La Petite Patate

……………Weichkochend. Bissfest. Und très dangereuse!

Kartoffel und die affige Orchidee Januar 21, 2008

Gespeichert unter: Auf dem Land, Begegnungen, Mein Leben, Pflanzenwelt — lapetitepatate @ 8:42

Zum Nikolaus habe ich von meiner Tante eine Orchidee bekommen. Nett, denken Sie? Nun ja, nüchtern betrachtet, ist solch ein Geschenk genauso sinnvoll, wie wenn man einem Vegetarier einen Ring Fleischwurst schenkt oder einem Dreijährigen ein 1000er-Puzzle von Rembrandts „Nachtwache“.

Da hatte ich nun dieses blühende Ding im Esszimmer stehen und fühlte mich sofort komplett überfordert. Also schnell mal gegoogelt, um die Befürchtung, es könne sich tatsächlich um eine Orchidee handeln, zu verifizieren.
Die Königin der Blumen, voller Anmut, Perfektion und Lebensfreude. Auch bei Google herausgefunden: es gibt keine Blumenklappen, wo man ungewollte Fauna anonym in liebevolle Hände abgeben kann. Verdammt.
Ich habe mich so hilflos gefühlt, wie es seinerzeit der Eisbärenmutter im Nürnberger Zoo ergangen sein muss. Nur, dass ich die Blume nicht einfach so in meine Höhle schleifen und auffressen konnte. Ich reagiere auf Rohkost nämlich immer mit Blähungen.
Aktive und schnelle Sterbehilfe fiel also flach, so dass das Gewächs und ich uns in stiller Übereinkunft auf eine Behandlung ohne unnötige lebensverlängernde Maßnahmen einigten. Die Prozedur ist ganz einfach, gerade bei Orchideen. Man nehme eine dicke Portion Respektlosigkeit von Seiten des Halters und gieße heute viel zu viel und dann vier Wochen gar nicht mehr. Worauf die ersten sieben Blüten ratz fatz kapitulieren und knitterig neben dem Topf rumfliegen.

Ich persönlich finde sowieso, dass blühende Orchideen überbewertet werden. Genau genommen sind Orchideen die Diven unter den Topfpflanzen und voll überheblich, nur weil sie aus gutem Hause kommen und sich deshalb für etwas Besseres halten. Den Zahn habe ich meiner Orchidee auch gleich gezogen. Wer bei „Lidl“ im Sonderangebot verscheuert wurde, der braucht gar nicht erst so arrogant vor sich hinzublühen bei mir.

Ein Gutes hat die ganze Aktion: Seit dem 6. Dezember freue ich mich darauf, dass nach dem Ableben meiner vertrockneten Freundin eine kleine schwarze Haarklammer frei werden wird, die dem Stängel der Pflanze in Krisenzeiten Halt gab. Mein biologischer Ehrenkodex verbietet es mir jedoch, eine Pflanze wegzuwerfen, die noch grüne Stellen hat… aber hey, bis nächste Woche kann ich jetzt auch noch warten – und dann gibt’s für mich endlich die elegante Hochsteckfrisur, die ich mir schon so lange gewünscht habe.

wilde orchidee III

Aktueller Blütenstand vom 20.1.08

(Schaut nur, wie wunderschön die Haarklammer ist!)