La Petite Patate

……………Weichkochend. Bissfest. Und très dangereuse!

Es ist ein Gurk’ entsprungen… Dezember 23, 2009

Abgelegt unter: Uncategorized — lapetitepatate @ 4:46 pm

Günni lässt sich festlich hängen.

Günni lässt sich festlich hängen.

 

Die Familie, Heimat des Herzens Dezember 4, 2009

Abgelegt unter: Auf dem Land, Begegnungen, Liebe, Mein Leben — lapetitepatate @ 1:21 pm

Gestern ist mein Papa 70 Jahre alt geworden. Und wenn bei Vätern ein wichtiger runder Geburtstag ins Haus steht, dann wirft solch ein Ereignis meist schon Monate vorher seine düstersten Schatten voraus. In diesem Fall begannen die unheilschwangeren Androhungen meiner Mutter schon im Spätsommer. Ständig ging’s in Gesprächen um die Planung des großen Events – immer sorgfältig mit der Nachfrage verbunden, ob ich denn schon eine originelle Geschenkidee hätte und ich mir den 3.12. auch wirklich frei halten würde. Ja, Mama, alles in bester Ordnung, versprochen, ja.

Fünf Tage vor dem Jahrhundertereignis zerschlägt sich dann leider ziemlich so alles, was ich akribisch geplant hatte. Dabei fand ich meine Idee mit der Überraschungs-Torte zum 70. Geburtstag total toll! (Und so praktisch, weil kein weiteres Geschenk nötig gewesen sein würde, kein Rasierschaum oder After Shave, geschweige denn eine bunte Krawatte, die der Renter höchstens als Schrankdeko hätte nutzen können.)

Meine Mutter fand: Nein, keine Torte. Wirklich nicht.

„Ach, meinste wegen Papas Diabetes?“

„Nein, die Verwandten fressen eh schon so viel, da muss es nicht noch eine fettige Torte sein!“

„Och.“

Puh, herbe Enttäuschung. Aber: Im Alter gereift, inszeniere ich keinen größeren Eklat und wälze mich deshalb nur ganz kurz schreiend auf dem handgeknüpften Teppich vor den Füßen meiner Mutter. Vielleicht hat auch die akute Sinusitis mein seelisches Wohlbefinden etwas beeinflusst, jedenfalls verbringe ich daraufhin zwei Tage völlig lethargisch und antriebslos auf meinem Sofa und warte auf Eingebungen. Was schenken? Zum Glück gibt’s den Amazon-Prime-Versand, der mich bezüglich meiner Unentschlossenheit in trügerischer Sicherheit wiegt. Kannste ja noch am Tag vorm Geburtstag was Dolles bestellen. Schlaf dich jetzt mal lieber gesund.

Und gestern sitz ich dann bis um 15 Uhr auf einem Campingstuhl vor der Haustür und warte auf die Post. Und warte und warte und warte.

15 Minuten später steh ich also in der Chocolaterie in der Altstadt und bestelle eine Pralinenmischung „für so 15 Euro“. Die nette, graumelierte Verkäuferin füllt liebevoll eine Köstlichkeit nach der anderen in eine goldene Schachtel, während ich genügend Zeit habe zu testen, ob meine Nase schon wieder was riecht. So eine Chocolaterie ist ja das reinste Schlaraffenland! So viele Düfte und Kalorien, da wird’s einem ganz schummerig vor Glück. Ob eine Fleischfachverkäuferin neidisch ist auf eine Chocolateriere?

„Das macht dann 23, 90€, bitteeee!“, flötet’s mich aus meinen Gedanken raus, und ich zahle und wanke raus in die Fußgängerzone, wo mir ein nikolausbemütztes Arschloch mit seinem Glühwein zuprostet. Hm, ich hätte schwören können, dass ich zu viel bezahlt habe, aber wahrscheinlich hab ich irgendwas wie „Darf’s ein bisserl mehr sein?“ verpasst.

Wie dem auch sei, in 30 Minuten geht die Party richtig los, da kann man sich nicht mit Kleinigkeiten aufhalten. Noch eben schnell eines dieser witzlosen Johann Lafer-Kochbücher geschnappt und schon -

„Soll ich’s ihnen als Geschenk einpacken?“

„Och ja, das wäre toll!“

Mein Kopf dröhnt, überall Mütter, die Prinzessin Lillifee-Schulsachen kaufen.

„Welches Geschenkpapier möchten Sie? Das Blaue, das Goldene, das mit den Sternen…“

„Das Blaue.“

„Wollen Sie das Papier nicht erst mal sehen?“

„Nein, ich hab’s eilig.“

Für eine im Buchladen beschäftigte Frau Ende 50, die gerade die Kinder und den Mann aus dem Haus hat, glücklich geschieden ist und dank Psychotherapie und Thai Chi ihre innere Mitte gefunden hat, ist so ein dummer Spruch natürlich eine Kriegserklärung – heute wird das Einpacken ganz bewusst und langsam durchgeführt werden („Das Papier spüren!“ „Den Tesa abrollen!“). Wo käme man denn da hin, wenn man sich von äußeren Einflüssen stressen ließe.

Aber schon beeindruckend, wie hässlich menschlich-profan das Einpack-Ergebnis dann trotzdem noch ausgefallen ist. Sollte sie vielleicht doch noch mal mit ihrem Guru drüber reden. So von wegen ergebnisorientierte Gelassenheit im Arbeitsalltag.

Mein Schädel feiert inzwischen seine ganz eigene Party, und ich bin auf dem Weg zum 70. Geburtstag meines Vaters. Ich glaube, keine Ausrede der Welt hätte mich davor bewahren können. Am Abend vor dem großen Ereignis rief nämlich sicherheitshalber meine Mutter noch mal bei mir an, um meinen aktuellen Gesundheitszustand zu überprüfen. „Ach, Du klingst ja schon wieder gut, da kannste ja morgen auf alle Fälle kommen! Wie, Nase verstopft?!? Dann musste halt durch den Mund atmen. Herrje. Und mach Dich schön, ja? Nimm ordentlich Make Up, dann siehste auch nicht so kränklich aus!“

Ich gratuliere meinem Vater herzlich und nehme mit Entsetzen wahr, dass das Festsaal-Wohnzimmer schon prall gefüllt ist mit Essen, schweren Parfums und verwandten Menschen. Lange nicht gesehen und ach, wie die Zeit vergeht. Tante Christa hatte wohl inzwischen an den Kopfseiten Haar-Rodung, und ich frage mich, ob sie das selbst sieht, wenn sie im Spiegel vorne ihre Frisur hintoupiert. Auch beeindruckend sind die Ohrläppchen von Tante Uschi, die schon fast bis auf die Schultern reichen.

(Pfui, Toffi, wir wollten nicht immer defizitorientiert auf andere Menschen schauen! Konzentrier Dich auf das Schöne!)

Mein Vater ist glücklich, er strahlt wie ein Honigkuchenpferd und vergisst darüber, dass seine Schwägerin immer noch keinen Sekt bekommen hat. Die ist nachtragend und beschließt, für den Rest des Abends nicht mehr zu lachen.

Auf dem Weg zu den gefüllten Weinblättern treffe ich Onkel Konrad, der mir kraftvoll die Hand schüttelt und mich eindringlich mustert:

„Mensch, Toffi, Du bist ja auch nicht mehr gewachsen!“

Während ich langsam bis 10 zähle, um nicht aggressiver als nötig zu antworten, ist der liebe Onkel auch schon weitergezogen zu den Forellenfilets. Schade, dem hätte ich’s gerne so richtig gegeben.

Ist das Essen erst mal auf dem Teller, verläuft so ein Abend ja meistens recht friedlich. Man wundert sich, wie viel das kleine Tantchen immer noch verdrücken kann und freut sich über einen Anruf auf dem Handy, der die ersehnte Auszeit von der Familie beschert. Manche wundern sich, wo ich bin, meine Mutter hat die Erklärung schnell parat: „Ach, das Mausele geht immer noch so gerne in sein Kinderzimmer, total goldisch!“ Mein Cousin verrät mich mit einer derart ekelhaften Schadenfreude, dass es nur so nach Rache schreit. „Im Kinderzimmer? Nee, die ist in der Küche und telefoniert schon wieder.“

Aber ich kann auch eine gute Tochter sein, und so sorge ich wenigstens liebevoll für die Getränke, was Onkel Peter schnell raushat und mir zu vorgerückter Stunde nur noch mittels eines Fingerschnippsens zu verstehen gibt, dass neuer Schnaps fällig ist. (Mein Cousin muss an diesem Abend leider verdursten.)

Dann die obligatorische Rede von der Ohrläppchen-Tante. Ein Gedicht, in dem es darum geht, dass für meinen Vater der letzte Zug hoffentlich Verspätung haben möge. Bevor ich vor lauter Rührung weine, mache ich lieber ein paar Bilder meiner Familie. Schön, wie sie alle so still und melancholisch aus ihrer Festtagskleidung gucken; und für einen kurzen Moment mag ich sie. Bedingungslos. Es ist und bleibt halt Familie, kannste nix machen.

Aufgelockert wird die festliche Stimmung dann erst wieder, als ein Käsescheiterhaufen samt Wunderkerzen herunterbrennt und mein Vater endlich das Spätzle von seiner Krawatte entfernt und zu mir rüberschnickt. Schon niedlich, irgendwie.

Doch, ich glaube, ich freu mich fast auf das nächste Familientreffen. Ist doch irgendwie auch schön, wenn man alle paar Monate mit seinem eigenen Genpool konfrontiert wird. Man soll sich ja seiner Angst stellen, sonst wird sie nur mächtiger und größer.

Komm nur Angst Familie, ich bin bereit!

Blöd nur, dass schon in 20 Tagen Heiligabend ist und ich noch kein einziges Geschenk habe. Aber zum Glück gibt’s ja den Amazon-Prime-Versand.

Fröhliches Geburtstagstreiben mit kleiner Nascherei. (Nachgestellte Szene.)

Fröhliches Geburtstagstreiben mit kleiner Nascherei. (Nachgestellte Szene.)

 

Der Kloß zum Sonntag November 8, 2009

Abgelegt unter: Auf dem Land, Aus aller Welt, Essen & Trinken — lapetitepatate @ 2:04 pm

Wer kennt das nicht: es ist Sonntag, der Schweinebraten schmurgelt gemütlich im Ofen vor sich hin, Papa diskutiert am Stammtisch Weltpolitik und die Kinder basteln Kastanienmännchen am Küchentisch, während im Hintergrund eine lustige Kinderlieder-CD von Ralf Zuckowski dudelt.

Ja, was könnte da denn noch fehlen zum perfekten Glück? Genau, eine Sättigungsbeilage zum Sonntagsbraten! Und weil Nudeln langweilig sind und Rosenkohl sowieso keiner mag, soll’s heute Klöße geben!

Klöße? Selbstgemacht? Oh, das ist aber schwer!

Denn: Der Kloß, das unbekannte Wesen!

Nicht verzagen! Mit Hilfe von Original-Zitaten der Klugscheißerschule „Wikipedia“ und einigen persönlichen Anmerkungen der Mutter aller Kartoffeln, nämlich mir, sollten falsche Berührungsängste schnell ausgeräumt und die ewige Pastafresserei endgültig vorbei sein.

Der Kartoffelkloß – kleine Kloßkunde anhand der Kartoffelhäuser Kloßkönigin Klara Kloßi

Kloßkönigin Klara Kloßi

Kloßkönigin Klara Kloßi

Das Wort „Klöße“ leitet sich vom Althochdeutschen ab und bedeutet „Kugel“, „Knäul“ und findet sich auch heute noch in „Klumpen“ und „Knolle“ wieder. (Jawohl, das klingt deutsch und viel sättigender als “Farfalle” oder “Gnotschi”!)

Die Zubereitung der Klöße ist anspruchsvoll und erfordert einiges Geschick sowie einen guten Überblick in der Küche. (Geschick? Überblick? Das klingt ja nach Akrobatik am Herd! Ich würde jedenfalls empfehlen, am Anfang nur mit 2-3 Klößen zu jonglieren!)

Um eine perfekte Kloßkönigin herzustellen, nehme man 2/3 rohe, geriebene Kartoffeln und 1/3 zerkochte Kartoffeln, dazu ein Paar fesche Sportschuhe und einen zeitlosen Marienkäferumhang.

Der Kartoffelhäuser Kloß ist idealerweise kugelrund, glatt und nahtlos geformt. Ein perfekt angefertigter Kloß lässt an seinem Schwimmverhalten erkennen, ob er gar ist. (Lassen Sie sich nicht davon irritieren, falls ein Rudel Klöße zum Synchronschwimmen ansetzt, und versuchen Sie auf gar keinen Fall, ertrunkene Klöße zu reanimieren – macht nur unnötige Sauerei in der Küche!)

Klöße werden traditionell zum Sonntagsbraten zusammen mit verschiedenen gekochten Krautsorten und einem kleinen goldenen Krönchen serviert.

Guten Appetit!

Warnhinweis:

Bei falscher Zeiteinteilung während der Zubereitung können sich die Klöße, bedingt durch ihren Anteil an rohen Kartoffeln, während des Ziehens in heißem Wasser grün bis dunkelgrau färben.

Zeitlich falsch eingeteilte Kloßkönigin.

Zeitlich falsch eingeteilte Kloßkönigin.

 

Linguistik für Liebhaber Oktober 11, 2009

Abgelegt unter: Aus aller Welt, Liebe, Musik — lapetitepatate @ 12:07 pm
Donna Quichotte und Sancho Gitarra.

Donna Quichotte und Sancho Gitarra.

Was sind Brüste in einer Rüstung?

Eine Brüstung.

 

Kartoffel und der letzte Heuler September 13, 2009

Abgelegt unter: Begegnungen, Kinder, Mein Leben — lapetitepatate @ 1:08 pm

Da sitze ich also mit zwei pfiffigen Kartoffelkindern auf der Bank und überblicke friedlich die eindrucksvolle Weite des Sandkastens. Und während ich so überlege, ob die imposanten panierten Würstchen noch Katzenkot oder schon Hundedreck sind, beginnt neben mir eine philosophische Gesprächsrunde.

Nadja (6): „Erwachsene heulen nie.“

Carla (11): „Na, na, täusch dich da mal nicht!“

Nadja schaut mit kritischem Blick zu Carla, die weiterhin sorgfältig ihre Fingernägel ausmistet und offensichtlich eine kleine, wirkungsvolle Kunstpause eingelegt hat…

Carla: „Eltern weinen heimlich. So, dass es keiner sieht!“

Nadja: „Hm… aber ich hab meinen Vater schon weinen gesehen! Genau 1 mal!“

Carla: „Echt? Cool! Dann war er sicher sautraurig!“

Nadja: „Nö. Mein Papa hat geweint, als Kaiserslautern aufgestiegen ist!“

 

Kunigunde die Kirmes-Kartoffel September 8, 2009

Abgelegt unter: Aus aller Welt, Begegnungen, Mein Leben — lapetitepatate @ 7:46 pm
Formschöne, vom Original kaum zu unterscheidende Marzipankartoffel.

Tapfere kleine Marzipankartoffel.

Ein Herz für Kartoffeln!

Kunigunde wurde gestern aus den Fängen einer skrupellosen Schausteller-Bande befreit. Wochenlang lag die kleine Kartoffel zwischen salzigem und süßen Popcorn und war gezwungen, sich mit einer Aussicht auf Lebkuchenherzen und ein alterndes Kettenkarussell zu begnügen, während sie ihren kleinen Kartoffelkörper zur Schau stellen musste.

Nachdem die symbolische Ablösesumme von 1,-€ am vereinbarten Treffpunkt übergeben worden war, konnte Kunigunde nun endlich eine ihr angemessene Unterkunft beziehen und erholt sich derzeit auf weißen Kuschelkissen von den dramatischen Erlebnissen ihrer Kindheit als Kirmeskartoffel.

Wir danken Frau Krokette für ihren heldenhaften Einsatz! Sie hat keinen Augenblick gezögert, beherzt mit beiden Händen in die Kartoffelauslage zu grabschen, um sich einmal mehr für den Kartoffelschutz stark zu machen!

 

Gib Gummi, Norbert! August 21, 2009

Abgelegt unter: Auf dem Land, Begegnungen, Mein Leben, Pflanzenwelt — lapetitepatate @ 1:16 pm

Während ganz Kartoffelhausen im kollektiven Hitzewahn danieder lag, hat mein Gummibaum Norbert den heißesten Tag des Jahres klammheimlich dazu genutzt, ein neues Blatt zu gebären!

Norbert mit Nachwuchs.

Norbert mit Nachwuchs.

Ist es nicht wunderschön? Dieses zarte, aber gleichsam kraftstrotzende Grün? Neues Leben erschaffen, genau dann, als jegliche Hoffnung verbrutzelt schien?

Ja, mein Norbert!

Wer hätte das gedacht…

Norbert kam ja über ein paar Umwege zu mir nach Hause, und wir hatten wirklich keinen leichten Start. Ich erinnere mich noch genau, wie Anfang diesen Jahres während eines Schneesturms meine Mutter anrief und unbedingt sofort wissen musste, was man mir zum Geburtstag Ende Mai schenken könne.

Oh Gott, isses schon wieder soweit!?! War nicht grade Weihnachten?

Es ist ja immer leichter zu sagen, was man nicht will, also: keine Handtücher, der Schrank wäre dann jetzt voll, danke. Nein, ein luftiges Nachthemd bräuchte ich auch nicht wirklich und Unterwäsche? Die kauf ich lieber selbst. Zumal ich absolut nichts mit Größe 42/44 anfangen kann.

„Aber Du hast schon ganz schön zugenommen hintenrum, Kind… und Unterhosen müssen doch bequem sitzen, also ich würde…“

Und plötzlich höre ich diese Stimme, die verdammt vertraut nach meiner klingt.

„Einen Gummibaum! Schenkt mir einen schönen, großen Gummibaum!“

Ich weiß wirklich nicht, wie ich in diesem Moment auf einen Gummibaum gekommen bin. Aber meine Mutter hat’s einfach so hingenommen. Ohne auch nur eine einzige Gegenfrage zu stellen, die die Sinnhaftigkeit meines Wunsches in Frage gestellt hätte. Wow!

Man fühlt sich komplett im Erwachsenenleben angekommen, wenn man sich für seine Wohnung eine Grünpflanze schenken lässt. Doch, das hat was. Das ist so dekadent-spießig wie weltoffen-häuslich.

Am Tag meines Geburtstages klingelt’s an meiner Haustür und vor mir steht ein Gummibaum. Irgendwo dahinter meine Mutter, von der ich lediglich ein paar Füße sehe. Ah, die Schuhe kenn ich, ich lass den Baum also rein. Der wankt schnurstracks ins Esszimmer, wo er mit seiner wahnsinnig intensiven Präsenz die anderen Gäste völlig unvorbereitet trifft. Vielleicht hatten Manche für einen kurzen Moment gehofft, ein Überraschungsgast sei angekommen! Ein Alleinunterhalter mit Cartoon-Krawatte oder ein Zauberer mit einem unförmigen grünen Accessoire. Dann war’s aber doch wieder nur meine Mutter. Mit Norbert, dem Gummibaum. Was für ein platzeinnehmendes Prachtstück! Meine Katze erbricht reflexartig ein psychosomatisches Haarbüschel. (Die Katze gerät leicht unter Stress, wenn sie nicht im Mittelpunkt steht und/oder meine Mutter zu Besuch kommt.)

Nachdem die Familien-Baum-Feier geschafft ist, lasse ich Norbert einfach stehen.Wochenlang. Er steht also da, streckt sämtliche Luftwurzeln von sich und guckt mich bei jeder Gelegenheit vorwurfsvoll an.

Ich bin ja kein Unmensch. Und Norbert war ja ein Wunschbaum. Also besorge ich mir einen Sack Erde, topfe Norbert um und poliere seine Blätter auf Hochglanz. Und dann darf er sogar vom Flur in mein Arbeitszimmer umziehen, wo ich ihm jeden Morgen etwas vorsinge, und wir ein paar spannende Partien Kniffel ausgetragen. (Weiß jemand, warum Gummibäume geradezu hämisch oft ein „Full House“ würfeln?)

Und heute morgen komme ich ins Norbertzimmer und will den kleinen Racker zum Frühstück rufen, da seh ich es: er hat Nachwuchs bekommen! Sozusagen über Nacht! Während ich gestern den ganzen Tag apathisch wie eine verkochte Ofenkartoffel auf dem Sofa gelegen habe, hat sich Norbert mal so richtig ins Zeug gelegt!

Chapeau, kleiner Gummibaum!

Du bist das Beste, was mir passieren konnte!

Meine Katze erbricht eine Portion Trockenfutter. Ah, die Aufmerksamkeit, Entschuldigung.

 

Mein Name ist Blond. Naturblond. Juli 19, 2009

Abgelegt unter: Auf dem Land, Begegnungen, Liebe, Mein Leben — lapetitepatate @ 12:50 pm

directorscutdresden

Es hat schon einen ganz besonderen Charme, den heißesten Tag des Jahres zu erwischen, um die längst überfällige Totalerneuerung beim Friseur vornehmen zu lassen. Und was soll ich sagen: es gab einen neuen Rekord! So lange wie diesmal war ich noch nie unter der Haube! 4 Stunden! Vier Stunden, in denen man nonstop an meinem Haupthaar und dem dazugehörigen Kopf rumgefummelt hat, bis selbst meine eigene Mutter jegliche Familienähnlichkeit abgestritten hätte!

Nun ja, ich war die letzten Monate nachlässig, das muss ich zugeben. Aber wer hat schon immer Lust, mal eben einen halben Urlaubstag in die Schönheit zu investieren? Nee, ich nicht. Und so war es Sommer geworden – und meine Frisur unbemerkt zum Hippie mutiert.

Draußen also gefühlte Temperaturen von mindestens 37°C, und während sich der Rest meiner Sippe Richtung Badesee davonmacht, begebe ich mich zur Friseurin meines Herzens: Elke.

Elke ist die beste Haarbändigerin, die ich kenne – und sie weiß alles über mich. Bereits in der ersten Sitzung haben wir ohne Berührungsängste die wichtigsten Fragen geklärt:

Ja, das Haar ist echt. Nein, ich bin nicht asiatischer Abstammung. Mario Barth wird überschätzt, und ja, es gibt Kabarettisten, die sich die Wimpern färben.

Der Friseur-Salon ist leer wie ein Aldi-Markt am Ostersonntag, und ich überlege ernsthaft, warum wieder alle außer mir wussten, dass man an so einem Tag nicht zum Friseur geht. Elke jedenfalls freut sich auf mich und meine Haare, das spür ich. Wir einigen uns auf Strähnen im Honigblond vom letzten Mal und gerade als ich versuche, nicht am Ledersessel festzuschwitzen, quiekt Elke auf: „Ohhhh, da sind ja zwei naturblonde Haare!“

Und ich Blondchen versuche auch noch, rational nachzuvollziehen, was da oben auf mir los sein könnte! Ja, blond war ich als Kind mal, aber heute?! Hm…

„Haha, naturblond klingt gut, gell?? Ist doch viel besser als GRAU!“

Ah, ist sie nicht niedlich, die Elke?!

Geschlagene 110 Minuten wickelt Elke Strähne um Strähne in Alufolie, und was soll ich sagen, es ist anscheinend mein Glückstag: Elke hat Redebedürfnis! Und Zeit! Viel Zeit! Es sind ja keine anderen Kunden da! Drei Stunden später weiß ich alles über ihren Freund Franz, der beim Metallica-Konzert eine Panikattacke bekommen hat und dass die Stammkundin Sonja Hautkrebs hat und Elke ihn zuerst entdeckt hat. Das ist für mich als Kundin mit sensibler Haut ja so was von beruhigend! Ja, diese kleinen schwarzen Pünktchen im Nackenbereich, die so komisch genässt haben, wenn man mal wieder mit der Schere oder dem Kamm dran kam. Und dann erst die Krebs-Operation! Die mussten 6 cm tief in den Hals reinschneiden!

Ich versuche kurz, mir vorzustellen, was passiert, wenn man 6cm tief in den Hals reinschneidet und wo man vorne wieder rauskommen würde, dann fällt mir aber wieder ein, dass es draußen heiß und mein Krauslauf instabil ist, und ich nicht unnötig beim Friseur kollabieren möchte.

Es folgt eine 45minütige Haarwäsche mit allem Pflegepipapo und einer leidenschaftlichen Kopf-Nacken-Massage durch die Hände des Lehrmädchens. Wo nimmt das zarte Ding nur diese Kraft her?

Wow. Ahhh. Hui.

Ich hoffe, es gibt keine Nervenenden unter der Kopfhaut, die man langfristig schädigen kann durch zu beherztes Zupacken.

Inzwischen klebe ich doch am Ledersessel fest und jede noch so kleine Bewegung löst entzückende Furzgeräusche aus, die alle außer mir erfrischend lustig finden. Das tut doch weh, wenn man im Sommerkleidchen da festpappt! Ich möchte weinen, habe aber keine Tränen mehr übrig, weil ich jegliche Flüssigkeit ausgeschwitzt habe.

Nach 3 Stunden 30 Minuten sind meine Haare endlich fertig! Frisch gefärbt, geschnitten und hingeföhnt, möchte ich mein Glück rausschreien! Ja, ich bin frei! Da kommt Elke auf die Idee, mir „noch schnell“ eine Hochsteckfrisur zu machen, wegen der Hitze und so. Gut, klingt logisch, und Friseurinnen kennen ja sicher raffinierte Tricks, um selbst so unglaublich dickköpfiges Problemhaar wie das meine elfengleich hochzutrapieren.

13 Minuten und 17 Versuche später seh ich Elke zum ersten Mal an diesem Tag schwitzen!

„Na, das muss doch irgendwie hinzukriegen sein!“, kommt da kämpferisch von oben – und ich schlage „Zement?!“ vor. (Man hilft ja, wo man kann.)

„Nein, wenn Du mal heiratest, müssen wir das ja auch irgendwie hinbekommen!“

„Was? Wie? Heiraten?“

„Ja klar, viele Frauen heiraten ja nur wegen dem schönen Kleid und der tollen Hochsteckfrisur!“

Siehste mal, zwei weitere Gründe, nicht zu heiraten. Die haben mir in meiner Pro-Contra-Hochzeitsliste noch gefehlt! Prima!

Doch Elke schafft es tatsächlich, meine Haare irgendwie am Kopf zu befestigen. Mit exakt 21 Haarnadeln und allen Hilfsmitteln, die laut Gesundheitsbehörde gerade noch so erlaubt sind. Aus dem Spiegel schaut mir eine toupierte Diva entgegen, eine Mischung aus Zsa Zsa Gabor, Marge Simpson und Urban Priol. Verdammt, ist so eine Frisur vorteilhaft. Ich bin verwirrt.

Was folgt, ist meine alles entscheidende, aber durchaus berechtigte Frage:

„Muss ich jetzt heiraten?“

Elke guckt, als ob ein Büschel fettendes Schamhaar von der Decke direkt vor ihre Füße gefallen wäre.

„Na ja, bei uns im Freundeskreis, da sind der Franz und ich das einzige unverheiratete Pärchen. Und wir sind echt die einzigen, die noch nicht getrennt sind! Und Kinder haben wir auch keine, ist toll so. Viele kriegen ja Kinder, weil man’s halt so macht! … … … Also, nee, ich kann das mit dem Heiraten nicht empfehlen…. … Aber die Frisur für Dich hätten wir jetzt schon mal! Ist doch super!“

Als ich nach Hause komme, ist noch nicht mal jemand da, der mir für meine schwer erarbeitete Frisur ein Kompliment aussprechen könnte. Vielleicht besser so – am Ende macht mir noch jemand einen Antrag, nur weil die Muddi mit Hochsteckfrisur doch eigentlich ganz nett ausschaut.

„Haha, Chance verpasst, mein Schatz!“, denke ich so und lege mich genüsslich aufs Sofa. Und während sich mir 3 der Haarnadeln butterweich ins Gehirn bohren, träume ich leise schnurchelnd von einer standesamtlichen Trauung mit Mario Barth und Kurzhaarfrisur.

 

Kira im Karton Juli 17, 2009

Abgelegt unter: Auf dem Land, Mein Leben, Tierwelt — lapetitepatate @ 3:24 pm
Sommerresidenz von Frau Katze. Quadratisch, praktisch, gut.

Sommerresidenz von Frau Katze. Quadratisch, praktisch, gut.

Man glaubt gar nicht…

… wie viel Katze in einen Schuhkarton passt.

… wie lange eine Katze ohne Unterbrechung eckig schlafen kann.

… wie eine Katze nach so einem Nickerchen noch ihre ursprüngliche Form beibehalten kann.

 

Die bissige Kartoffelschau Juli 12, 2009

Abgelegt unter: Auf dem Land, Kinder, Mein Leben, Theater — lapetitepatate @ 2:10 pm

Jetzt kann ich’s sagen: Ja, die Gerüchte stimmen!

Die Kleine Kartoffel hat den Sommer tanzend verbracht! Wild und ausgelassen tanzte sie, bis ihre zarten, ballerinaesquen Füßchen breitgestampft waren wie zwei Kartoffelpuffer! Und alles für die Kunst!

Aber zum Glück fiel der Sommer dieses Jahr auf einen Montag und so konnten ein größeres Unheil und langfristige orthopädische Schäden abgewendet werden.

Frau Patate hatte also neben dem Ausdruckstanz noch genügend Zeit, sich anderen künstlerischen Projekten total hinzugeben. Wenn nicht gerade filigrane Gurken-Kraniche für den China-Imbiss nebenan geschnitzt oder Kartoffeltaschen gefilzt wurden, wechselte man mal eben ins Genre „Kindertheater“ und zeigte mit seiner zweiten Regiearbeit allen, wo der Frosch die Locken hat!

Ein Plakat aus dem Hause Patate.

Ein Plakat aus dem Hause Patate.

Niedlich, gell? Und so brav! Und was hatten die Eltern ihren Spaß! Ja, da wird schon mal ein kleines Kind aus der ersten Reihe weggeschubst, damit man hindernisfrei filmen kann. Immerhin kann sich Lisa-Maria das Video dann zu Hause in aller Ruhe anschauen.

Wenn ich könnte, wie ich wollte, würde mein persönliches Theater ganz anders aussehen… irgendwie kartoffeliger und wilder… vielleicht in etwa so:

„KaPü“ – „Compagnie de danse de la Patate“ präsentiert: Tanzheater für junggebliebene Gemüsefreunde!

Now playing:

„Der Froschkönig“ oder „Wie die niedliche Prinzessin zu der Erkenntnis kam, dass man viele Frösche schälen muss, um eine Kartoffel zu finden.“

„Dem der das schafft,

dem geb ich sogleich,

eine Tüte Pommes

und die Hälfte von meinem Reich!“

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann frittieren sie noch heute.