Ich befinde mich derzeit in einem relativ schleimigen Gesamtzustand, und mein Hausarzt würde an der Stelle sicher wieder sagen: „Da hat sich wohl was draufgesetzt!“.
Kaum hat der Frühling mal zaghaft sein kleines Schnuffelschnäuzchen rausgestreckt, fängt bei mir die Pollenallergie an. Gewissenhaft wie ich bin, hab ich mir nahezu ganzjährig andauernde Allergien zugelegt – ich beginne im Spätwinter mit der Hasel und lasse das Schniefen dann so Ende Oktober langsam mit den Gräsern ausklingen. Und wo ich grad schon mal dabei war, mich als wandelnde Röchelpustel zum Drops zu machen, kann’s ja nicht schaden, noch einen Schnupfen und Halsweh draufzusetzen.
Was der Grund des Schneuzens ist, lässt sich leicht mit einem beherzten Blick ins Taschentuch feststellen, sagt mein Arzt.
Achtung, Kugelschreiber bereithalten, hier kommt die Regel zum Rotz:
Schleim = klar + flüssig = Allergie und blöd
Schleim = gelb-grün + zäh = Infekt und böse
Ich hab grade alles. Das ist gemein und blöd-böse.
Als mein Arzt damals die Resultate meines Allergietests gesehen hat, fand er wunderbar tröstende Worte für mich: „Wow…! Aber schön, dass Sie bei so einem Befund noch nicht ihren Humor verloren haben, Frau Toffel!“
(Ja, das ist schön. Ich hab daraufhin noch einen kleinen Arzt-Witz gemacht und bin zum Verschleimen nach Hause gegangen.)
Jedenfalls habe ich armes Schniefschnucki mir für heute fest vorgenommen, mir was Gutes zu tun, und da ich sowieso rausmusste, war ich wild entschlossen, dem Pollenflugfrust was Pfiffiges entgegenzusetzen: Kaufrausch!
Gezielt eingesetzt, soll der ja Wunder bewirken!
Ich packe also meinen Einkaufswagen und nehme mit: Schwammtücher, Katzenfutter, 300g Süßkartoffeln und einen WC-Stein. Und was soll ich sagen – nix. Null Effekt auf mein Wohlbefinden! Hatschiiii.
Und dann treff ich ihn! Plötzlich steht er vor mir, genau so, wie ich es in meinen Träumen immer vor mir gesehen habe:

…
Genau. Tee. 20 Doppelkammerbeutel „Momente des Glücks – Banane-Kleeblüten“ für 1,79 €!
Banane mit Glück – verdammt, ist das gut! Ich mag nämlich zufällig beide Zutaten extrem gerne, wobei mich die Banane fast noch mehr angesprochen hat.
An der Kasse hab ich einen Rentner mit Weißwein und passendem Kleingeld vor mir, genug Zeit also, meine Phantasie eine Runde Gassi zu führen.
Wie mag die Kleeblüte ansich schmecken?
Muss der Klee vierblättrig gewesen sein, um das volle Glücksaroma entfalten zu können?
Und warum ist da eine zartgelbe Ballerina auf der Teepackung drauf? – „In Anlehnung an Edgar Degas / Daneuse-Fin d’Arabesque“, erklärt mir die von vorne betrachtet rechte Seite der Schachtel. Ach so, nee, ist klar. Da halt ich mich doch besser an die Banane, deren Konzept versteh ich.
Wie dem auch sei, heute Abend findet bei mir das ultimative Glücksprogramm statt. Auf DVD gibt’s „Ein Quantum Trost“, weil ich Daniel Craig als James Bond durchaus akzeptabel und scheißerotisch finde – und weil „Wolke 9″ von Andreas Dresen bereits ausgeliehen war.
Und genau dann, wenn ich’s vor Entspannung kaum noch aushalte, mache ich mir eine Tasse Banane-Glücksklee-Tee. Was dann hier bei mir so abgehen wird, davon hab ich dank der Teepackungsgebrauchsanweisung bereits eine sehr konkrete Vorstellung:
„Das Herz jubelt, der Kopf schwebt in den Wolken, die Welt strahlt in den leuchtendsten Farben. Genießen Sie diese Stimmung mit Meßmer ‘Momente des Glücks’!“
Und wehe, mir geht’s morgen nicht besser! Ich schwör’s, ich trink sofort wieder Cola und schau „Big Brother“. Und ja, vielleicht leg ich mir spontan noch eine Hausstauballergie zu. Sicher ist sicher.
…
(An dieser Stelle möchte ich der Firma „Tempo“ danken, die mich all die Jahre zuverlässig und niesfest mit Taschentüchern versorgt hat. Ohne Euch wär das alles nicht möglich gewesen. Hatschiii.)