein Leben, Queer, Soziales — lapetitepatate @ 8:58

Ein Fehler.

Es handelt sich hierbei zwar nur um einen Artikel aus der Rubrik „Freizeit-Spass“, dennoch möchte man meinen, Herr Al Bano Carrisi selbst wäre ein grober Übersetzungsfehler der Schöpfung. Und was bin ich froh, dass man diesem durch und durch heterosexuellen Schnulzenfuzzi Mann und Übervater die Möglichkeit zu einer ausladenden Richtigstellung seiner mittelalterlichen Ansichten gegeben hat. Klingt doch alles gleich viel differenzierter und reflektierter, wenn man es nur richtig übersetzt.

Ja, Homosexualität als Laune der Natur! Ein seltsamer Streich! Ein Makel!

Verbreitet sein Wort! Übersetzt, was das Zeug hält!

Eine Frage hätte ich noch: Ich möchte Sie wirklich nicht beunruhigen, Signor Carrisi, aber wie alt sind ihre beiden süßen Kinder? Ganz sicher, dass der hübsche, lockige Knabe im Vordergrund nicht doch mal ein sensibler Schwuler wird? Oder das blonde Mädchen da in Ihrem Arm, hätte sie nicht das Potential zu einem bisexuellen Luder?

Herr, wirf Hirn vom Himmel!

 

Potatoback Mountain April 15, 2009

Gespeichert unter: Auf dem Land, Begegnungen, Mein Leben — lapetitepatate @ 1:47

Das Glück der Erde...

Für B.M.

Danke für den romantischsten „Antrag“, den ich jemals von einer Krokette bekommen habe!

Welch ein Moment, nur wir Beide, zwischen Traktoren („Aaaachtung, Toffi, laaaauf!“), Pferdemist („Oh, das riecht aber doch sehr nach Tier!“) und dreifachen Europameistern im Springreiten („Bekommt man vom vielen Reiten O-Beine?“)!

Krokette, was freu ich mich auf die nächsten 100 Sonnenuntergänge mit Dir. Egal, ob humpelnd am See, beim Starbucks oder auf der kommenden Konzert-Tournee! Du bist die beste Beilage Krokettenkumpelin, die man haben kann!

 

Drei Damensocken und ein Todesfall April 13, 2009

Gespeichert unter: Auf dem Land, Begegnungen, Mein Leben — lapetitepatate @ 4:31

Ostern 2009 – eine Bilanz aus der Kartoffelperspektive


Alles fing damit an, dass am Karfreitag unangekündigt 3 schwarze Socken während eines Ausflugs in der Waschmaschine spurlos verschwanden und auch am Ostersonntag nirgendwo anders wieder erschienen sind. „Man wäscht auch nicht am Feiertag!“, sagt dazu meine Mutter und sucht noch nicht mal nach weiteren tröstenden Worten für mich.

Am Ostersamstag gehe ich freiwillig einkaufen, finde sogar einen Parkplatz, aber keinen Eisbergsalat. Lachen kann ich dann erst wieder, als ich diese armen, verzweifelten Menschen sehe, die noch keine Ostergeschenke haben.

„Jaaa, wer jetzt noch kein Nest hat, der füllt auch keins mehr!“, möchte ich hingebungsvoll-hämisch durch den Laden deklarieren. Doch dann sehe ich, weshalb da dieser Kundenklumpen aufgeregt wie ein Bienenschwarm am „Tag der offenen Blüte“ vorm Regal klebt: „Alle Osterartikel 50% billiger!“ – steht da in rot und ich frage mich, weshalb ich genau gestern noch für den selben Haseneierkram 50% mehr bezahlt habe.

Hausfrauen mit vor Entschlossenheit verzerrtem Gesicht schaufeln ganze Legionen von Milka-Hasen in ihre viel zu kleinen Einkaufswagen. Ich täusche mit einer ruckartigen Handbewegung ebenfalls Kaufabsicht vor, da faucht’s mich auch schon von allen Seiten an und ich meine, Schaumkronen vor den Mündern der treu sorgenden Mütter gesehen zu haben.

Wieder zu Hause angekommen, hole ich mit einem Wäschekorb die Osterpost aus dem Briefkasten. Oh, Post von Sheego! Sheego… kenn ich nicht. Aber ich freu mich trotzdem, zumindest tu ich so, damit der Nachbar, der grade gegenüber die Straße kehrt, merkt, wie beliebt ich bin.

Sheego, so stellt sich später heraus, ist ein Katalog für Übergrößen. „Unbeschreiblich weiblich“ steht da unverblümt auf der Titelseite, und die BH’s fangen erst bei Größen an, die ich sonst nur von Pudelmützen kenne. Wahrscheinlich spekuliert man bei Sheego darauf, dass sich die Durchschnittskartoffel über Ostern zu einem Wonneproppen hochgefuttert haben wird und dann spontan neue Kleidung braucht. Irgendwie nett. Und gleichermaßen beunruhigend.

Tief einatmen. Ausatmen. Alles wird gut. Die Sonne scheint.

Am Ostersonntag komme ich nach dem Aufstehen etwas zerknittert am Küchentisch vorbei, und da steht sie, bunter als das Leben selbst: eine kleine Schachtel Pralinen mit güldenem Geschenkband! Ich bin vom Fleck weg gerührt! Wie süüüüß ist das denn!?

„Duuu, Herr Kartoffel“, flöte ich durchs Haus, „diese Pralinen…“

„… ja, die sind vom Sven und vom Andy – für mich! Toll, gell?!“, schreit Herr Kartoffelmann aus dem Bad, und bevor ich mich mit einem fiesen Satz rächen kann, weil ich kurz unnötig romantisch verblendet war, rauscht auch schon das Wasser aus der Dusche, und man singt gut gelaunt ein kleines Liedchen.

Der Besuch in der Heimat versöhnt mich dann wieder mit der Menschheit. Es gibt ganz viel Familie und den ersten Spargel der Saison, frisch gepflückt von polnischer Zeitarbeiterhand. Zwischen Pfann- und Erdbeerkuchen berichtet man sich von den neuesten Erlebnissen, und irgendwie habe ich das Gefühl, meine Eltern sammeln inzwischen Beerdigungen von alten Freunden wie andere Leute Abwrackprämien.

Tapfer ist sie, meine Mutter. Und manchmal etwas unsensibel. „Ja, ja, da sitzt man dann in der Trauerhalle und überlegt, wen es als Nächstes erwischt. Na ja, immerhin sind bis jetzt bei allen Paaren immer die Männer zuerst gestorben.“

So ähnlich muss es auch meinen 3 verwitweten Socken-Weibchen ergangen sein. Eben noch ein Paar, jetzt schon Singlesocke. Aber die Damensocke ansich ist ja anpassungsfähig, und so haben sich die 3 Baumwoll-Luder bereits ganz gut mit der neuen Lebenssituation arrangiert und sich ein kleines, kuscheliges Liebesnest in meiner Sockenschublade eingerichtet. Befreit vom Zwang, immer als Paar auftreten zu müssen, liegen die Mädels jetzt faul zwischen meinen Sportsocken und Nylonstrümpfen in der Gegend rum, genießen la dolce vita und verprassen ihre Witwenrente. Und manchmal, wenn ich an meiner Kommode vorbeilaufe, höre ich die 3 Sockinnen kichern und ja… plöpp!… gerade eben haben sie wieder eine Flasche Prosecco aufgemacht!

Ahhh, la vita è bella!

Auf das Leben nach den Feiertagen!

Auf die Socken!

 

Früh übt sich April 4, 2009

Gespeichert unter: Begegnungen, Kinder, Mein Leben, Soziales — lapetitepatate @ 6:31

„Wir waren ja letztes Jahr auf einer Kreuzfahrt in Dubai. Toffi, machst Du eigentlich auch lieber Urlaub in Ländern, in denen die Menschen reich und glücklich sind? Also, diese armen Menschen und Armut möchte ich im Urlaub nicht sehen.“

Clara (8 Jahre alt)