„Au weia, jetzt geht’s ans Eingemachte. Also: Ich finde Dich total niedlich!“
Genau so begann einer der lustigsten Liebesbriefe, die ich in meiner langjährigen Laufbahn als Herzensbrecherin und Vamp bekommen habe. Die Betonung liegt übrigens auf „lustig“, und das mit dem Eingemachten fand ich sogar mal richtig originell… aber mit „niedlich“ darf man mir nicht kommen. Zumindest nicht, wenn man mir sachlich erklären möchte, welche meiner vielen positiven Eigenschaften den Antragsteller letztlich überzeugt hat.
Im Zusammenhang mit mir auch gern genommen: „putzig“ oder „süß“. Uärg. Geht gar nicht. Passiert mir aber immer wieder.
Ich möchte als vielseitige Frau mit all meinen Facetten betrachtet werden. Ganzheitliches Begehren sozusagen. Ja, bitte, schaut doch mal auf meinen Knackarsch! Sabbert mir in den Ausschnitt!
Okay, ich geb’s zu. Der Hauch von Verruchtheit umweht mich nicht pausenlos. Da bin ich manchmal nachlässig.
Und so ist es dann wohl auch passiert. Ich sitze also mit meinem Kollegen Manfred im Pausenraum, und da sagt der zu mir: „Schade, dass es bei uns im Team keine richtige Frau gibt!“
So. Das ist ja mal was Neues. Gerade Manfred will beurteilen, was eine richtige Frau ausmacht. Dieses kleine Würstchen in Trekking-Sandalen?! Wir sind 18 Frauen im Team. Aber keine ist richtig? Wo doch immer mindestens eine davon PMS ist? Und was ist mit mir? Hallo?
Jetzt gebe ich mir solche Mühe, fraulich zu wirken und war bislang auch ganz zufrieden mit meinen Leistungen. Ich rasier mir jeden Morgen die Haare von den Zähnen, trage fleißig Rosa und ab und zu sogar einen Push up-BH (Was mich nervös macht, weil ich dann meine Füße nicht mehr sehen kann… nee, kleiner Scherz.)
Hm, keine richtige Frau. Das hat mich dann doch nervös gemacht. Also bin ich nach Feierabend direkt in den Zeitschriftenladen und habe mir eine Ausgabe des „Barbie“-Magazins gekauft. Am nächsten Tag habe ich es dem Chef auf den Schreibtisch gelegt und gefragt, ob ich so was unter „Fachliteratur zur Weiterbildung“ abrechnen könne. Das fand der lustig, aber Geld hab ich nie dafür bekommen.
Der Manfred ist sowieso ein total possierliches Kerlchen. Und immer in Sorge um das Wohlergehen seiner Kolleginnen. Gerade auch im Sommer. Da schaut Manfred dann immer gewissenhaft nach, ob bei seinen Mädels noch alle Titten ordnungsgemäß im Ausschnitt sitzen.
„Toffi, glaubst du, die Praktikantin muss ihre Schamhaare wegrasieren, wenn sie diese Hüfthosen trägt?“
Solche philosophischen Exkursionen mag der Mann. Manchmal lass ich mich auf diese Spielchen ein, nur um ihm den Spaß zu nehmen. „Meinste echt, die hat schon Schamhaare?“ oder auch „Hm, keine Ahnung, ich schau bei der immer auf die Riesenmöpse!“ Das turnt den total ab, wenn ich da mithalte. Richtige Frauen machen das nicht.
Mir ist übrigens auch aufgefallen, dass Manfred in meiner Gegenwart kaum noch Taschenbillard spielt. Sie kennen das? Hände in die Hosentaschen, durchzählen, ob noch alle Eichen da sind und dann die Konsistenz überprüfen. Abschließend an den Fingern riechen. Großes Kino!
Schön, dass es noch richtige Männer gibt! Danke!
Durch solche Testosteron gesteuerten Totalausfälle weiß man doch die Frau ansich erst wieder richtig zu schätzen.


