La Petite Patate

……………Weichkochend. Bissfest. Und très dangereuse!

The Kotelett of love Januar 25, 2009

Gespeichert unter: Begegnungen, Chanson, Comedy, Kleinkunst, Kunst, Liebe, Mein Leben, Musik, Theater — lapetitepatate @ 4:53

„Kennste eine, kennste alle – stimmt aber nicht!“

Sagt La Signora. Recht hat sie.

Wenn man erst mal alle bekannten Namen der Musik-Kleinkunst mehrfach gesehen hat, ganz viel Futter bekommt, aber nicht mehr satt wird, dann wird es höchste Zeit, die Fühlerchen nach etwas Neuem auszustrecken.

Getrieben von der unstillbaren Gier nach kultureller Befriedigung, strandete ich also gestern Abend im Theater. Nein, „Theater“ ist das falsche Wort, es ist ein kulturelles Zentrum, dessen Leitung sicherlich tagsüber im Frauenbuchladen arbeitet und wo die Techniker Wollmützen tragen und Sozialarbeit studieren. Und kalt isses da immer („Die Zuschauer und die Scheinwerfer machen dann genug Hitze, da braucht’s keine Heizung!“ – Diese Rechnung geht allerdings nur bei einem vollen Saal auf. Danke.) Im Foyer sitzt gern ein reifes, russisches Zwillingspaar, zwei schwedisch-blondierte Damen mit gut und gern 1,87m Körpergröße (sitzend) und riesigen Händen, die nach Berufskillern ausschauen. Bei meinem letzten Besuch in diesem Etablissement gab’s Wodka und Hustenbonbons von Pigor & Eichhorn – und in meiner Kloschüssel lagen rote Rosenblätter. Find ich nett, da komm ich wieder. Diesmal allerdings mit Schal und Handschuhen. Sicher ist sicher. Aber ganz umsonst.

carmela de feo Wo La Signora auftritt, wird es heiß, denn La Signora ist „The Kotelett of Love“. Heiß und fertig und so anschmiegsam wie spritzendes Bratfett.

Carmela De Feo heißt die Musik-Comedy-Künstlerin, die so überzeugend wie absurd die Bühnenfigur „La Signora“ zum Leben erweckt. Eine zarte Frau im biederen schwarzen Rock und Blüschen, zugeknöpft von oben bis unten. Völlig unerwartet und anfangs von vielen Leuten unbemerkt, stürmt sie von hinten in den Saal und wühlt sich schimpfend und keifend den Weg durch die Menge. Schnell wird klar: Das wird kein kuscheliger Wohlfühlabend, das wird harte Arbeit. Denn La Signora ist die geballte Autorität! La Signora ist ein Star! Eine rassige italienische Vollblut-Diva aus Oberhausen! (Dass sie dabei ausschaut wie eine hutzelige Omi aus Sizilien, kann sie sich erlauben, denn wahre Schönheit kommt von innen.)

La Signora, geboren mit einem Akkordeon am Körper, das über die Jahre mitwuchs, begann ihre Karriere als Alleinunterhalterin auf einem Kartoffelacker. (Allein dafür hat sie meine größte Zuneigung!) Doch ein Star sucht das Licht! Anfangs noch in Form rötlicher Schummerlämpchen in einem Theater, wo auch tagsüber gespielt wurde und die Männer hinter Scheiben saßen, dauerte es nicht lange und La Signora erstrahlte im Neonlicht einer Tankstelleneröffnung.

„Ich bin die Schlachtplatte der Erotik! Und ich brauche einen Mann!“


„Habt ihr das Knacken gehört? Das war mein Eisprung!“

Eine Frau in den besten Jahren, die es ernst meint: Ein Mann muss her! Am besten ein Stalker!

Die wilde Jagd im Saal ist eröffnet. Zu diesem Zweck bleibt das Saallicht das ganze Programm über an. Das schüchtert ein und macht gewaltig Eindruck. Ich habe selten so ein konzentriertes Publikum erlebt. Halb aus Angst, halb aus Faszination, sitzen die Zuschauer mit offenem Mund da und wagen es nicht, etwas zu tun, das den Unmut der Diva erwecken könnte. Auch ich kann mich diesem rauen Charme der Terror-Erotik nicht ganz entziehen, bin aber heilfroh, an diesem Abend kein Mann um die 40 zu sein.

„Jeder Pickel ist ein Schrei nach Freiheit!“

carmela de feo

Ich finde es ja immer herzerfrischend, wenn bei all dem männlichen Künstlerüberschuss auch mal wieder eine Frau auf der Bühne steht. Eine Frau, die den Mut hat, lustig zu sein, ganz schrecklich hässlich auszuschauen und dabei trotzdem so viel Schönheit und Charme ausstrahlt, dass sich jede Menge Männer an diesem Abend freiwillig als Stalker zur Verfügung stellen.

Manchmal lässt La Signora beim Singen und Akkordeonspielen das Publikum eine klitzekleine Ahnung davon bekommen, was sie musikalisch kann. Und man ahnt, das ist jede Menge. Schade vielleicht, dass das Akkordeon nie so ganz wild entschlossen losgelassen wird und so manche skurrile Geschichte in der eigenen Absurdität zu ertrinken droht.

Wundervoll dagegen die ruhigeren Passagen, wenn La Signora auf der Bühnentreppe mitten im Publikum sitzt und ein kleines Märchen vorliest, das ihr damals die Oma in Sizilien erzählt hat, während sie dabei auf dem Schoß der Enkelin saß, die ihr das Gebiß gereinigt hat. Ein Märchen von der Schönheit und der Hässlichkeit, die nach dem Baden ihre Kleider vertauschen und seit diesem Tag immer verwechselt werden.

Und während das Publikum noch versucht, die Poesie des Moments zu begreifen, stürmt La Signora auch schon wieder los und endet in einem furiosen Finale mit einem wilden Liebeslied an ihre Heimatstadt Oberhausen. Sie tanzt! Und wie sie tanzt!

Es war ein ungewöhnlicher Abend. Ein Abend, so prall gefüllt mit kraftvoller Komik und Lust, dass man danach dasitzt und glaubt, einen Tornado überlebt zu haben. Die Frisur ist zerstört, aber der Kopf ist gelüftet vom alten Mief hübscher, aalglatter Liederabende.

„Die Liebe ist wie eine Einbauküche. Irgendwann hat man die Schnauze voll davon!“


Wenn man bedenkt, dass La Signora zur Zeit gerade erst dabei ist, einzelne Küchenelemente zum Aufbau auszupacken, wird es noch sehr viele schöne Abende am Küchentisch geben.

Auf die Liebe!

Auf die Schlachtplatte!

Go, La Signora, go!

Wer noch einen Nachschlag möchte, sollte unbedigt Carmela De Feos Homepage besuchen. Neben tollen Fotos und Videos gibt es dort die Möglichkeit, sich ganz unkompliziert als Stalker zu bewerben. Das ist doch mal ein Service!

http://www.carmeladefeo.de/

 

5 Responses to “The Kotelett of love”

  1. Gerdi Says:

    Ich kenne die Senora leider noch nicht. Aber ich werde mir den Termin notieren, wenn sie im „Scheibenwischer“ ist. Der braucht dringend einen Relaunch.

  2. So, das lob ich mir. Weiter so, lieber Gerdi! ;-D

  3. Mari Posa Says:

    Dir noch viele solcher toller Abende und uns dann diese wundervollen Texte zum lesen. :-)

  4. Oder auch gut: selber hingehen, wenn die wunderbare LA SIGNORA mal in Berlin aufschlägt!!!! Und dann mir davon berichten, fänd ich scharf!

  5. Mari Posa Says:

    Manche mögens scharf. ;-)


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