Hiermit stelle ich folgende Sachverhalte richtig:
A) Ich wohne nicht bei Paris Hilton zur Untermiete.
B) Ich bin zur Zeit nicht in der Erotikbranche tätig.
C) Ich leite kein erfolgreiches Familienunternehmen für Travestieshow-Fachbedarf.
Und trotzdem komme ich dieser Tage nach Hause und finde mich mit etwas so Bizarrem konfrontiert, dass ich mir wünschte, ich hätte mich in der Wohnungstür geirrt.
Ich betrete also nach einem harten Arbeitstag (an dem auch noch die Frisur überhaupt nicht sitzen wollte) meine Wohnung - und da steht es:
Das „Telefon“ des Grauens.
Ein Traum in Zartrosé. Kommunikationszuckerwatte. Eine artifiziell anmutende Mischung aus einer Miss Piggy-Diva-Boa und einem Fernsprechapparat. Ein Gegenstand aus der Reihe „Die 10 flippigsten Accessoires der 80er“. In MEINER Wohnung! Mein geschützter Raum, meine Wohlfühlzone! Ahhhh!
Ich meine, hallo, mal angenommen, die Polizei kommt und findet so was Geschmackloses bei mir, da bin ich doch sofort auch in allen anderen Punkten verdächtig. Oder von vornerein schuldunfähig. Man weiß es nicht, aber das Risiko ist mir einfach zu hoch. Meine Freunde würden mich sicher sofort ausgrenzen, weil sie befürchten müssten, von mir von diesem Telefon aus angerufen zu werden. Und, ach ja, Besuch könnte ich auch keinen mehr einladen, weil alle Angst hätten, dass gleich Dolly Buster ums Eck kommt, um an meinem Zoschelalbtraum schlüpfrige Zuschauerfragen zu beantworten.
Die ersten Stunden unseres Zusammenlebens haben das Telefon und ich deshalb ganz bewusst auf Distanz verbracht. Erst mal gegenseitig beschnuppern und schauen, wie weit man gehen kann.
Anfassen war beim besten Willen nicht drin – vielleicht aus Angst, dass das Horrorteil noch oder wieder lebt oder einfach so lecker schmeckt, dass ich nicht aufhören kann und mir dann an der Wählscheibe den Magen verderbe.
Beim Vorbeilaufen hat das rosa Flitterzeug aber sehr lieblich im Wind geflattert. Das hatte was. Da bin ich extra ein paar mal zurück gelaufen. Sssssshhh! Wie eine Trauerweide im lauen Herbstwind. Nur viel rosaner.
Meine Katze hatte da weniger Berührungsängste. Bis ich abends mal wieder im Flur vorbeischaute, hatte Lady Lucy das Telefon bereits erlegt und saß, sich scheinheilig putzend, inmitten eines Bergs Püschelfederchen.
Gutes Tier!









